Auf und Ab bei Nobiskrug: "Werftis müssen ruhig bleiben"

Stand: 27.07.2021 10:25 Uhr

Gundula Ehler ist seit 1979 bei Nobiskrug angestellt - als sie anfing, war das Unternehmen ein sicherer Arbeitgeber. Doch im April musste die Werft einen Insolvenzantrag stellen - nicht die erste Krise.

"Das ist wie nach Hause kommen. Man kommt, um mit Freunden zu arbeiten - mit Freude und mit Freunden - und das macht das hier auch aus auf der Werft", berichtet sie. Ehler ist gelernte Industriekauffrau - hat bei Nobiskrug schon in vielen Bereichen gearbeitet - momentan kümmert sie sich um die Zollabwicklung. Doch trotzdem die Werft am Anfang als guter Arbeitgeber galt, hat sie hier Höhen und Tiefen erlebt.

Erster Konkurs in den 80er-Jahren

1986 meldete Nobiskrug Konkurs an. Tausend Arbeiter fürchteten über Monate um ihre Zukunft. Der Betriebsrat schaltete eine Todesanzeige in der Zeitung. "Alle waren schockiert, das hat man nicht kommen sehen", berichtet Ehler. Am Ende übernahm die HDW Nobiskrug - und dennoch: mehr als die Hälfte der Mitarbeiter verlor ihre Jobs.

"Werftis" müssen ruhig bleiben

Im April diesen Jahres drohte sich die Geschichte zu wiederholen - Nobiskrug stellte einen Insolvenzantrag. Gundula Ehler ist alleinerziehend, hat ihr Haus noch nicht abbezahlt. Doch ihre langjährige Erfahrung mit der Werft half ihr. "Das ist Werft. So wie es auf der See rauf und runter geht, so ist es auch auf allen Werften. Also eine Kontinuität gibt es kaum und da hat man glaube ich als 'Werfti' - so wie wir uns nennen, so eine Basis, dass man sagt: 'Wir schaffen das und alle arbeiten mit.' Deswegen ist Ruhe bewahren immer die beste Option", sagt Ehler.

Mittlerweile ist ein Investor gefunden. Die meisten Arbeitsplätze werden wohl erhalten bleiben. Gundula Ehler hofft, dass nun wieder Ruhe einkehrt und sie hier wieder ungestört Schiffe bauen können.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 26.07.2021 | 19:30 Uhr

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