Stand: 27.11.2018 18:05 Uhr

Auf der Suche nach Rissen an der Rader Hochbrücke

von Christian Nagel

Eins steht fest: Höhenangst dürfen Prüfingenieur Peter von Drathen und seine drei Kollegen nicht haben. Routiniert besteigen sie den Kontrollwagen im mittleren Teil unter der Rader Hochbrücke, direkt am südlichen Brückenlager. Das orangefarbene Gefährt ist fest am Metallunterbau der Brücke montiert. Obwohl die Rader Hochbrücke den Nord-Ostsee-Kanal in bis zu 49 Meter Höhe überspannt, verschwendet Peter von Drathen an die Höhe schon längst keinen Gedanken mehr. Er kennt die Brücken im Norden und hat mit Höhe keine Probleme. Und so startet ein Kollege den Dieselmotor, der den Strom für den elektrischen Antrieb der Kontroll-Gondel erzeugt und das Prüfer-Team setzt sich in Bewegung.

Mit Licht und Gartenspritze den Rissen auf der Spur

"Ab hier ist jetzt äußerste Vorsicht geboten", meint Peter von Drathen. "Achten Sie auf ihren Kopf". Und tatsächlich: Die Querstreben der Brückenkonstruktion kommen den Insassen auf der Fahrt in Richtung Brückenmitte schon sehr nahe. In Brücken-Abschnitt 14 macht die Gondel halt. Die Köpfe dicht unter der Brücke, nach unten mindestens 25 Meter nichts. Von Drathen schaltet routiniert einen Halogen-Strahler an und greift zur Gartenspritze. "Ein handelsübliches Modell, gefüllt mit Seifenlauge", erklärt er. Gemeinsam mit seinem Kollegen sprüht er die Flüssigkeit auf den ersten Metallträger und wartet einen kurzen Moment ab.

Mit Prüfern auf der Rader Hochbrücke

Seifenlauge verrät Risse

"Die Träger sind von innen hohl. Wir haben sie mit einem Kompressor mit Luft befüllt, jetzt besteht darin ein Überdruck", erläutert der Ingenieur. "Sollte ein Träger an einer Stelle nicht dicht sein, bildet die Seifenlauge an dieser Stelle Blasen." Ein eindeutiges Zeichen für einen Riss im Metall. Wenn von Drathen und seine Kollegen etwas finden, werden die Schäden auf dem Träger markiert und eine Notiz gemacht. Die Risse werden dann später von einer Fachfirma zugeschweißt. Aber auch abgeplatzte Lackstellen markieren und notieren von Drathen und sein Team.

Rader Hochbrücke seit Jahren unter Beobachtung

Dass die Prüfer bei der Rader Hochbrücke noch etwas genauer hinschauen, als sie es eh schon tun, hat gute Gründe: Seit Juli 2013 steht die Rader Hochbrücke unter besonderer Beobachtung. Damals hatten Experten bei einer Routineuntersuchung festgestellt, dass es Schäden in den 28 Pfeilerköpfen gibt. Von "Brösel-Beton" war die Rede und sofort wurde die Brücke für den Lkw-Verkehr gesperrt und das Tempo für Autofahrer gedrosselt. Auftakt für ein mittleres Verkehrschaos, denn die Lkw schlängelten sich durch den Rendsburger Kanaltunnel oder nahmen den Umweg über Kiel, um den Nord-Ostsee-Kanal zu passieren.

Fast 60.000 Fahrzeuge nutzen die Brücke

Seitdem versuchen die Mitarbeiter vom Landesbetrieb Straßenbau- und Verkehr alles, was in ihrer Macht steht, um eine der wichtigsten Verkehrs-Adern des Nordens am Leben zu erhalten. Fast 60.000 Fahrzeuge nutzen die Brücke täglich, um im Verlauf der A7 über den Nord-Ostsee-Kanal zu kommen. Die Planungen für einen Neubau laufen, doch bis mindestens 2026 muss die Stahlkonstruktion noch halten. Der Verkehr soll dann so bald wie möglich über die erste Hälfte des Neubaus fließen und die komplette alte Brückenkonstruktion abgerissen werden. Aber hält die Rader Hochbrücke, die dann 44 Jahre alt wäre, wirklich so lange durch? Die Experten sagen ja und gehen trotzdem auf Nummer Sicher.

Kleine Schäden, aber "nichts Schlimmeres"

Bis Mitte Dezember ist das Team noch mit der Überprüfung der Brücken-Metallkonstruktion beschäftigt. Zeitgleich kontrollieren andere Experten des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr die 28 Betonpfeiler der Rader Hochbrücke. Sie klopfen mit einem Hammer und gutem Gehör die Wände von innen ab. Klingt es hol, muss die Stelle repariert werden.

Insgesamt soll die Großkontrolle der Brücke Mitte Dezember abgeschlossen sein. "Ein paar kleinere Schäden haben wir schon entdeckt, aber nichts Schlimmeres", sagt Peter von Drahten. In Abschnitt 14 haben wir keine Schäden finden können. Und so setzt sich der Kontroll-Wagen unter der Rader Hochbrücke wieder langsam in Richtung südliches Brückenlager in Bewegung. Ich darf als einer der ersten Aussteigen und bin froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.11.2018 | 14:00 Uhr

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