Ein Ordner mit der Aufschrift "Gewalt gegen Kinder" liegt umringt von Spielzeug auf dem Boden.  Foto: Sven Braun/dpa

Auch in SH mehr Fälle von Kindesmissbrauch

Stand: 26.05.2021 18:28 Uhr

Wegen der steigenden Zahl von Missbrauchsfällen von Kindern und der Verbreitung kinderpornographischer Schriften prüft das Landeskriminalamt (LKA) in Schleswig-Holstein, Personal aufzustocken.

In Schleswig-Holstein sind im vergangenen Jahr 30 Prozent mehr Fälle von Verbreitung kinderpornographischer Schriften angezeigt worden als 2019. Damals war die Zahl im Vergleich zum Vorjahr bereits deutlich angestiegen. In den Polizeidienststellen in Kiel, Lübeck, Flensburg und Itzehoe versuchen Ermittler, die Täter zu überführen. Koordiniert wird diese Arbeit vom LKA. 2020 wurden laut Kriminalstatistik fast 96 Prozent der Fälle aufgeklärt.

Millionen von Bilddateien werden gesichtet

Diese hohe, sogenannte Vorgangsbelastung hat sich nach Angaben des LKA in den vergangenen Jahren vervielfacht - im Gegensatz zum zur Verfügung stehenden Personal. Die Personalsituation ist angespannt. Bei jedem einzelnen Vorgang könne es sein, dass Millionen Bild- und Videodateien gesichtet werden müssen. Das sei nötig, um beispielsweise andauernde Missbräuche durch den Beschuldigten zu entdecken. Derzeit soll laut LKA geprüft werden, ob mehr Ermittler eingestellt werden.

Dunkelziffer viel höher

Neben der Verbreitung von kinderpornographischen Schriften ist auch die Zahl der Fälle mit sexualisierter Gewalt an Kindern in Schleswig-Holstein um 15 Prozent gestiegen. Die Experten gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist. "Es wird Tätern viel zu leicht gemacht. Täter kommen viel zu leicht an Kinder, schaffen viel zu leicht Kontakt zu Kindern. Und Kinder sind im Netz noch viel zu ungeschützt", sagt Lidija Baumann, Psychologin und Leiterin des Kinderschutzzentrums Kiel.

Psychologin: "Kinder senden feine Signale"

Ihren Worten zufolge können Kinder kaum in Worte fassen, wenn ihnen sexualisierte Gewalt angetan worden ist. Deswegen müssten Erwachsene sehr genau hinschauen, um Verhaltensänderungen zu bemerken. "Das kommt in der Corona-Pandemie aber oft zu kurz", stellt die Psychologin fest. Zum einen waren Bildungseinrichtungen lange geschlossen. Zum anderen seien viele Erwachsene von der Pandemie so gestresst, dass sie die leisen und feinen Signale der Kinder nicht wahrnehmen würden.

Weitere Informationen
Ein Kind sitzt neben einem Schulranzen auf einer Treppenstufe.
3 Min

Härtere Strafen für sexualisierte Gewalt gegen Kinder

Sexueller Missbrauch soll künftig mindestens mit einem Jahr Haft geahndet werden. Das sieht ein neues Gesetz vor. 3 Min

Ein Junge versteckt sein Gesicht. © Imago/Blickwinkel

Landtag fordert mehr Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt

Der Schutz von Kindern müsse höchste Priorität haben, mahnt SPD-Kitapolitikerin Midyatli an. Auch die Regierung sieht Handlungsbedarf. mehr

Ursula Schele gibt ein Interview. © NDR

Abschied von Petze-Gründerin Ursula Schele

Die Geschäftsführerin des Anti-Gewalt-Büros in Kiel geht in den Ruhestand. Doch ans Aufhören denkt sie noch lange nicht. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.05.2021 | 17:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Stühle stehen in einer Reihe in einem Impfzentrum. © Christian Charisius Foto: Christian Charisius

Nach Aus der Impfzentren: Mobile Impfstellen sollen unterstützen

Am Sonntag schließen die Impfzentren im Land. Laut Gesundheitsminister Garg unterstützen danach temporäre mobile Impfstellen die Ärzte - je nach Bedarf. mehr

Videos