Stand: 29.07.2019 20:45 Uhr

Apples Kamera-Fahrten: Jetzt schon Widerspruch einlegen

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So in etwa sehen die Autos von Apple aus, die ab kommendem Jahr auch in Schleswig-Holstein fotografieren sollen.

Helle Kleinwagen mit großen, festmontierten Kameras auf dem Dach: Seit Montag sind Kamerawagen des US-Konzerns Apple auf deutschen Straßen unterwegs, um Straßenzüge, Häuser und Privatgrundstücke zu fotografieren. Nach Apple-Informationen starten die Kamera-Autos in Deutschland unter anderem in München, Stuttgart und Frankfurt. Erst im kommenden Jahr soll Schleswig-Holstein dran sein. Wann die Autos wo Fotos machen, das ist laut Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD) unklar. Trotzdem ist die Verunsicherung bei vielen Schleswig-Holsteinern groß.

Noch unklar, was Apple mit dem Bildmaterial vor hat

"Zeitweise stand das Telefon am Montag nicht mehr still, auch viele Mails sind eingegangen", sagt Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragte Marit Hansen. Die Ankündigung Apples habe hohe Wellen geschlagen. Es meldeten sich immer mehr besorgte Menschen beim ULD. Dabei ist Hansen zufolge noch nicht ganz klar, was der US-Konzern genau mit dem Bildmaterial vorhat. Zunächst gehe es nur darum, Karten für Navigations-Apps zu verbessern, heißt es aus dem Unternehmen.

Allerdings führt Apple auch gerade den Dienst Look Around ein. Genau wie Google Streetview zeigt er Nutzern ganze Straßenzüge, öffentliche Gebäude, aber auch Fronten von Privathäusern. "Der Look-Around-Dienst wird auf jeden Fall nach Europa kommen", sagt Hansen. "Ob wirklich für jeden Winkel oder ob es primär um Sehenswürdigkeiten geht, das ist nicht klar. Aber die machen das ja nicht aus Jux und Tollerei", so die Datenschutzbeauftragte.

Widerspruch schon jetzt möglich

Bereits jetzt könnten Bürger der Datenverarbeitung durch Apple widersprechen. Dann werde der Standort des Hauses für eine Löschung vorgemerkt. Die entsprechenden Häuser werden zwar trotzdem fotografiert, allerdings später unkenntlich gemacht. Das entsprechende Formular wird von Apple bisher nur in englischer Sprache angeboten.

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Apple will Daten für 36 Monate auf US-Servern speichern

Hansen kritisiert Apples Umgang mit den Fotos von Kamera-Autos aus Deutschland. Zwar würden demnach "alle aufgenommenen Daten in den Autos gegen unberechtigte Zugriffe verschlüsselt, aber dann - das sehe ich kritisch - auf amerikanischen Servern weiterverarbeitet", meint Hansen. Nur Stück für Stück gebe es genauere Informationen von Apple, welche Daten verarbeitet werden. Der Konzern behalte sich vor, die Daten bis zu 36 Monate zu speichern.

Zwar verspreche das Unternehmen, Gesichter und Autokennzeichen unkenntlich zu machen, sagt Hansen. "Doch nicht jeder ist damit einverstanden, dass die Aufnahmen vom Privatgrundstück über Jahre abrufbar sind und etwa darauf zu erkennen ist, dass man seinen Vorgarten nicht perfekt gepflegt hat, dass teure Autos vor dem Haus parken oder wo Einbrecher leichtes Spiel haben könnten", sagt die Datenschützerin.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.07.2019 | 18:00 Uhr

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