Stand: 13.09.2019 17:53 Uhr

Angeklagter gesteht: Vermieter vergiftet

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Der 23-jährige Angeklagte (M.) soll seinen im selben Haus wohnenden Vermieter vergiftet haben. Der ebenfalls angeklagte Mitbewohner (r.) soll genau wie eine weitere Mitbewohnerin von der Tat gewusst, aber niemanden informiert haben.

"Ja, die Tat gestehe ich." Das war die Aussage eines 23 Jahre alten Angeklagten am Freitag vor dem Lübecker Landgericht. Gleich zu Beginn der Verhandlung legte der junge Mann mit gesenktem Kopf dieses Geständnis ab. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seinen Vermieter und Mitbewohner in Lütjensee (Kreis Stormarn) mit einem Pflanzenschutzmittel vergiftet zu haben. Der junge Mann muss sich wegen heimtückischen Mordes vor der Jugendkammer verantworten. Anberaumt sind fünf Verhandlungstage.

Angeklagter: Es sollte nur ein Denkzettel sein

Der Angeklagte gestand, dass er das Pflanzenschutzmittel E605 in der Nacht vom 18. auf den 19. Februar dieses Jahres in eine Portwein-Flasche seines alkoholkranken Vermieters gefüllt hatte. Seinen Angaben zufolge gelang nur ein Tropfen in die Flasche. Dass das nicht stimmen kann, zeigte später ein toxologisches Gutachten. Demnach müssen es bis zu 50 Tropfen gewesen sein.

Er habe nicht gewusst, was E605 ist, meinte der Hauptangeklagte. Er habe gedacht, es sei ein Schädlingsbekämpfungsmittel für den Außenbereich: "Ich ging von Bauchschmerzen, Durchfall oder Erbrechen aus." Er habe dem 56-Jährigen lediglich einen Denkzettel verpassen wollen. Der Vermieter habe ihn immer wieder verspottet und beleidigt. Es ging offenbar auch um Mietschulden. Der 23-Jährige sollte Miete bezahlen, während die zwei Mitbewohner - und Mitangeklagten - nicht hätten zahlen müssen.

"Ich hätte nie gedacht, dass er sterben würde"

Die kleine Flasche mit dem E605 sei ihm in die Hand gefallen, als er im Wohnzimmer des Vermieters nach dem Mietvertrag gesucht habe. "Ich wollte ihm einen Streich spielen. Er hat mich die ganze Zeit gepiesackt, mich rausgeschmissen, über WhatsApp bedroht." Eine Tötungsabsicht bestritt er nachdrücklich: "Ich habe nie gedacht, dass er sterben würde."

Die beiden Mitbewohner berichteten allerdings, dass der 23-Jährige gesagt habe, er könne den Vermieter aus Wut umbringen, würde auf dessen Grab tanzen und bei seinem Tod eine Hausparty veranstalten. Sie hätten aber nicht geglaubt, dass das ernst gemeint gewesen sei. Auch der 23-Jährige betonte, er habe das einfach so gesagt. Die 19-jährigen Mitwohner sind wegen Nichtanzeigens einer Straftat angeklagt. Sie sollen von der Tat gewusst, das Opfer aber weder gewarnt noch die Polizei informiert haben.

Den tödlichen Schluck aus der präparierten Flasche nahm das Opfer am darauffolgenden Morgen. Er konnte noch einen Notruf absetzen, starb aber kurz darauf im Rettungswagen. Was ihr Kumpel da gemixt habe, hätten sie nicht gewusst, sagten die Mitbewohner. Sie hätten zwar darüber nachgedacht, die Flasche zu entsorgen, sie dann aber aus Angst nicht weggenommen. Sie fürchteten sich demnach davor, dass es Ärger mit dem alkoholsüchtigen Vermieter geben könne.

Die Jugendkammer des Landgerichts hat fünf Verhandlungstage anberaumt. Das Urteil könnte Ende September fallen. 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.09.2019 | 12:00 Uhr

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