Stand: 27.10.2019 16:41 Uhr

Anwohner kämpfen weiter gegen Kraftwerk in Wedel

Alles würde besser werden, wenn das Kohlekraftwerk Wedel (Kreis Pinneberg) mit der Stadt Hamburg einen neuen Betreiber bekäme - das zumindest war die Hoffnung der Anwohner. Doch inzwischen macht sich Ernüchterung breit. Die Anwohner klagen weiter über Lackschäden auf den Autos. Ihr Verdacht: Die Schäden werden durch Partikel hervorgerufen, die aus den Schornsteinen des Kohlekraftwerks Wedel kommen.

Ein Gutachten des IFO-Instituts, das die Anwohner in Auftrag gegeben hatten, wies genau das nach. Die Wedeler Grünen forderten daraufhin die Aufsichtsbehörde, das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) auf, das Kraftwerk abzuschalten. Doch das LLUR zweifelte das Gutachten an.

Bürgerinitiative: Kerstan hat Kulanz zugesagt

Die Stadt Hamburg hatte das Kraftwerk mit seinen Energienetzen rückwirkend zum 1. Januar 2019 von Vattenfall zurückgekauft. Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne), als Aufsichtsratsvorsitzender auch Chef des Unternehmens Wärme Hamburg, habe Besserung versprochen, sagt Kerstin Lückow von der Bürgerinitiative "Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel".

"Er hat Kulanz zugesagt, Offenheit zugesagt, auch ganz klar gesagt, dass er nicht dulden werde, wenn seine neue Linie noch nicht bei seinen Mitarbeitern angekommen sei", so Lückow. Bislang seien den Anwohnern aber nur Gutscheine für die Autowäsche angeboten worden.

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ph-Werte laut Gutachten gefährlich

Und neben den Lackschäden auf ihren Autos fürchten sie auch um ihre Gesundheit. Denn im Mai und August wurden in den Schornsteinen des Kraftwerks pH-Werte von 1,9 und 1,6 gemessen. Das geht aus Unterlagen hervor, die NDR Schleswig-Holstein vorliegen.

Nach einem Gutachten von 2017 gilt ein Wert von unter 2 als ätzend für die Haut. Er kann demnach schwere Augenschäden verursachen. Dieses Gutachten hatte der frühere Betreiber Vattenfall selbst in Auftrag gegeben.

Albrecht: Gesetzliche Rahmenbedingungen einhalten

Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sagte, sein Ministerium müsse dafür sorgen, "dass keine Einwirkungen auf die Gesundheit oder auf Sachgegenstände stattfinden, die vom Gesetz nicht gedeckt sind. Auf der anderen Seite müssen wir aber eben auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür einhalten, dass ein Kraftwerk eine Genehmigung hat und ihm diese nur genommen werden kann, wenn die gesetzlichen Vorgaben für diese Genehmigung gerissen werden."

Albrechts Hamburger Kollege Jens Kerstan stand auch nach mehrfacher Anfrage des NDR für ein Interview nicht zur Verfügung. Seine Umweltbehörde ließ allerdings wissen, sie prüfe weiterhin, inwieweit sie den Anwohnern bei der Beseitigung von sichtbaren Beeinträchtigungen entgegenkommen könne.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 25.10.2019 | 19:30 Uhr

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