Ein Zug fährt durch eine Ortschaft.  Foto: Simone Steinhardt

Beherbergungsverbot SH: Urlauber sollen versetzt abreisen

Stand: 01.11.2020 15:42 Uhr

Der Kreis Nordfriesland befürchtet Chaos, wenn alle Urlauber gleichzeitig abreisen. Deshalb wurde eine ergänzende Regelung in Kraft gesetzt. An der Autoverladung Westerland ging es unerwartet ruhig zu.

von Simone Steinhardt

Vom kommenden Donnerstag, den 5. November an, sind Urlaube auf den nordfriesischen Inseln und Halligen wegen der Corona-Pandemie erst einmal Tabu. Das hat die Kieler Landesregierung in der neuen Landesverordnung beschlossen. Dabei hatte das Oberverwaltungsgericht in Schleswig das Beherbergungsverbot vor gut einer Woche gekippt und als rechtswidrig eingestuft. Wer auf dem Festland an der Nordseeküste Urlaub macht, muss bereits morgen (2.11.) wieder nach Hause fahren. Die Ausnahmeregelung  für die Halligen und Inseln rührt daher, dass die Autozüge und Fähren nur begrenzt Kapazitäten haben.

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Kreis Nordfriesland will gestaffelte Abreise

Abweichend von der Verordnung der Landesregierung will der Kreis Nordfriesland verhindern, dass alle Urlauber gleichzeitig nach Hause fahren - nämlich am Stichtag 5. November. "Ganz klar: Seinen wohlverdienten Urlaub abbrechen zu müssen, ist wirklich hart. Darum wird vermutlich jeder erst am 5. November fahren wollen. Das kann nicht funktionieren", sagt Landrat Florian Lorenzen. Deshalb hat der Kreis in Abstimmung mit dem Land und den Inselkommunen eine ergänzende Regelung in Kraft gesetzt - die gilt vom 1. November an. Das Prinzip: eine versetzte Abreise. Wer bereits bei der Anreise, etwa am 29. oder dem 30.10., von dem Beherbergungsverbot wusste, soll schon am 4.11. wieder abreisen müssen. Wer noch am 31.10. auf die Inseln gefahren ist, muss spätestens am 3.11. wieder nach Hause fahren.  

Appelle an Urlauber: "Bleiben Sie zuhause"

Grundsätzlich scheint die Übergangsfrist bislang zu funktionieren: Lange Staus insbesondere vor der Autoverladung in Westerland sind bis jetzt ausgeblieben. Auch an den Fähren auf Amrum und Föhr war wenig Betrieb. Allerdings haben sich noch am Freitag und Sonnabend Autozug-Kunden auf den Weg nach Sylt gemacht, heißt es zum Beispiel von den Betreibern des Blauen Autozugs Sylt. "Es ist jetzt keine massive Anreise gewesen. In Zahlen kann man aber sagen, dass am Sonnabend rund zwei Drittel der Kunden von Sylt abgereist sind und etwa ein Drittel wiederum auf die Insel gefahren ist", sagt Meike Quentin vom Blauen Autozug Sylt. Wie hoch der Anteil an Urlaubern war, könne man aber nicht sagen. Landrat Florian Lorenzen (CDU) appelliert indes an alle Urlauber, zu Hause zu bleiben. "So ein Appell an unsere Urlaubsgäste tut uns Nordfriesen in der Seele weh, aber auch bei uns steigen die Zahl der Infizierten rasant an."  

Bürgermeister Häckel: Gefährlicher Egoismus

Der Bügermeister der Gemeinde Sylt, Nikolas Häckel, steht neben der Schlange Autos, die mit dem Autozug fahren wollen. © NDR Foto: Simone Steinhardt
Sylts Bürgermeister Nikolas Häckel kündigte an: Wer sich über Regeln hinwegsetzt, muss mit Bußgeldern rechnen.

Der Bürgermeister der Gemeinde Sylt, Nikolas Häckel (parteilos), sagt zu dem Reiseverhalten der Urlauber einerseits: "Das war nicht anders zu erwarten. Aus Sicht der Gäste kann ich das durchaus nachvollziehen, dass sie noch mal an die frische Luft wollen vor dem Lockdown." Andererseits sieht der Verwaltungschef das Verhalten Einzelner, wie er sagt, durchaus kritisch. "Es ist schade, dass sich Einzelne über Regeln hinwegsetzen. Dieser Egoismus ist für die Gesellschaft gefährlich." Er gehe davon aus, dass sich die Gäste um eine entsprechende Reservierung für die Abreise bemühten, damit diese geordnet ablaufen könne. Häckel appellierte außerdem an alle Gäste, sich an die gestaffelten Abreiseregeln des Kreises zu halten. "Ich will keinen Polizeistaat - aber Ordnungsamt und Polizei werden in diesem Fall kontrollieren und auch Bußgelder verhängen", so Nikolas Häckel.

Bevorstehende Abreisewoche entspannt?

Für die bevorstehende Abreisewoche sehen sich sowohl die Betreiber der Autozüge als auch die Fähren-Anbieter gut gerüstet. Für die Abreise von Amrum und Föhr seien genügend Schiffe eingeplant, erklärt ein Sprecher der Wyker Dampfschiffsreederei. Der Blaue Autozug Sylt fährt kommende Woche noch mit regulärem Fahrplan. "Wir gehen davon aus, dass sich die Abreise über mehrere Tage verteilt", so eine Sprecherin. Die Deutsche Bahn lässt den Syltshuttle vom 2. November an bereits nach dem Winterplan fahren. Mit 14 Zügen pro Richtung habe man ausreichend Kapazität für die Kunden, so eine Sprecherin. Aufstocken wiederum will die Bahn die Kapazität einiger Personenzüge auf der Strecke zwischen Westerland und Hamburg. Wie das Verkehrsministerium in Kiel mitteilte, werden Montag zunächst die Züge, die ab 12:22 Uhr und 19:22 Uhr ab Westerland fahren, von sechs auf 12 Waggons aufgestockt. Verkehrsminister Bernd Buchholz appellierte unterdessen dringend an Urlaubsgäste, bis zum 5. November auch nicht mehr für einen Kurzurlaub auf die Inseln oder Halligen zu kommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 01.11.2020 | 19:30 Uhr

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