Stand: 11.07.2020 14:45 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Besonders Wohnen - Siedlergemeinschaft Ratzeburg

21 Häuser auf knapp 15.000 Quadratmetern - das ist die Siedlergemeinschaft im Rotdornweg in Ratzeburg (Kreis Herzogtum-Lauenburg). Gerd Windsio lebt dort schon seit 43 Jahren. Zusammen mit seinen Nachbarn will er dafür sorgen, dass seine Straße auch bundesweit bekannt wird. Seit Jahrzehnten nimmt die Siedlergemeinschaft Ratzeburg deshalb an verschiedenen Wettbewerben teil. Aktuell sind sie im Rennen für einen Wettbewerb des Verbands Wohneigentum, dem größten Verband für selbstnutzende Wohneigentümer in Deutschland. Das Motto: "Wohneigentümer - heute für morgen aktiv. Lebendige Nachbarschaft - gelebte Nachhaltigkeit."

Zusammenhalt und Engagement

Die Siedlung zeichnen nach Angaben von Gerd Windsio vor allem zwei Dinge aus: Zusammenhalt und Engagement. So wurde in der Nachbarschaft beispielsweise eine Straße in Eigenregie saniert. Diesen Einsatz honoriert auch Bürgermeister Gunnar Koech (parteilos) und spendiert einen neuen Gullideckel. Er ist begeistert von Siedlungen wie dieser: "Das sind meistens sehr gut gewachsene Strukturen. Meistens gibt es einen Oberverrückten, der den Laden zusammenhält. Das ist hier definitiv gegeben", schmunzelt der Bürgermeister und meint damit vermutlich Gerd Windsio.

Geld gespart durch Eigenleistung

Familie Windsio hat 1978 angefangen im Rotdornweg zu bauen - als eine von insgesamt 21 Familien in der Siedlergemeinschaft Ratzeburg. Um Kosten zu sparen, gab es nur einen Architekten, der den gesamten Häuserbau plante und organisierte. Ganz wichtig schon damals: Selbstversorgung und Selbsthilfe. "Die Siedlungshäuser waren ja so konzipiert, dass wir selbst Hand anlegen durften. In jeder Familie gab es einen Maurer oder einen Tischler, mein Vater war Zimmermann. Die haben alle hier geholfen, so konnten wir viel Geld sparen", erinnert sich Gerd Windsio.

Jüngere Mitglieder übernehmen Verantwortung

Auch heute stehen die Rotdornler - so nennen sie sich selbst - weiter für soziales Gemeinschaftsleben. Das soll auch die Jury überzeugen. Die bewertet zum Beispiel auch das Miteinander der Generationen und Nationalitäten. Die Nachbarn gehen füreinander einkaufen, passen gegenseitig auf die Kinder auf, unterstützen sich. Das Durchschnittsalter im Rotdornweg liegt bei 68 Jahren. Trotzdem hat dort niemand Angst, dass die Gemeinschaft ausstirbt. Schon jetzt übernehmen auch jüngere Mitglieder Verantwortung und bestellen beispielsweise Öl oder Düngemittel oder helfen bei Computerproblemen.

Gerade in Corona-Zeiten ist dieses Nachbarschaftsgefühl vielleicht das, was die Jury überzeugt. Eine Entscheidung soll zum Ende des Sommers fallen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 11.07.2020 | 19:30 Uhr

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