Stand: 17.07.2019 11:56 Uhr

Blinddarm mit nur einem kleinen Schnitt entfernen

Schmerzhafter Druck rechts vom Bauchnabel und dazu ausstrahlende Schmerzen im Rücken - das kann ein Zeichen eines entzündeten Blinddarms sein. Stellt der Arzt fest, dass der fachlich genannte Appendix entfernt werden muss, so geschieht das in der Regel mit einem Routineeingriff. Früher prangte eine verhältnismäßig große Narbe am rechten Unterbauch, bei der bisher gängigen Methode setzte der Chirurg nur noch drei kleine Schnitte in die Bauchdecke, um den entzündeten Fortsatz zu entfernen. Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel nutzen die Ärzte jetzt eine neue Methode - mit nur einem kleinen Schnitt im Bauchnabel.

Nicht nur kosmetischer, sondern auch medizinischer Vorteil

Bei der neuen sogenannten minimal-invasiven - also nur geringfügig eindringenden - Methode werden eine Kamera und ein bis zwei kleine Greifarme durch den Bauchnabel in die Bauchhöhle eingeführt, erklärt Dr. Robert Bergholz, Kinderchirurg am UKSH. "Man kann den Blinddarm dann entweder im Bauch operieren oder ihn durch den Bauchnabel nach draußen ziehen und ihn dann - wie bei der klassischen Methode - vor dem Bauch absetzen."

Neben dem kosmetischen Vorteil, nur noch eine fast unsichtbare Narbe zu haben, steht für die Ärzte aber noch ein wichtiger Aspekt im Vordergrund. "Mit jedem Schnitt, den man in die Bauchdecke setzt, verletzt man den Bauchraum auch von innen", weiß Bergholz. Damit würde auch im sogenannten Bauchfell, das von innen an die Muskulatur grenzt, eine Wunde entstehen. Und das sei eine Stelle, bei der die Gefahr besteht, dass der Darm mit der Bauchdecke verwächst. "Das heißt, wenn ich drei Schnitte habe, habe ich drei Stellen, an denen das passieren kann", sagt der Chirurg, und da könne es im späteren Verlauf zu Darmverschlüssen kommen.

Vier Tage nach der OP nach Hause

Den 10-jährigen Kipras Grusauskas hat Kinderchirurg Bergholz mit der neuen Methode operiert. Die Bewertung des jungen Patienten fällt gut aus: Nach vier Tagen nach der Operation konnte er wieder nach Hause, einige Tage später, bei der Nachuntersuchung, merke er gar nichts mehr, sagt er. Dr. Robert Bergholz ist zufrieden. Nach drei Wochen könne er für eine Routinekontrolle noch mal einen Kinderarzt aufsuchen - mit dem Krankenhaus sei er aber fertig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 17.07.2019 | 19:30 Uhr

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