Brandopfer von Stormarn: Rückkehr ins zerstörte Haus

Stand: 05.11.2020 20:58 Uhr

Mehr als ein Jahr nach einem schweren Brand betritt Petra Criwitz wieder ihr Haus in Tangstedt. Sie wurde damals schwer verletzt - und will das Ereignis mit dem Besuch des Ortes verarbeiten.

An einem Tag im Herbst 2020 betritt Petra Criwitz ihr Haus in Tangstedt (Kreis Stormarn) - zum ersten Mal seit fast 13 Monaten. Denn nach einem schweren Brand am 22. September 2019 wurde sie schwer verletzt und in ein künstliches Koma versetzt. Nach und nach kämpfte sich ins Leben zurück, doch die Konfrontation mit dem Brand fällt ihr nach wie vor schwer. Deshalb ist sie an diesem Tag hier. Gemeinsam mit ihrer Therapeutin will sie sich der Erinnerung stellen - und das Geschehene ein Stück weit verarbeiten. Der Besuch ihres Haus ist Teil der Traumaverarbeitung, sagt ihre Therapeutin Christina Urban. Petra Criwitz geht offen mit ihrer Geschichte um, lässt NDR Schleswig-Holstein daran teilhaben. Sie möchte damit anderen Brandopfern Mut machen, sagt sie.

"Nicht so schlimm vorgestellt"

Und Petra Criwitz will sehen, welche Erinnerungsstücke das Feuer überstanden haben. "Ich muss jetzt erst mal eine Bestandsaufnahme machen. Einiges sieht ja so aus, als ob mal nur nicht Staub gewischt wurde. Und an anderen Stellen kannst du durchs Dach gucken", sagt sie. Ihr Heim so zerstört vorzufinden, belastet sie. "Ich hab es mir nicht so schlimm vorgestellt. Die ganzen Dachziegel und unten in meinem schönen Esszimmer der ganze Putz - das habe ich mir nicht so vorgestellt", sagt sie. Bei der Besichtigung ist sie, trotz der Zerstörung, relativ gefasst. "Ich muss das erst mal alles aufnehmen. Ich denke mal, das wird nachher kommen, dass das dann abfällt."

"Ich habe meinen Lebensmut nicht verloren"

Als es brannte, rettete die Feuerwehr sie vom Balkon ihres Hauses, wohin Petra Criwitz - mit einem nassen Handtuch um dem Kopf - geflüchtet war. Als sie sechs Wochen später aus dem Koma aufwachte, waren mehr als 60 Prozent ihrer Haut verbrannt. "Zu Anfang, weil ich eben nicht wusste, ob ich tot oder lebendig bin, wollte ich sterben", erinnert sich Petra Criwitz. Doch - auch mithilfe ihrer Schwester - änderte sich ihre Einstellung. "Ich wollte leben. Ich habe meinen Lebensmut nicht verloren", berichtet sie.

Ihr Haus möchte sie abreißen und an der Stelle einen altersgerechten Bungalow errichten lassen. Im Moment, sagt sie, sei der Gedanke daran aber noch zu früh.

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Schleswig-Holstein Magazin | 05.11.2020 | 19:30 Uhr

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