Stand: 03.11.2019 06:00 Uhr

Bombenentschärfungen: Neue Wasserstrahl-Technik

von Sebastian Parzanny

Am Rande eines kleinen Waldstücks auf dem Gelände des Kampfmittelräumdienstes ist schon alles vorbereitet: Auf einer Mauer liegt ein 500-Kilo-Blindgänger - natürlich längst unschädlich gemacht. Ein paar Meter weiter steht ein Anhänger. Der ist randvoll mit Technik, Tanks und Schläuchen. Es ist Übungsvormittag in Felde (Kreis Rendsburg-Eckerförde). Ungefähr vier Mal pro Jahr proben die Experten mit der neuen Wasserstrahl-Schneidetechnik für den Ernstfall. Übungsszenario heute: Der Kopfzünder der Bombe ist so verkantet, dass er nicht mehr rausgeht. Daher muss der Kopf des Blindgängers abgetrennt werden.

Fernbedienung zum Bombenentschärfen

"Angst hatte ich auch vorher nicht, sie würde einen unsicher machen. Und das darf man bei unserer Arbeit nicht sein", sagt Munitionsfacharbeiter Timo Thode. "Aber die neue Wasserstrahl-Schneidetechnik macht das Arbeiten schon noch sicherer für uns." In vielen Fällen müssen die Entschärfer gar nicht mehr direkt an der Bombe arbeiten. Bei vielen Fliegerbomben genügt es, den Kopf einfach aus der Ferne abzuschneiden und damit die Zündschnur zu durchtrennen. Alles aus sicherer Entfernung.

"Es gibt aber auch Modelle, bei denen dieses Gerät zwar die Zünder freischneidet, dann müssen wir aber noch mal direkt ran an die Bombe", sagt Thode. Während er erzählt, bereitet sein Kollege Heinz Kollert den späteren Arbeitsplatz der Bombenentschärfer vor. Es sind zwei Computermonitore: Über einen sehen sie die Bombe in Nahaufnahme "live" über eine Kamera. Über den zweiten können sie den Wasserstrahl steuern. Das ist quasi die Fernbedienung.

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Oliver Kienast vom Kampfmittelräumdienst steht vor neuer Technik, die erstmals zur Bombenentschärfung genutzt wird. © NDR Foto: Sebastian Parzanny

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Hoher Druck ermöglicht exakte Schnitte

Verbunden sind die Computer mit der Technik auf dem Anhänger. Thode erklärt: "In den Tanks wird ein Wasser-Sand-Gemisch erzeugt. Mit 700 Bar drückt die Technik die Mischung durch eine kleine Düse. So können wir ganz exakte Schnitte an den Bomben vornehmen." Anhänger und Technik wurden übrigens bei einer Firma in Lübeck gebaut, die sich auf Wasserstrahlschneider spezialisiert hat. Kostenpunkt der Sonderlösung für Bomben: Rund eine Viertelmillion Euro.

"Anlage kennen wir noch nicht im Schlaf"

Unterdessen ist Niels Franz damit beschäftigt, einen großen Metallring am Kopf der Bombe anzubringen - ein Geduldsjob, denn alles muss ganz genau sitzen. Entlang des Ringes würde die Maschine später schneiden, wenn es heute nicht nur eine Übung wäre. "Gut dass wir die regelmäßig haben", sagt der Munitionsfacharbeiter. "Wir kennen uns zwar alle ziemlich gut aus mit dem Gerät, aber im Schlaf können wir es noch nicht ganz bedienen."

An ihren Übungstagen haben die Experten des Kampfmittelräumdienstes Zeit, sich alles ganz genau anzugucken, nochmals darüber zu diskutieren, wie man etwas besser oder anders machen könnte. Heute ist Thema, wie und mit welchem Werkzeug man die Ringe am schnellsten montiert. Im Ernstfall, draußen, wenn Menschen darauf warten, wieder in ihre Wohnungen zu können, ist dafür keine Zeit. Dann sollte bereits jeder Handgriff Routine sein.

Truppführer will noch Erfahrungen sammeln

Nach der Besprechung geht es los: Die Maschine wird angeschmissen, die Motoren rattern los. Anstatt des 700-Bar-Strahles, plätschert das Wasser-Sand-Gemisch bei der Übung aber nur aus dem Schlauch entlang des Ringes. Trotzdem können sich die drei Experten ein genaues Bild machen. Besonders interessant ist der Vormittag für Truppführer Heinz Kollert. Für ihn ist das Bedienen der Anlage noch ziemliches Neuland: "Die anderen sind schon weiter, haben schon häufiger mit dem Gerät gearbeitet. Ich habe da noch etwas vor mir, möchte Erfahrungen sammeln."

"Ein Job, damit Schleswig-Holstein sicherer wird"

Ein etwas kurioses Bild gibt es danach zu sehen, hier auf dem Gelände ist es aber ganz normal: Die Experten stehen noch rund herum um die Bombe, machen Pause und kommen etwas ins Schnacken. Zum Beispiel darüber, dass der Job aus ihrer Sicht relativ schlecht bezahlt wird, obwohl er immer mit Gefahren verbunden sei. "Daher müsste es eigentlich besser bezahlt werden", sagt Niels Franz.

Dann denkt er kurz nach und ergänzt: "Aber irgendwie macht man das hier auch nicht fürs Geld. Auch wenn es vielleicht albern klingt: Ich mache den Job, damit Schleswig-Holstein ein Stückweit sicherer wird."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.10.2019 | 14:00 Uhr

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