Stand: 18.10.2018 10:14 Uhr

Brückenteilzeit: 700.000 können nicht profitieren

von Andrea Brack Peña

Arbeitnehmer sollen künftig ein Recht auf befristete Teilzeit bekommen. Um ihnen die Rückkehr auf einen Vollzeitarbeitsplatz zu ermöglichen, hat der Bundestag heute das Brückenteilzeit-Gesetz beschlossen. Es soll im Januar 2019 in Kraft treten. Doch rund 700.000 Schleswig-Holsteiner werden das neue Gesetz zur Brückenteilzeit gar nicht oder nur eingeschränkt in Anspruch nehmen können. Das zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Regelung schließt kleine Unternehmen aus

Denn das Brückenteilzeitgesetz soll nur in Unternehmen ab 45 Beschäftigten greifen. Damit bleiben 450.000 von insgesamt 975.000 Beschäftigten in Schleswig-Holstein ganz von der Regelung ausgeschlossen. Außerdem hat sich die Bundesregierung auch auf eine "Zumutbarkeitsgrenze" geeinigt: Unternehmen mit bis zu 200 Mitarbeitern müssen die Rückkehr aus der Teilzeit nur jedem 15. Angestellten ermöglichen. Von den 260.000 Arbeitnehmern in diesen größeren Unternehmen können sich also nur wenige über die neue Regelung freuen.

DGB: Zu wenige profitieren

Zur heutigen Entscheidung im Bundestag kommt viel Kritik aus Schleswig Holstein. "Das Gesetz hat zu viele Einschränkungen und ist nicht wirksam, weil es zu viele Menschen ausschließt", sagt Uwe Polkaehn, Vorsitzender der DGB im Norden. Das größte Problem sei die Grenze bei Unternehmen unter 45 Mitarbeitern. Der DGB-Vorsitzende zeigt aber auch Verständnis für kleine Betriebe. "Bei zehn bis 15 Mitarbeitern ist es schwer, die Regelung umzusetzen", ergänzt Polkaehn.

Unternehmen kritisieren bürokratische Hürden

Das bestätigt Sebastian Schulze, Geschäftsführer der Unternehmensverbände im Norden, für die Arbeitgeberseite. Probleme bei der Umsetzung sieht er aber für alle Unternehmen in Schleswig-Holstein. "Es kommen zusätzliche bürokratische Hürden auf uns zu", sagt Schulze. Dabei seien die Unternehmen angesichts des Fachkräftemangels froh, Stellen auszubauen und die Rückkehr in die Vollzeit zu ermöglichen.

Grüne befürworten Grundidee, FDP kritisch

Auch im Landtag ist das Gesetz umstritten. "Wenn Arbeitnehmer sich jetzt für Teilzeit entscheiden, führt das dazu, dass viele andere Menschen im Betrieb mehr arbeiten müssen", sagt FDP-Fraktionsvorsitzender Christopher Vogt. Das könnten die Unternehmen nicht auffangen. Die Grünen unterstützen dagegen den Grundgedanken des Brückenteilzeitgesetzes. "Die Möglichkeit der Rückkehr ist wichtig für Arbeitnehmer, gerade für Frauen, um der Armutsfalle im Alter zu entkommen", sagt Eka von Kalben, Fraktionsvorsitzende der Grünen.

Bundesrat muss noch entscheiden

Am 23. November entscheidet der Bundesrat unter schleswig-holsteinischer Führung über das Gesetz. Da sich die Grünen für eine Weiterentwicklung der Brückenteilzeit aussprechen, die FDP das Gesetz aber ablehnt, wird sich das Land mit großer Wahrscheinlichkeit bei der Abstimmung enthalten.

Weitere Informationen

Flexible Arbeitszeit-Modelle auch im Handwerk

Viele Arbeitnehmer wünschen sich flexible Arbeitszeiten - auch im Handwerk. Wie sich Mitarbeiter- und Kundenwünsche vereinbaren lassen, zeigt ein Handwerksbetrieb aus Meppen. (26.04.2018) mehr

Ist Teilzeit das Arbeitsmodell der Zukunft?

Jeder dritte Arbeitnehmer ist in Teilzeit beschäftigt. Manche Beschäftigte wollen es so, andere müssen es. Gewerkschaften fordern, dass Arbeitnehmer die Möglichkeit haben sollen, frei zu wählen. (10.05.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.10.2018 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

03:13
Schleswig-Holstein Magazin

Dörte Hansen stellt in Husum neuen Roman vor

09.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:20
Schleswig-Holstein Magazin

Neue Orgel für Adelbyer Kirche nimmt Form an

09.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
05:32
Schleswig-Holstein Magazin

Zeitreise: Fischer fischen Munition

09.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin