Stand: 18.12.2018 06:00 Uhr

An der A7: Neuer Lärmschutz, neue Lebensqualität

von Hannah Böhme

Es ist kein wirklich schöner Anblick, der sich einem bietet, wenn man bei den Ludewigs in Ellerau im Kreis Pinneberg aus dem Fenster guckt. Knapp 30 Meter entfernt steht auf einem Wall - immerhin begrünt - eine graue, mehrere Meter hohe Metallwand. Deren Ende nach links ist kaum zu erkennen, nach rechts nicht einmal zu erahnen.

Trotzdem: Es ist es ein Anblick, der Horst Ludewig und seine Frau Christiane glücklich macht. Denn er bedeutet deutlich mehr Lebensqualität für die beiden. Hinter der Wand verschwindet nämlich seit zwei Jahren der tägliche Lärm der A7.

An der A7: Neuer Lärmschutz, neue Lebensqualität

30 Jahre ohne Lärmschutzwand

Autos, Lastwagen, Motorräder - fast 30 Jahre hatten Ludewigs zuvor mit der ungefilterten Geräuschkulisse der Verkehrsachse vor ihrer Haustür gelebt. Erst mit dem jetzigen Ausbau wurde die Lärmschutzwand bis zur Straße des Ehepaars erweitert.

Als die Autobahn Anfang der 70er-Jahre gebaut wurde, stand das Haus, in dem Ludewigs heute wohnen, schon. "Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Lärmschutzvorschriften", erklärt Horst Ludewig. Ende der 80er sind sie in das Haus, das der Familie seiner Frau gehörte, eingezogen. "Eine andere Möglichkeit für uns Eigentum zu erwerben, gab es damals nicht", erinnert er sich.

100.000 Quadratmeter neue Lärmschutzwand entlang der A7

Das Verkehrsaufkommen auf der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung Schleswig-Holsteins ist seitdem kontinuierlich gestiegen. Dass sich das irgendwann noch mal ändert, ist unwahrscheinlich, im Gegenteil: Mit dem Ausbau wird die wichtige Trasse laut Landesregierung an die weiter wachsenden Verkehrsmengen der Zukunft angepasst. Weil mehr Verkehr eben auch mehr Lärm bedeutet, wurden beim Autobahnausbau auch insgesamt 100.000 Quadratmeter Lärmschutzwände installiert, vor allem rund um die Anschlussstellen Quickborn und Neumünster.

Dabei sind entweder alte Lärmschutzwände erneuert worden oder - so wie bei Ludewigs - es wurden erstmalig Lärmschutzwände in Bereichen gebaut, in denen vorher nur Bäume und Sträucher den Autobahn-Krach abgeschwächt haben. Zusätzlich trägt die A7 entlang der Anschlussstelle Quickborn offenporigen Asphalt (OPA), den sogenannten Flüsterasphalt. Seine spezielle Beschaffenheit schluckt einen großen Teil der Fahrgeräusche.

Telefonieren bei offenem Fenster war unmöglich

Wand und neue Fahrbahn, beides zusammen sei eine wesentliche Verbesserung, da sind sich Horst und Christiane Ludewig einig. "Früher musste man auf der Terrasse wesentlich lauter sprechen, wenn man sich unterhalten wollte. Jetzt müssen wir leiser sprechen, damit die Leute auf der Straße nicht alles hören", sagt Horst Ludewig und schmunzelt.

Ähnlich sehen es auch die Mitarbeiter der Baumpflege Bollmann auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Telefonieren bei offenem Fenster sei bei dem Unternehmen unmöglich gewesen, so Ellen Tetens. Es sei kein Vergleich zu vorher. Sogar bei geschlossenem Fenster habe man die Autobahn gehört, berichtet sie.

Auch die Anwohner der Bahnstraße und des Grandweges in Quickborn freuen sich über eine erneuerte Lärmschutzwand und berichten, dass es wesentlich leiser geworden sei. Die alte Wand habe nicht mehr ausgereicht, um den immer größer werdenden Verkehrslärm der Autobahn abzuhalten, erzählt ein Anwohner.

Auch andere Anwohner hätten sich neue Lärmschutzwand gewünscht

Ganz anders ist die Gefühlslage im Falkengrund in Quickborn, eine Straße nur wenige 100 Meter vom Grandweg entfernt. Auch hier hatten sich die Anwohner eine Erneuerung der Lärmschutzwand gewünscht. Aber die Berechnungen des Landes, um die Lärmbelastung zu ermitteln, lagen unter den Grenzwerten, die für eine höhere Lärmschutzwand nötig gewesen wären, erzählt eine Frau. "Es ist laut. Die Fenster kann man nicht aufmachen", berichtet sie und sagt: "Im Sommer auf der Terrasse ist es, als würde man Kaffee trinken auf der A7." Pragmatisch sieht es eine andere Autobahnanwohnerin an der Anschlussstelle Brokenlande. Der Lärm falle ihr kaum noch auf. "Man merkt es eher andersrum", erzählt sie. "Wenn man mal im Wald ist, hört man auf einmal nichts mehr, das fällt einem dann auf."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.12.2018 | 08:00 Uhr

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