Stand: 22.10.2018 21:35 Uhr

Bahn will mehr Lokomotivführer ausbilden

von Kevin Bieler

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Läuft alles nach Plan, hat Christopher Strahl seine Ausbildung zum Lokführer im kommenden Jahr absolviert.

Was sind die Unterschiede zwischen Hauptsignal, Vorsignal und Zusatzsignal? Wie weit stehen die Signale voneinander weg? Und wie schnell darf ein Lokführer fahren, wenn er "auf Sicht" fährt? Fragen, die der Auszubildende Christopher Strahl aus Kiel im Schlaf beantworten können muss. Er ist im dritten Lehrjahr bei DB Regio in Kiel. "Das ist ein Kindheitstraum, der in Erfüllung geht", sagt der 28-Jährige. Der Job sei mehr als nur im Führerstand zu stehen und aus dem Fenster zu gucken. "Wir müssen den Zug vorbereiten, uns um die Fahrgäste kümmern, den Zug beherrschen und die Fahrregeln kennen." Seine erste Fahrt beschreibt er als ein "aufregendes Erlebnis". Insgesamt lernen aktuell zwölf Lokführer-Anwärter in Kiel. Die Zahl soll aber noch steigen. Der Bahn fehlen Lokführer. Das merken auch die Passagiere.

Jüngste Ausfälle im Osten des Landes

In diesem Jahr sind sechs Neulinge in der Ausbildung hinzugekommen - im kommenden Jahr werden es acht sein. Die werden auch gebraucht, denn zum Beispiel in Ostholstein mussten gerade wieder Fahrten ausfallen, weil Lokführer fehlten. Betroffen waren Verbindungen zwischen Lübeck und Fehmarn, Neustadt sowie Lüneburg. Außerdem gab es Einschränkungen auf den Strecken zwischen Lübeck und Kiel sowie Lübeck und Travemünde. Der Chef des Nahverkehrsverbundes Nah.SH warf der Bahn deshalb bereits im Spätsommer "Missmanagement" vor. Durch eine Klausel im Tarifvertrag hatten viele Lokführer statt mehr Geld mehr Freizeit gewählt. Die Lücken konnte die Bahn dann nicht schnell genug schließen. Auszubildende sind da nur eine Option. Nebenbei wirbt die Bahn auch um Quereinsteiger.

Fahrgastverband kritisiert die Bahn

Die Fahrgastvereinigung Pro Bahn kritisiert, dass die Ausbildungsoffensive zu spät komme. Jahrelang habe es die Bahn verschlafen Lokführer auszubilden, obwohl der Bahnverkehr stetig gewachsen sei und weiter wachse, so Pro Bahn. Auch der Wettbewerb wird härter. Private Bahnunternehmen werben junge Leute mit Prämien von mehreren tausend Euro ab, auch in andere Bundesländer. Das ist allerdings kein Thema für Azubi Christopher Strahl: "Ich bin hier in Kiel heimisch, möchte hier bleiben und auch fahren." In gut einem Jahr gehört er dann zu den rund 480 Lokführern in ganz Schleswig-Holstein.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 22.10.2018 | 19:30 Uhr

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