Stand: 14.02.2019 19:23 Uhr

Besonders viel Fischfang in Meeresschutzzonen

In Meeresschutzgebieten sollen Fische und andere Unterwassertiere besonders geschützt werden. Doch gerade hier ist der Fischereidruck um 40 Prozent höher als außerhalb der Gebiete - das ist das Ergebnis einer Studie des Geomar Instituts in Kiel. Das Bundesumweltministerium hat die Studienergebnisse, einer Anfrage der Grünen folgend, nun bestätigt: In fast allen Schutzgebieten wird kommerziell gefischt. Weiter heißt es, dass "Meeresboden und Meeresfische keinen guten Umweltzustand erreichen." Besonders betroffen ist der Borkum Riffgrund. "Das war Platz zwei in unserer Rangliste der meistbefischten Schutzgebiete", erklärt Rainer Froese vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Auch im Nationalpark Wattenmeer gebe es viel Fischerei.

Schleppnetzfischerei in jedem zweiten Schutzgebiet

"Die Schutzgebiete sind so angelegt, dass dort viele Arten vorkommen, dass da viel Leben ist und das zieht natürlich die Fischer an, die viel fangen wollen", sagt Froese. Und die Fischer dürfen hier fischen. Der Grund: Das Bundesumweltministerium ist für den Schutz der Tiere und die Schutzgebiete in Nord- und Ostsee zuständig. Die einzelnen Umweltministerien der Länder allerdings für die Fischerei. Und die Ministerien gestatten den Fischern, in den Schutzgebieten zu fischen. Dem Land gehe es um eine Erhaltung der Fischereiwirtschaft und möglichst hohen Naturschutz, teilte ein Sprecher NDR Schleswig-Holstein mit. Alles, was dazwischen passiere, seien Kompromisse.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: In über der Hälfte der 700 untersuchten Meeresschutzgebiete zwischen Portugal und Finnland findet Grundschleppnetzfischerei statt, sagt Froese. "Die Schleppnetzfischerei bedeutet im Prinzip, dass über den Meeresboden hinweggepflügt wird", erklärt Grünen-Politikerin Steffi Lemke.

Forscher haben die AIS-Signale ausgewertet

Bild vergrößern
Mit Schleppnetzen wie diesem wird in Schutzgebieten gefischt.

Für die Studie haben die Wissenschaftler die AIS-Signale von Fischereibooten untersucht. Diese Seefunksignale enthalten die Standortangaben von Schiffen und Booten. So konnten die Forscher die Bewegungen der Schiffe analysieren und erkennen, ob die Schiffe am Boden fischen oder nicht.

Bisher keine EU-weite Regelung

Problematisch: Bereits als die Zonen 2017 ausgerufen wurden, war bekannt, dass es nur wenige Einschränkungen für die Fischerei geben wird. In diesen Zonen ist es lediglich verboten, Baggergut abzuladen, künstliche Inseln zu errichten und Aquakulturen anzulegen. Auf gemeinsame Regelungen bezogen auf die Fischerei konnten sich die EU-Staaten bisher nicht einigen, denn diese müssen laut Bundesamt für Naturschutz von der europäischen Kommission im Rahmen der gemeinsamen Fischereipolitik erarbeitet werden.

Angestrebt wird laut Thünen-Institut ein Verbot von Grundschleppnetzen in den Schutzzonen. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes darf Deutschland die Fischerei in den Schutzzonen nicht allein verbieten, sondern muss die EU-Kommission anrufen, weil auch Fischer aus anderen EU-Staaten betroffen wären. Dem Naturschutzbund (NABU) reicht das nicht, er fordert in mindestens 50 Prozent der deutschen Schutzgebiete auf jegliche menschliche Nutzung zu verzichten.

Rochen, Haie und Dorsche schützen

Mit den Schutzzonen sollen vor allem Riffe und Sandbänke geschützt werden, sagte Christian von Dorrien vom Thünen-Institut für Ostseeforschung in Rostock. Dort leben etwa nicht bedrohte Speisefische wie Scholle und Steinbutt, aber auch Rochen, Haie und Dorsche. Ihre Populationsgrößen werden in den Zustandsberichten der Meere insgesamt als schlecht bewertet.

Weitere Informationen

Ostsee-Fangquoten: Weniger Hering, mehr Dorsch

16.10.2018 11:15 Uhr

Deutsche Fischer dürfen 2019 deutlich weniger Hering aus der westlichen Ostsee ziehen als 2018. Die erlaubte Fangmenge wird um 48 Prozent reduziert. Die Fangquote für Dorsch wird angehoben. mehr

NDR Info

Auf der Suche nach dem schlauen Fischernetz

04.10.2017 08:20 Uhr
NDR Info

Fischer klagen über EU-Fangquoten, Naturschützer über zu viel Beifang in den Netzen. Experten vom Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock helfen: Sie entwickeln "schlaue Netze". mehr

Die Nachrichten

Nord- und Ostsee bekommen neue Schutzgebiete

27.09.2017 16:30 Uhr
Die Nachrichten

In Nord- und Ostsee gibt es seit Mittwoch sechs neue Naturschutzgebiete - zum Erhalt von Tierarten und ihren Lebensräumen. Naturschützern gehen die Regelungen aber nicht weit genug. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 14.02.2019 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

03:15
Schleswig-Holstein Magazin
03:24
Schleswig-Holstein Magazin

Schmetterlingsausstellung in Kiel

Schleswig-Holstein Magazin
03:33
Schleswig-Holstein Magazin

Kirschernte auf Gut Stockseehof

Schleswig-Holstein Magazin