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Angst vor Coronavirus? Weniger Menschen leisten Erste Hilfe

Stand: 28.10.2020 05:00 Uhr

In Corona-Zeiten leisten weniger Menschen Erste Hilfe. Aus Angst, sich mit dem Virus anzustecken? Das ist die Annahme zweier Kliniken in Schleswig-Holstein, und Notfallmediziner bestätigen das.

Die Regiokliniken im Kreis Pinneberg und auch die Sana Kliniken Lübeck weisen darauf hin, dass es immer weniger Ersthelfer gebe. Viele hätten Angst, sich bei einem Erste-Hilfe-Einsatz mit dem Coronavirus zu infizieren. Laut dem Deutschen Reanimationsregister überleben in Deutschland nur zehn Prozent der Betroffenen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Je nach Land und Region sei diese Zahl mit der Corona-Pandemie noch mal um die Hälfte gesunken, berichten Notfallmediziner. Marcin Herz, Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin an den Sana Kliniken Lübeck, bestätigt, die Herz-Lungen-Wiederbelebung durch Laien sei zurückgegangen. Gleichzeitig habe der plötzliche Herztod zugenommen.

Empfehlungen wurden angepasst

Damit Ersthelfer nicht befürchten müssen sich mit dem Coronavirus anzustecken, haben Mediziner die empfohlenen Wiederbelebungsmaßnahmen angepasst. Die Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung fällt weg. Wichtig sei vor allem die Herzdruckmassage. Außerdem sollten Ersthelfer eine Maske tragen, heißt es.

Abläufe sollen optimiert werden

Damit mehr Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand überleben, beteiligen sich außerdem die Rettungsleitstellen Kiel und Plön an einem Pilotprojekt, das das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) koordiniert. Bei dem Programm Resuscitation Academy geht es darum, Abläufe in der Rettungskette zu optimieren und damit schneller zu machen. Denn bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand kommt es auf jede Sekunde an, betont auch das Bundesgesundheitsministerium.

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Frauen üben an eine Puppe Wiederbelebungsmaßnahmen. © fotolia.com Foto: Rawpixel

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Laien am Telefon Hilfestellung geben

Laut Jan-Thorsten Gräsner, dem Direktor des Instituts für Notfallmedizin am UKSH, kann bei der Rettungskette an verschiedenen Stellschrauben gedreht werden. Meistens rufe ein Laie den Rettungsdienst. Dieser Laie soll im besten Fall noch am Telefon angewiesen werden, wie er die zusammengebrochene Person wiederbeleben kann. Parallel müssten aber noch mehr Rettungsschritte ausgeführt werden, betont Gräsner.

Geeignetes Krankenhaus finden

"Es funktioniert nur dann, wenn der Laie anfängt, die Leitstelle ihn unterstützt und vielleicht ein weiterer Ersthelfer noch per App alarmiert wird. Dann müssen gut ausgebildete Rettungskräfte kommen und den Patienten ins Krankenhaus bringen", erklärt er.

Ziel sei es, "nicht nur gute, sondern sehr gute Ergebnisse an jeder Stellschraube zu bekommen. Dazu zählt auch, dass der Patient dann in das für ihn am besten geeignete Krankenhaus kommt", betont Gräsner. Im Kreis Plön könne das wegen längerer Strecken schwieriger werden als in der Stadt Kiel.

Programm kommt aus den USA

Das Programm Resuscitation Academy kommt aus den USA. In Seattle konnte dadurch die Überlebenschance nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand auf mehr als 56 Prozent erhöht werden.

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