Stand: 11.10.2018 17:36 Uhr

Brunsbüttel: Schleusenbau am NOK deutlich teurer

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Der Bau der fünften Schleusenkammer am Nord-Ostsee-Kanal in Brunsbüttel verzögert sich deutlich.

In Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) entsteht derzeit die fünfte Kammer der Schleuse. Sie soll Platz für größere Schiffe bieten und die vier älteren, bestehenden Schleusenkammern am Nord-Ostsee-Kanal (NOK) entlasten. Die Arbeiten laufen bereits seit April 2015. Seitdem gab es aber immer wieder Probleme auf der größten Wasserbaustelle Europas - und das hat mittlerweile Auswirkungen. Der Bau verzögert sich erheblich und wird voraussichtlich um mindestens 260 Millionen Euro teurer als zuletzt geplant.

Dies geht aus einer Mitteilung des Bundesverkehrsministeriums hervor, wie die Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag berichtet. Zunächst hatte das "Flensburger Tageblatt" berichtet. Demnach kalkuliert das Ressort nunmehr mit Gesamtkosten von 800 Millionen Euro und einer Freigabe für den Verkehr erst 2024. Ursprünglich war geplant, dass die ersten Schiffe im zweiten Halbjahr 2020 die Kanalschleuse passieren können.

Ministerium nennt mehrere Gründe für Verzögerungen

Der Bericht des Ministeriums war am Donnerstag Thema im Haushaltsausschuss des Bundestages. Das Bundesverkehrsministerium verweist auf technische Probleme und Rechtsstreitigkeiten, die das Vorankommen behindern und die Kosten treiben. Zunächst waren 485 Millionen Euro für den Bau der Schleuse selbst und 55 Millionen für vorbereitende und begleitende Bauarbeiten eingeplant. Das Ministerium listet in dem Schreiben mehrere Hauptgründe für die Verzögerungen auf: Auseinandersetzungen zwischen Auftragnehmer und Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, nicht vorhersehbare, umfangreiche Sondierungen und Räumungen von Kampfmitteln sowie Anpassungen der Rückverankerungen für die Kammersohle und -wände in einem schwierigen Baugrund. "Aus den bereits eingetretenen und noch zu erwartenden Verzögerungen ergibt sich aus heutiger Sicht Verkehrsfreigabe ab 2024", resümiert das Ministerium.

Kritik von den Parteien

Hans-Jörn Arp von der CDU im schleswig-holsteinischen Landtag sagt, das Hauptproblem sei aber die Kampfmittelräumung, bei der viel mehr Bomben zum Vorschein gekommen seien als erwartet. Die FDP findet, dass die Verzögerung eine ganz schlechte Nachricht für die maritime Wirtschaft sei. "Das Bundesverkehrsministerium ist mit der Aufgabe offenbar völlig überfordert", meinte FDP-Fraktionschef Christopher Vogt.

Das sehen auch die Grünen so: Wirtschaftspolitiker Bernd Voß sagte, die Schleuse sei für den Betrieb des Nord-Ostsee-Kanals lebensnotwendig. Die SPD fordert ein Eingreifen von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Er solle umgehend bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) intervenieren. Dieser scheine die Wichtigkeit des Projekts zu unterschätzen. Die mangelnde Sorgfalt schockiere, so SPD-Verkehrspolitiker Kai Vogel.

Bundesrechnungshof legt kritische Bestandsaufnahme vor

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Das Großvorhaben in Brunsbüttel - eine neue Schleusenkammer - wird beim Bundesrechnungshof äußerst kritisch gesehen.

Neben dem Bericht des Ministeriums stand am Donnerstag auch eine sehr kritische Stellungnahme des Bundesrechnungshofes zu dem Millionen-Projekt auf der Tagesordnung des Haushaltsausschusses. Die Behörde sieht erhebliche Risiken bei dem Vorhaben und stuft es als bedenklich ein. Laut Rechnungshof könnte es zu technischen Problemen kommen, zu Verzögerungen und einer unklaren Entwicklung der Kosten. Kritik gibt es vor allem an der Verankerung der Schleuse mit sogenannten Düsenstrahlpfählen, für die ein Zementgemisch in den Boden gespritzt wird und sich mit dem Untergrund vermengt - eine Technik, für die bei Baubeginn noch kein belastbarer Nachweis über die dauerhafte Tragfähigkeit vorgelegen habe, heißt es in der Stellungnahme.

Rechnungshof will stärkere Kontrolle

Aus seiner Bestandsaufnahme schlussfolgert der Rechnungshof, dass die Haushaltsmittel für den Bau stärker kontrolliert werden sollten. Ebenso sollte das Bundesverkehrsministerium bis zum 31. März 2019 einen grundlegenden Bericht über Probleme, Kosten und absehbare Risiken abgeben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.10.2018 | 17:00 Uhr

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