Besucherrekord in Schleiregion: Freude und Sorge

Stand: 10.11.2021 19:57 Uhr

Weil sie eine von vier Modellregionen in Schleswig-Holstein war, kamen in diesem Jahr ungewohnt viele Touristen in die Schleiregion. Die Stimmung unter den Einwohnern ist zweigeteilt.

Die Strände und Touristenorte wie Arnis, Kappeln oder Eckernförde waren im Sommer an sonnigen Wochenenden voll - und mit den Touristen kamen die Autos. Parkplätze waren Mangelware und regelmäßig brach im Sommer der Verkehr zusammen.

Anwohner von Arnis, Deutschlands kleinster Stadt, haben das ganz besonders gespürt, erzählt Hendrik Horn: "Ich habe mir im Sommer mal den Spaß gemacht und habe gezählt, was hier so los ist. Wenn man es auf den Tag umrechnet, kam ich auf 1.000 Fahrräder und E-Bikes, 350 Autos und manchmal auf bis zu 60 Motorräder. Das ist für diese kleine Stadt wirklich sehr, sehr viel."

Touristen-Boom in der Region

Schätzungen zufolge haben sich in diesem Jahr etwa 200.000 Touristen den 280-Seelen-Ort angeschaut. Andere Anwohner freuen sich zwar, dass so viele Menschen Arnis anschauen wollen, viele fanden die Gesamtzahl der Touristen aber auch zu hoch.

Nicht nur die Modellregion war Grund für den Ansturm in Anis. In der Nähe liegt auch das Ferienresort Olpenitz. Dort gab es in diesem Jahr laut Tourismusverband 400.000 Übernachtungen - mehr als vier Mal so viel wie noch 2015. Die Menschen, die dort übernachten, sind tagsüber in der Region unterwegs - wie in Arnis, aber auch in Kappeln.

Online-Ampel soll Besucherströme lenken

Die Ostseefjord Schlei Tourismusgesellschaft plant jetzt eine Art Online-Ampel für die Schleiregion, die die Touristenströme lenken und Einheimische entlasten soll. Geschäftsführer Max Triphaus erklärt: "Die Region ist ja sehr groß, aber es ballt sich immer an einzelnen Orten. Durch die Digitalisierung können wir Daten in Echtzeit erheben: Wie voll ist der Parkplatz? Wie voll ist das Museum? Wie voll ist der Strand?" Die Online-Ampel soll zeitgleich alternative Ausflugsmöglichkeiten vorschlagen.

Immobilienpreise steigen

Durch die neue Beliebtheit der Schlei-Region tut sich bereits ein weiteres Problem auf. Mit den Touristenzahlen steigen an der Schlei auch die Immobilienpreise. In Arnis zum Beispiel werden schon jetzt gut ein Drittel der Häuser nur noch als Wochenend- oder Feriendomizil genutzt. Die Tourismusexperten warnen: Damit sich das nicht so entwickelt wie auf Sylt, müssten die Kommunen schnell handeln. Die Menschen in Arnis hoffen, dass auch nachfolgende Generationen sich das Leben in Deutschlands kleinster Stadt noch leisten können - zusammen mit nicht zu vielen und nicht zu wenigen Besuchern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 10.11.2021 | 19:30 Uhr

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