Stand: 30.12.2019 18:48 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Bad Segeberg: Mehr Fledermäuse - keine Entwarnung

Die Anzahl der Fledermäuse im Bad Segeberger Winterquartier hat sich fast verdoppelt. Sorgen bereiten den Experten aber weiterhin die seltenen Arten, wie dieses "Große Mausohr".

Zwischen Oktober und März gehört die Kalkberghöhle in Bad Segeberg allein den Fledermäusen. Die Betreiber vom Noctalis-Fledermauszentrum zählen sie jedes Jahr, seit Kurzem mit neuer Überwachungstechnik an den beiden Einflug-Öffnungen. Den neuen Lichtschranken und Kameras entgeht keine Fledermaus-Bewegung mehr. Daher wissen die Forscher, dass hier zur Zeit mehr als 30.000 Tiere überwintern, vermutlich so viele wie nie zuvor. 90 Prozent davon sind die weit verbreiteten Fransen- und Wasserfledermäuse.

Auf die seltenen Arten kommt es an

Die Freude darüber ist allerdings getrübt, denn es gibt Arten, die immer weniger werden. "Es kommt auf die zehn Prozent seltenen Arten an", sagt Fledermaus-Experte Florian Gloza-Rausch. "Das sind zum Beispiel Teichfledermäuse, Bechsteinfledermäuse und das Große Mausohr. Und dafür ist diese Höhle ja unter anderem auch als FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) ausgewiesen." In den Sommerquartieren sei etwa bei den Teichfledermäusen ein Bestandsrückgang zu verzeichnen gewesen, so der Fledermaus-Experte. Wie es um den Bestand der seltenen Arten im Winterquartier aussehe, könne man erst jetzt durch die neue Technik herausfinden.

Ausbau der A20 nur mit Rücksicht auf Fledermäuse

Schleswig-Holstein Magazin -

Die A20 bei Bad Segeberg kann aufgrund fehlender Daten zu den Fledermäusen im Flora-Fauna-Habitat nicht weitergebaut werden. In der Kalkberghöhle überwintern zurzeit mehr als 30.000 Tiere.

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Aufgrund fehlender Daten zu den Fledermäusen im sogenannten Flora-Fauna-Habitat darf die A20 bei Bad Segeberg vorerst nicht weitergebaut werden. Die Autobahnplaner hatten unter anderem Flugrouten der Tiere nicht ausreichend untersucht. Die nachtaktiven Tiere kommen schon kaum mit der bestehenden A21 klar. Und ein neuer Autobahnabschnitt der A20 werde ein neues Hindernis, so der Fledermaus-Experte.

Geht nicht um Verhinderung der Autobahn

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Es geht den Umweltschützern laut Gloza-Rausch nicht darum, den Bau der Autobahn grundsätzlich zu verhindern. "Wir haben hier eine hohe Verantwortung, das ist vielleicht das bedeutendste Fledermaus-Winterquartier Deutschlands", so der Experte. "Man wusste, dass die Fledermäuse da sind, und so braucht man auch von Planungsseite her die entsprechenden Antworten." Aber das bedeute nicht, dass nur weil hier Fledermäuse seien, eine Autobahn nicht gebaut werde. "Die Autobahn muss eben so gebaut werden, dass nachher die Fledermäuse auch noch im gleichen Maße da sind", sagt Gloza-Rausch.

Acht sogenannte "Querungshilfen" sollen die Fledermäuse an der künftigen Trasse der A20 bekommen. Das ist der neue Plan. Ob diese Hilfen reichen und sie die über Jahrhunderte genutzten Flugrouten ergänzen, das werden die Fledermausexperten am Kalkberg ganz genau beobachten.

Mithilfe der neuen Überwachungstechnik wollen die Forscher zudem noch mehr Menschen klarmachen, wie wichtig die Tiere sind. Denn sie sind nützlich: Sie fressen Insekten, bestäuben Blüten und verbreiten Samen. Und so viele Fledermäuse an einem Ort gibt es deutschlandweit nur hier am Kalkberg in Bad Segeberg.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 30.12.2019 | 19:30 Uhr

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