Stand: 14.10.2017 10:00 Uhr

Allein unter Vögeln: Trischens Robinson Crusoe

von Kai Salander

Vogelkundler Tore Mayland-Quellhorst steht auf dem Motorboot des Inselversorgers und fährt zum Festland zurück. Er riskiert einen letzten Schulterblick gen Trischen. Auf der Insel hat er sieben Monate in einer Holzhütte Tür an Tür mit Mutter Natur gewohnt. Von März bis Oktober war er gewissermaßen der Robinson Crusoe der Westküste - verschollen auf einer einsamen, embryoförmigen Nordseeinsel gut 14 Kilometer von der Meldorfer Bucht entfernt.

Vögel in der Mehrzahl

Immer mehr Fahrwasser sprudelt jetzt zwischen dem Boot und seinem früheren Inselarbeitsplatz. Für dieses Jahr hatte der Naturschutzbund (NABU) den 28-Jährigen zum Naturschutzwart gemacht. Seine Inselmission: Zug- und Brutvögel fotografieren und zählen sowie bei Kontrollgängen den Strand vor unberechtigten Besuchern schützen.

Trischen ist etwa so groß wie Helgoland, liegt in der Schutzzone des Nationalparks und darf deshalb nur von wenigen Personen betreten werden. Gefiederte Inselbewohner sind dort also deutlich in der Mehrzahl, etwa 200 seltene Vogelarten brüten und rasten auf der Vogelinsel.

Bilder im Blog angucken

Ein Vogelschwarm über dem Strand. © Nabu Foto: Tore Mayland-Quellhorst
Austernfischer, Feldlerchen, Wiesenpiper, Möwen und Kormorane hat Tore Mayland-Quellhorst auf Trischen gesichtet.

Mayland-Quellhorst hat viele von ihnen geknipst und die Bilder während seines Inselaufenthalts auf einem NABU-Blog veröffentlicht. Im Netz zeigt er der Welt Bilder von gestrandeten, neugeborenen Robbenbabys, großen Vogelschwärmen, frisch geschlüpften Sandregenpfeifern und Löffler-Küken sowie bunt gefiederten Brandgänsen. Auch seine auf sechs Holzpfählen gestützte Hütte ist zu sehen - umzingelt von Orkan "Sebastians" Sturmflut. Ein richtiges "Land unter".

"Es war sehr spannend, den Sturm hautnah mitzuerleben. Unter der Hütte stand das Wasser brusthoch, und von der Insel war nur noch ein kleiner Dünenstreifen zu sehen", erzählt er. Um solche Naturschauspiele aus der ersten Reihe zu sehen, ist der Ornithologe meist zum Sonnenaufgang aufgestanden.

Monatelang ohne fließendes Wasser

Vögel und die Abenteuerromane von "Tom Sawyer"-Autor Mark Twain faszinieren Mayland-Quellenhorst schon seit seiner Jugend. Beides zusammengenommen und eine Prise jugendliche Naivität hätten ihn dazu motiviert, auf die einsame Vogelinsel zu ziehen, sagt Mayland-Quellhorst. 208 Tage hat er dort ohne fließendes Wasser in einer Ein-Zimmer-Holzhütte auf 15 Quadratmetern, samt Kühlschrank, Gasherd und Internetanschluss gelebt. Solarpanele auf dem Dach lieferten den nötigen Strom.

Ornithologe hörte Radiostimmen

Mayland-Quellhorst's Erkenntnis der Inselzeit: "Man braucht nicht viel zum Leben: Einen warmen Platz, wo man schlafen kann - am besten auch noch trocken - und irgendetwas, wo man sich aufwärmen und Essen machen kann. Viel mehr braucht man nicht." Einsam habe er sich nie gefühlt. Mit E-Mails und Telefonaten über das recht stabile Handynetz habe er Kontakt zur Außenwelt gehalten, Radiostimmen leisteten ihm gute Gesellschaft. Einmal die Woche besuchte ihn der  Inselversorger mit einem Boot - im Gepäck Neuigkeiten vom Festland, Proviant und 20 bis 30 Liter Trinkwasser in Kanistern, genug für eine Woche.

Endlich wieder Fahrrad fahren

An Land wartet schon das nächste Abenteuer - der Geschwindigkeitsrausch. "Es mag seltsam klingen, aber ich freue mich aufs Fahrrad fahren, weil man auf Trischen immer nur zu Fuß unterwegs ist und dann ist es schön, endlich wieder den Fahrtwind im Gesicht zu haben - und nicht die Windgeschwindigkeiten vier bis fünf der Insel." Die motorisierten Verkehrsteilnehmer hat der Inselabenteurer jedoch nicht vermisst. 

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.10.2017 | 10:00 Uhr

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