Angeln: Steinewerfer müssen für mehrere Jahre ins Gefängnis

Stand: 15.02.2021 20:19 Uhr

Drei junge Männer fahren im Sommer 2018 quer durch Angeln, legen Brände und werfen Steine auf einen fahrenden Kleinbus. Für diese Taten müssen sie nun mehrere Jahre ins Gefängnis.

Das Landgericht Flensburg hat einen der Angeklagten, damals 22 Jahre alt, wegen versuchten Mordes zu fünf Jahren Haft nach Erwachsenen-Strafrecht verurteilt. Die zwei weiteren Angeklagten, zur Tatzeit 18 und 19 Jahre alt, wurden zu vier und viereinhalb Jahren Haft nach Jugend-Strafrecht verurteilt - ebenfalls wegen versuchten Mordes. Außerdem werden die beiden jüngeren Männer auch für die Brandstiftungen verantwortlich gemacht. Das Trio hätte "aus Langeweile und aus Frust gehandelt", führte die Richterin in der Urteilsbegründung aus - und "um einen Kick zu bekommen".

Spontan Steine vom Bauhof ins Auto gepackt

Er sei guter Stimmung gewesen, nachdem er damals mehr als eine Flasche Wodka getrunken habe, hatte einer der Angeklagten zum Prozessauftakt vor Gericht erzählt. Die damals 18- und 19-Jährigen kannten sich von der Schule in Sterup. Der 22-Jährige kam hinzu. Mit dem Auto seien sie an einem Bauhof bei Gelting vorbeigekommen und hätten spontan Steine eingeladen, so die Aussage. Der erste Stein flog gegen den parkenden Pkw eines Mannes, der die Ex-Freundin von einem der nun Verurteilten angebaggert haben soll. Dann flogen weitere Steine.

Brandstiftung "aus einer Laune heraus"

Die Männer gaben auch zu, in ein Reetdachhaus in Stangheck eingebrochen zu sein. Die Beute: etwas Elektronik und Werkzeug. Später kamen sie wieder und zündeten es an, angeblich um die Spuren zu verwischen. Aus einer Laune heraus soll es laut Aussage im Prozess auch zur Brandstiftung an einem weiteren leerstehenden Haus in Sterup gekommen sein. Auch ein Mähdrescher und ein Bagger gingen in Flammen auf, weil sie zufällig am Wegesrand standen. Einen Benzinkanister hatte einer der Angeklagten nach eigener Aussage dazu extra eingeladen.

Genauer Ablauf beim Steinwurf auf Kleinbus unklar

Der Steinwurf auf einen fahrenden Kleinbus, in dem vier Senioren und der Fahrer leicht verletzt wurden, ereignete sich am Ende einer der Nächte im August 2018. Die Steine sollen aus dem Auto heraus geworfen sein worden, hinter dessen Steuer der ältere Angeklagte saß. In diesem Fall gingen die Aussagen auseinander. Der Fahrer behauptete, er sei von der Situation überrascht worden und habe die beiden anderen später zur Rede gestellt. Die beiden jungen Männer konnten sich angeblich nicht mehr genau erinnern. Offenbar wurde aber vorher im Wagen diskutiert, weil der Bus zu einem Unternehmen gehörte, in dem der Vater einer der Angeklagten zuvor gearbeitet hatte.

Staatsanwaltschaft forderte Haftstrafen wegen versuchten Mordes

Ein drei Kilogramm schwerer Pflasterstein durchschlug die Scheibe des Kleinbusses und verfehlte einen der Senioren, die auf dem Weg zu einer Ausflugsfahrt waren, nur knapp. Spuren eines zweiten Steins fanden sich zudem an einem Sitz. Der Staatsanwalt plädierte deshalb auf versuchten Mord und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Er forderte fünf Jahre Haft nach Erwachsenenstrafrecht für den damals 22-jährigen sowie fünf und viereinhalb Jahre nach Jugendstrafrecht für die jüngeren Angeklagten. Der Fahrer hatte aktiv an der Aufklärung mitgeholfen. Die Verteidigung plädierte auf Bewährungsstrafen bzw. einen Freispruch.

Motivation: Langeweile und Frust

Das Gericht entschied auf Gefängnisstrafen und folgte damit weitgehend den Forderungen der Anklage. Auch wenn die Senioren im Bus durch Glassplitter nur leicht verletzt worden seien, hätten die jungen Männer einen möglichen Tod der Businsassen in Kauf genommen. Positiv merkte die Richterin an, die Angeklagten hätten inzwischen in ihrem Leben gepunktet, sich um Arbeit und Ausbildung gekümmert. Bei den jüngeren Angeklagten komme es in Betracht, dass die Haftstrafe frühestens nach einem Drittel der Zeit auf Bewährung ausgesetzt werde.

Die Verteidigung sieht die Urteile wegen versuchten Mordes als nicht gerechtfertigt an und will voraussichtlich in Revision gehen.

Weitere Informationen
Ein parkendes Auto mit zerstörter Frontscheibe © Daniel Friederichs Foto: Daniel Friederichs

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.02.2021 | 17:00 Uhr

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