Stand: 14.04.2018 16:02 Uhr

Annies Kiosk: Kult-Imbiss versucht Comeback

von Nils Hansen

Auf diesem Betonparkplatz an der Förde-Promenade in Süderhaff reihten sich im Sommer die Motorräder dicht an dicht. Hier, kurz hinter der dänischen Grenze, trafen sich Biker aus Deutschland, Skandinavien und sogar Italien. "Außerdem kamen viele Familien und Touristen", erinnert sich ein dänischer Gast. Er und die anderen besuchten einen Imbiss - Annies Kiosk. "Immer mal wieder kam die dänische Königsfamilie vorbei, denn deren Kinder haben das Eis geliebt. Sie standen mit allen anderen Gästen an, hatten nicht einmal Bodyguards dabei", erzählt Bente Hartmeyer mit einem Lächeln im Gesicht. Sie ist die Schwester von Annie Bögild, der Namensgeberin und früheren Chefin des Imbisses und hat mit ihr gemeinsam den Laden geführt. Doch dann starb Annie - und der Kiosk musste schließen. In den vergangenen zwei Jahren war vom einstigen Kult nichts mehr zu spüren. Auf dem Parkplatz, auf dem sich die Motorräder reihten, herrschte gähnende Leere.

"Die Legende muss weiterleben"

Die beliebte Ausflugsziel für Würstchenfreunde musste aus den Reiseführern gestrichen werden, alles was blieb, war ein Eintrag bei Wikipedia. "Das darf nicht sein. Die Legende muss weiterleben", dachte sich der Däne Jens Enemark. Er betreibt unter anderem schon einen Golfplatz und eine Rennstrecke. Wie man eine Hotdog-Bude erfolgreich leitet, wisse er zwar nicht, aber das werde schon klappen, hofft der neue Investor. Die markante gelbe Bretter-Bude musste er aber abreißen. Sie entsprach nicht mehr den gültigen Baurichtlinien. In Nord-Dänemark ließ er einen neuen Imbiss entwerfen, einen Fertigbau, der kurz vor der Eröffnung installiert wurde, nur wenige Meter entfernt vom ehemaligen Kiosk.

"Anders als früher kann der Imbiss beheizt werden, außerdem gibt es mehr Platz als damals. Man kann jetzt darin schlafen", sagt Enemark. "Eine Heizung braucht man bei den vielen heißen Grills eigentlich nicht, aber das sind nun mal die Vorgaben. Da ist Dänemark ähnlich bürokratisch wie Deutschland." Nach eigenen Angaben investiert er rund 300.000 Euro in den Neubau.

Imbiss mit Ausblick

Doch reichen ein beheiztes Imbisshäuschen, Geld und fleißige Mitarbeiter, um die begehrten Hotdogs zu kreieren? Spricht man mit den Stammkunden, hat der Kult viele Gründe. Zum einen sei es der einmalige Ausblick. Der Hotdog wird mit Blick auf die Förde verzehrt. Zur Linken schaut man auf die beiden Ochseninseln, eingebettet in Wäldern auf der anderen Fördeseite und einer Menge Wasser drumherum. "Das schafft eine einmalige Atmosphäre, die man nirgendwo anders findet", sagt ein Besucher, der nach eigener Aussage täglich hier einen Kaffee trinkt.

Es gibt mehr als Eis und Hotdogs

Für die anderen sind es die Zutaten. Die Würste haben eine eigene Rezeptur, stammen von einem preisgekrönten dänischen Metzgermeister. Auch die Hotdog-Brötchen kommen täglich frisch aus einer Bäckerei. Das seien zwar alles gute Gründe, aber der Hauptgrund für den immensen Erfolg sei ein anderer, sagt Bente Hartmeyer. "Es ist die Nähe zum Kunden. Die Stimmung zwischen den Mitarbeitern", die der Investor Jens Enemark alle übernehmen möchte, "sei immer gut gewesen, alle haben sich verstanden. Das strahlt auf den Kunden ab", so Hartmeyer. Ihrer Meinung nach war es jedoch auch die Zeit, die man sich für einen Schnack mit den Gästen nahm, durch den viele zu Freunden wurden. Diese Liebe zum Kunden, gepaart mit dem einzigartigen Flair und den guten Zutaten, mache das Geheimrezept.

Hartmeyer ist froh, dass Annies Kiosk nun weitergeführt wird. "Annie wäre stolz darauf", sagt sie. Allerdings mahnt sie auch: "Der neue Chef soll nicht nur ans Geld denken - uns geht es um viel mehr". Der neue Chef Jens Enemark hat sich unterdessen ein straffes Ziel für sein Eröffnungswochenende gesetzt. Gut 2.500 Hotdogs sollen über die Ladentheke gehen.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 13.04.2018 | 19:30 Uhr

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