Demonstrierende mit Bannern, Warnwesten und ver.di Fahnen auf dem Exerzierplatz in der Kieler Innenstadt. Im Hintergrund ist eine Bühne zu sehen. © Kevin Bieler Foto: Kevin Bieler

Beschäftigte im öffentlichen Dienst streiken

Stand: 19.10.2020 20:33 Uhr

Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes erhöht die Gewerkschaft ver.di den Druck auf die Arbeitgeber. Am Montag lief in Schleswig-Holstein ein landesweiter Warnstreik.

In Kiel haben sich laut Polizei etwa 1.000 Menschen an der Protestaktion beteiligt. Bei Stadtwerken, Städtischem Krankenhaus und am Rathaus sowie an Kitas begann ein Sternmarsch zum Exerzierplatz. Dort trafen sich die Streikenden zu einer zentralen Kundgebung. Zum Warnstreik aufgerufen waren laut ver.di unter anderen auch Mitarbeiter der Stadtverwaltungen, von Wasser- und Schifffahrtsämtern, Theatern, Entsorgungsbetrieben, Rettungsdiensten, Sparkassen und Arbeitsagenturen. Zu einer Kundgebung in Lübeck versammelten sich nach ver.di-Angaben etwa 450 Teilnehmer. "Wir freuen uns über die hohe Beteiligung im ganzen Land", sagte Gewerkschaftssprecher Frank Schischefsky.

VIDEO: Öffentlicher Dienst: Streik in Lübeck (1 Min)

Tauziehen um Tariferhöhung

Am Freitag hatten die Arbeitgeber ein Angebot vorgelegt: 3,5 Prozent mehr Gehalt könne es in drei Stufen geben, mit einer Laufzeit von 36 Monaten. Viel zu wenig, findet Schischefsky. "Das ist eine bodenlose Frechheit, was die Arbeitgeber da gemacht haben", sagte der Gewerkschaftssprecher. "Die Beschäftigten, die gerade gefordert sind in der Krisenzeit - in den Krankenhäusern, in den Kitas - sollen jetzt mit einem Billiglohnangebot abgespeist werden." Das gehe nicht - und deshalb seien die Leute sauer, so Schischefsky.

Die Gewerkschaft bleibt bei der Forderung: 4,8 Prozent mehr Lohn für die rund 2,3 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes des Bundes und der Kommunen - mindestens aber 150 Euro mehr pro Monat mit einer Laufzeit von einem Jahr. Außerdem will ver.di, dass die Ausbildungsvergütungen und Praktikanten-Entgelte um 100 Euro monatlich angehoben werden. Es ist eine schwierige Ausganglage für beide Seiten, die sich am Donnerstag in Potsdam wieder zu Verhandlungen treffen.

Banner der Gewerkschaft ver.di wehen im Wind. © NDR Foto: NDR

AUDIO: Sternmarsch für mehr Gehalt im öffentlichen Dienst (1 Min)

Stadt Kiel: Einschränkungen bei Kita-Betreuung

Wegen des Warnstreiks im öffentlichen Dienst bleiben in Kiel heute 23 städtische Kitas geschlossen. Das teilte die Stadtverwaltung mit. Neun Einrichtungen sollen eingeschränkt arbeiten, nur zwei im Vollbetrieb. Auch in der Stadtverwaltung selbst und beim Abfallwirtschaftsbetrieb sei mit Einschränkungen zu rechnen.

Warnstreiks unter besonderen Bedingungen

Die Warnstreiks sind für den gesamten Tag angesetzt, begannen mit dem jeweiligen Frühdienst und sollen bis zum Ende der Spätschicht gehen. Für alle Veranstaltungen im Land gelten nach Angaben der Gewerkschaft Hygiene-Auflagen. So ist beispielsweise das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen Pflicht. Außerdem sollen die Mindestabstände eingehalten werden.  

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Frau mit ver.di-Logo auf der Wange und Trillerpfeife im Mund. © dpa Foto: Frank May
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Warnstreiks legen Müllabfuhr und Kitas lahm

Im öffentlichen Dienst ist am Donnerstag wieder gestreikt worden. In Schleswig-Holstein waren Kiel und Schleswig laut ver.di die Schwerpunkte. Die Gewerkschaft fordert 4,8 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten. mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.10.2020 | 20:00 Uhr

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