Stand: 19.07.2020 06:00 Uhr  - Nordtour

Ausflugstipp: Tiergehege als Alternative zum Zoo

von Veronika Sawicki

Familien stehen mit ihren Kindern vor den eingezäunten Wildschweinen und beobachten vergnügt, wie die Frischlinge im Matsch tollen. Ein Seniorenpaar radelt in einem gemächlichen Tempo den breiten Waldweg zwischen den hochgewachsenen Bäumen entlang. In der Ferne pflückt ein Hirsch direkt neben einigen Spaziergängern am Wegesrand saftig grüne Grashalme. Im Tiergehege Tannenberg in Kiel ist ganz schön was los. Die Besucher genießen sichtlich ihren Ausflug in die Natur und die Tiere lassen sich offenbar nicht davon stören.

Naturidylle und Tiere hautnah erleben

Die Stadt Kiel unterhält fünf solcher Tiergehege: Hammer, Hasseldieksdamm, Suchsdorf, Uhlenkrog und Tannenberg. Derzeit leben dort etwa 200 einheimische und in Schleswig-Holstein eingebürgerte Tiere. Die idyllischen Wald- und Parkflächen sowie der teils unmittelbare Kontakt zu den Vierbeinern machen die Gehege zu einem idealen Ziel für Naturliebhaber - ein Ausflugstipp für Jung und Alt.

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Bisons auf einer Weide.
4 Min

Ein Spaziergang durch Kieler Tiergehege

Ole Pöhls sorgt in den Tiergehegen in Kiel jeden Tag dafür, dass die Tiere gesund sind. Er füttert sie und kontrolliert die Anlagen. 4 Min

Weitläufigkeit und natürlicher Lebensraum zeichnen Tiergehege aus

Der Unterschied zwischen einem Tiergehege und einem Tierpark oder Zoo? Laut Ole Pöhls, Vorarbeiter der Tiergehege in Kiel, ist ein Aspekt die Größe: "Die Gehege sind viel weitläufiger. Sie sind parkähnlich angelegt", sagt Pöhls. Der Chef der Tierpflege vom zuständigen Grünflächenamt nennt als weiteren Aspekt die Tierhaltung: "Wir versuchen den natürlichen Lebensraum der Tiere nachzuahmen", erläutert er. Das Ziel sei es, die Tiere möglichst so zu präsentieren, wie sie auch in der freien Natur leben würden. Es gibt aber durchaus auch Tierparks, die diese Merkmale ebenfalls erfüllen, wie die Arche Warder oder der Wildpark Eekholt.

Vier Personen für fünf Gehege zuständig

Zusammen mit Pöhls sind noch drei weitere Mitarbeiter vom Grünflächenamt für die fünf Kieler Areale zuständig. Jeden Tag fahren sie raus und kümmern sich um die Anlagen. Sie halten beispielsweise die Zäune und Flächen instand, füttern die tierischen Bewohner und überprüfen ihren gesundheitlichen Zustand.

Tannenberg: Damhirsche und Mufflons laufen frei herum

Das Tiergehege Tannenberg ist mit rund 40 Hektar das größte Tiergehege in Kiel. In den Sommermonaten leben dort Islandpferde, Damwild, Muffelwild, Sikawild, Schwarzwild und Damaraziegen. Es gibt kleinere Fließgewässer und einige Weiher. Mehrere Wanderwege führen hindurch, zum Beispiel der Schilkseer Wanderweg. Im Gegensatz zu den anderen Kieler Gehegen weist Tannenberg eine Besonderheit auf: Damhirsche und Mufflons leben hier freilaufend, sind also nicht durch Zäune von den Spaziergängern getrennt. So können die Besucher die Tiere aus nächster Nähe betrachten.

Kiel entschied sich für Tiergehege statt Zoo

Aus dem Haushaltsplan für 2020 geht hervor, dass der Unterhalt der Gehege rund 370.000 Euro im Jahr kostet. Und der Park wird von den Bürgern gut angenommen: Nach Angaben der Stadt Kiel kommen jährlich etwa 150.000 Besucher. Die Tiergehege in der Landeshauptstadt wurden Mitte der 1960er Jahre errichtet. Laut Pöhls stand damals ein Zoo zur Debatte, die Stadt Kiel entschied sich aber stattdessen für die naturnahe Alternative. Die Gehege sollen den Besuchern zur Naherholung dienen und ihnen ermöglichen, kostenlos Tiere zu beobachten. Auch Führungen unter fachkundiger Leitung sind möglich, zum Beispiel für Schulklassen. Die Tiergehege sind ganzjährig geöffnet, der Eintritt ist frei.

Karte: Tiergehege in Schleswig-Holstein (kostenlos)

Hinweis: Die Redaktion erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit der in der Karte gelisteten Tiergehege.

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Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 04.07.2020 | 18:00 Uhr

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