Stand: 20.09.2018 09:11 Uhr

Boostedt: Weniger Flüchtlinge und mehr Betreuung

Es kommen immer weniger Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein. Doch in Boostedt (Kreis Segeberg) ist von dieser Entspannung nicht viel zu spüren. Erst vor sechs Wochen hatte Bürgermeister Hartmut König (CDU) Pöbeleien, Alkoholexzesse und auch Belästigungen rund um die Erstaufnahmeeinrichtung öffentlich angeprangert. Am Mittwochabend nun hatten die Einwohner von Boostedt selbst die Gelegenheit, über ihre Probleme zu sprechen. Fast 500 Boostedter waren gekommen. Ein Anliegen von ihnen war: Die Unterkunft mit ihren 1.200 Bewohnern sei für das kleine Boostedt zu groß. Mit dabei war auch Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU). Er versicherte, man nehme die Probleme ernst. Alle Beteiligten würden daran arbeiten, Lösungen zu finden. Ein Schritt dabei sei die Ankündigung der Landesregierung, die Zahl der in Boostedt untergebrachten Flüchtlinge zu begrenzen.

Betreuungsangebote für Flüchtlinge

Laut Grote sollen Ende 2019 nur noch 500 Asylbewerber in der Unterkunft leben. Lediglich im Notfall könnten es 700 sein. "2024 wird die Einrichtung definitiv geschlossen", sagte Grote. Der Minister sprach auch darüber, dass ein Großteil der Flüchtlinge in Boostedt, nämlich knapp 500, allein reisende Männer sei. Man wisse um diese Herausforderung und habe reagiert - mit Verstärkung beim Personal, bei Wachdienst, Polizei und beim Landesamt für Ausländerangelegenheiten. "Wir setzen auf Betreuungsangebote und beschleunigte Verfahren", sagte Grote. In Boostedt sei das Betreungsangebot breit. "Wir haben kreative, musische und sportliche Angebote." Kritiker bemängelten allerdings, dass die Kurse täglich nur bis 16.30 Uhr angeboten werden. Um sich ein eigenes Bild von der Unterkunft machen zu können, hatten die Boostedter am Mittwoch die Möglichkeit, die Einrichtung zu besuchen. Etwa 20 Bürger nutzten die Gelegenheit.

Bürgermeister fordert dritte Landesunterkunft

Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (r., CDU) und der Bürgermeister von Boostedt, Hartmut König, schauen bei einer Bürgerversammlung in Boostedt in die Kamera. © dpa-Bildfunk Foto: Frank Molter

Nichts Neues bei Bürgerversammlung in Boostedt

NDR Info - Aktuell -

Mehrere Hundert Boosteder Bürger mit Schleswig-Holsteins Innenminister Grote und Bürgermeister König über die Flüchtlingsunterkunft im Ort diskutiert. Neue Erkenntnisse gab's nicht.

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Bürgermeister König forderte vor Beginn der Einwohnerversammlung, eine dritte Landesunterkunft für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein einzurichten. Nur mit kleineren Einrichtungen lasse sich die Situation vor Ort entschärfen. Ursache für Probleme sei die Zunahme an frustrierten Flüchtlingen ohne Bleibeperspektive. In Boostedt seien es etwa 800 der rund 1.200. König betonte, er wolle sich für Flüchtlinge engagieren, wolle aber auch die Situation für Boostedt und seine 4.600 Bürger im Blick haben. Nach seinen Worten drohte die Stimmung im Ort bereits zu kippen. Das Innenministerium reagierte sofort und setzte zusätzliche Polizeistreifen ein. Seitdem habe sich die Lage deutlich entspannt, so der Bürgermeister. Einige Bürger forderten den Innenminister auf der Einwohnerversammlung zu klaren Zusagen über eine Verkleinerung der Einrichtung auf. Die meisten Bürger berichteten aber auch davon, mit den Asylbewerbern selbst keine schlechten Erfahrungen gemacht zu haben.

Auch in Neumünster herrscht Skepsis

2024 soll die Einrichtung in Boostedt durch eine neue in Neumünster ersetzt werden - ein sogenanntes Ankerzentrum. Dazu soll die Flüchtlingsunterkunft in Neumünster auf dem Gelände der ehemaligen Scholz-Kaserne erweitert werden, auf eine Kapazität von rund 1.500 Plätzen. Dass es Zweifel an einer so großen Einrichtung gibt, wurde in der Ratsversammlung Neumünsters bereits deutlich.

Nach der Veranstaltung in Boostedt zeigten sich viele Bürger kritisch. Während Minister Grote von einer "offenen Diskussion" mit "ganz konstruktiven Diskussionsbeiträgen" sprach, sagte eine Teilnehmerin NDR 1 Welle Nord, die Einwohnerversammlung sei ihr vorgekommen "als wenn ich Märchenstunde gehabt hätte. Es ging wenig darum, was die Boostedter betrifft. Und wenn doch, dann wurde drumherum geredet. Es wurde nie konkret geantwortet", kritisierte sie. "Es ist alles so, wie es vorher war. So hab ich es auch erwartet", resümierte ein anderer Teilnehmer nach der Veranstaltung.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.09.2018 | 19:30 Uhr

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