Stand: 27.12.2017 20:54 Uhr

Ausbau soll NOK wieder attraktiver machen

von Kai Salander

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Rörd-Braren-Gechäftsführer Nils Merkens: "Wenn das Schiff einen Tag liegt, ist das Geld weg."

In einem Büro der Reederei Rörd Braren in Kollmar im Kreis Steinburg. Ein graues Kissen liegt im Regal. Die Aufschrift: "Tid laten is keen Fuulheit". Aus dem Plattdeutschen übersetzt heißt das: "Zeit lassen ist keine Faulheit" - wohl aber ein finanzielles Fiasko für Geschäftsführer Nils Merkens. Rörd Brarens neun Frachtschiffe passieren regelmäßig den Nord-Ostsee-Kanal. Sie müssen ihren Liegeplatz im Hamburger Hafen pünktlich erreichen. Wartezeiten kommen den Schiffseigner teuer zu stehen.

Doch viele Container-Pötte verspäten sich bei ihrem gut 100 Kilometer langen Transit zwischen den Meeren in Schleswig-Holstein. Seit der Jahrtausendwende bauen die Werften immer größere Containerschiffe. Wenn die bis zu 30 Meter breiten Frachter über die Oststrecke des Kanals schippern, bleibt inzwischen kaum noch Platz für entgegenkommende Schiffe: Es ist zu eng.

Ein ein Foto in Schwarz-Weiß vom Nord-Ostsee-Kanal.

Zeitreise: Geschichte des Nord-Ostsee-Kanals

Schleswig-Holstein Magazin -

Er teilt Schleswig-Holstein in zwei Hälften und erspart Schiffen einen Umweg von 450 Kilometern: der Nord-Ostsee-Kanal. Den Grundstein legte Kaiser Wilhelm vor 130 Jahren.

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An der Schleuse gehen Tausende Euro verloren

Um Kollisionen zu vermeiden, müssen die Schiffe an der Schleuse in Kiel-Holtenau auf ihre Weiterfahrt warten. Die Folge: lange Liegezeiten und lange Gesichter bei den Schiffsherren. Liegt ein Frachter einen Tag auf Reede, können die Eigner nach eigenen Angaben mehrere tausend Euro verlieren.

Merkens erklärt: "Man nehme mal einen gängigen Küstenfrachter von 6.000 Tonnen mit einer Charterrate zwischen 4.000 und 6.000 Euro. Wenn das Schiff einen Tag liegt, ist das Geld weg." Hinzu kämen laufende Brennstoff- und weitere Betriebskosten. Außerdem entstünden Folgeschäden im weiteren Verlauf der Fracht, wenn Termine nicht eingehalten werden können, so Merkens.

Der Weg über Skagen ist länger - aber planbar

Um Staus an der Ost-Einfahrt des Kanals zu meiden, wählen viele Linienreedereien und Charterer die Alternativroute um Skagen an der nördlichen Spitze Dänemarks. Das ist ein Umweg von mehreren hundert Kilometern. Bei gutem Wetter gibt es dafür aber eine freie Seepassage sowie kalkulierbare Zeiten und Kosten.

Beispiel: Eine Seefahrt vom englischen Dover nach Kiel ist über Skagen zwar 682 Kilometer länger als durch den Nord-Ostsee-Kanal. Doch der Zielhafen wird über die Dänemark-Route meistens pünktlich erreicht. Es entstehen keine Zusatzkosten.

27.500 Schiffe passieren den NOK

Dabei könnte der Kanal den Reedereien eigentlich eine verlässliche Verkehrsverbindung liefern, sagt Jörg Brockmann vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA). Wer auf der einen Seite in den Kanal hineinfahre, wisse heutzutage auf die Stunde genau, wann er auf der anderen Seite wieder herauskommt.

"In dem Moment, wo ich das als Kanal nicht mehr garantieren kann, weil Wartezeiten entstehen, wird der aber Verkehrsweg unattraktiv. Die Schiffe weichen aus", sagt Brockmann. Anfang des Jahrzehnts passierten laut WSA noch mehr als 33.000 Frachter und Kreuzfahrtschiffe den Kanal. Im vergangenen Jahr waren es 29.300 Schiffe, bis November dieses Jahres 27.500.

Verbreiterung der Oststrecke

Der Nord-Ostsee-Kanal gilt nach wie vor als meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt. Um diesen Status zu halten, muss aber offenbar etwas getan werden. Das WSA will den Transportweg für Reeder und Charterer ausbauen und die Oststrecke des Kanals verbreitern.

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In Brunsbüttel wird derzeit eine fünfte Schleusenkammer gebaut. Sie soll Ende 2020 fertig sein.

Dann hätten größere Frachtschiffe genug Platz, um in der Fahrrinne nebeneinander zu fahren. So will die Behörde künftig den Verkehrsfluss im Kanal verbessern, lange Liegezeiten vermeiden und einen pünktlichen Transit zwischen Nord- und Ostsee gewährleisten.

Der Bund gibt Millionen

Die Baumaßnahme erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst sucht das WSA europaweit ein möglichst preisgünstiges Bauunternehmen. Es soll den ersten Abschnitt zwischen Groß Königsförde und Groß Nordsee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ausbauen. Planmäßig will das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt den Bauauftrag in etwa einem halben Jahr erteilen. Dann sollen Bagger den Boden der Uferkante bis zur Wasserebene abtragen.

Laut Bauplan zahlt der Bund 280 Millionen Euro für den Ausbau der Oststrecke. Das Ziel: weniger Wartezeiten - auch für die Schiffe der Reederei Rörd Braren. Der NOK soll die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt bleiben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.12.2017 | 12:00 Uhr

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