Stand: 15.10.2018 08:30 Uhr

Bayern-Wahl: Die Reaktionen aus SH

Gestern hat Bayern den Landtag neu gewählt - und herausgekommen ist ein Debakel für die CSU. Denn auch wenn die kleine Schwester der CDU im vorläufigen Endergebnis mit 37,2 Prozent die stärkste Kraft ist, verzeichnet die CSU damit ihr schlechtestes Ergebnis seit 1950. Es sind mehr als 10 Prozentpunkte weniger als bei der Wahl vor fünf Jahren. "Das Abschneiden der CSU ist natürlich angesichts der erfolgreichen Politik, die sie ja auch in Bayern gemacht haben, schon sehr, sehr schlecht - schlechter, als ich das eigentlich erwartet habe", urteilte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU).

Günther zu CSU-Wahlergebnis: "Wirklich verheerend"

Günthers Meinung nach rächt sich das Auftreten der CSU: Deren Art - auch bundesweit - Politik zu machen, werde von den Wählern nicht mehr akzeptiert. Das müsse sehr genau analysiert werden, wie man "bei einer solch erfolgreichen Politik" in dieser Größenordnung verlieren könne, sagte er. "Das ist schon wirklich verheerend." Jetzt müsse sich die CSU auch in Berlin darauf konzentrieren, gute Regierungspolitk zu machen, so Günther.

Stegner: "Herbe, bittere Niederlage"

Historischer Misserfolg auch für die SPD in Bayern: Die Sozialdemokraten liegen laut vorläufigem amtlichen Endergebnis bei 9,7 Prozent - fast 11 Prozentpunkte weniger als 2013. Bundesvize und Landeschef Ralf Steger sprach von einer herben, bitteren Niederlage. "Eine richtige Ohrfeige aus Bayern, die wir bekommen haben", meinte er im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord. "Wir sind klug beraten, das auch zur Kenntnis zu nehmen und nicht zu glauben, man kann das irgendwie wegreden. Denn da gibt es nichts mehr zu beschönigen."

Zukunft von GroKo fraglich, sagt Stegner

Die Wahlkämpfer in Bayern seien mit einer Bleiweste herumgelaufen, auf der "große Koalition in Berlin" gestanden habe. Die Performance der großen Koalition sei so schlecht, dass beide Volksparteien dafür abgestraft wurden. Der Geduldsfaden sei jetzt noch kürzer. Und Stegner geht noch weiter: Ein vorzeitiges Ende der großen Koalition in Berlin wollte er nicht ausschließen.

Grüne freuen sich über Platz zwei

Doch es gibt auch diejenigen, die sich freuen: die Grünen zum Beispiel. Sie sind im Freistaat zweitstärkste Kraft geworden, mit 17,5 Prozent. Ihr Parteichef, der ehemalige Umweltminister Schleswig-Holsteins Robert Habeck, sieht im Ergebnis der Bayern-Wahl ein klares Votum gegen ein "Weiter so". Die Wähler hätten der Politik einen Veränderungsauftrag gegeben.

Kubicki: Merkel sollte Nachfolge einleiten

FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki räumte ein, er hätte sich ein besseres Ergebnis für seine Partei gewünscht. Die Liberalen schafften es mit 5,1 Prozent knapp in den Landtag. Kubicki wertet das Gesamtergebnis in Bayern aber auch als Votum gegen Bundeskanzerlin Angela Merkel (CDU). "Die Kanzlerin wäre gut beraten, ihrer Partei einen Dienst zu erweisen und möglichst schnell für ihre Nachfolge zu sorgen", sagte er. Ebenfalls im neuen Landtag in München ist die AfD: Sie zieht mit 10,2 Prozent zum ersten Mal ein. Der Fraktionschef in Schleswig-Holstein, Jörg Nobis, meint, die Erosion der Volksparteien schreite voran - das zeige das Ergebnis.

Kommentar
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Es sieht nicht nach einem politischen Neubeginn aus

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Ein Fiasko für die CSU, die SPD im freien Fall und die Grünen in Bayern auf Platz 2. Dennoch sieht es nicht nach einem politischen Neubeginn aus, meint Claudia Spiewak in ihrem Kommentar. mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.10.2018 | 08:00 Uhr

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