Stand: 24.06.2019 20:37 Uhr

Albrecht: Weltnaturerbe muss geschützt werden

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Interview auf dem Fahrrad: Umweltminister Jan Philipp Albrecht im Gespräch mit Reporter Jörg Jacobsen.

Das Wattenmeer trägt seit zehn Jahren den Titel Weltnaturerbe. Um das Jubiläum zu feiern, gibt es eine grenzüberschreitende Fahrradtour und viele Feste an der Küste. Am Montag führte die Tour rund 28 Kilometer von St. Peter-Böhl nach Tönning. Mit dabei war Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne), der von rund 80 Schülern der Nordseeschule begleitet wurde. Im Interview mit NDR Schleswig-Holstein sagte der Minister, dass das Wattenmeer auch zehn Jahre nach der Ernennung zum Weltnaturerbe weiter geschützt werden muss.

Die Schüler, die Sie auf der Radtour begleiten, wünschen sich mehr Mülleimer entlang der Strecke an den Deichen. Außerdem wünschen sie sich, dass die Menschen weniger Plastik benutzen. Was können Sie als Minister dazu beitragen?

Jan Philipp Albrecht: Zunächst einmal ist es toll zu sehen, dass das Thema Plastik bei den jungen Leuten da ist und solche Vorschläge kommen. Ich denke, wir sollten diese Vorschläge auch immer mit aufgreifen. Wichtig ist, dass tatsächlich gemeinsam mit den Kommunen und mit den touristischen Verbänden diskutiert und gemeinsam entschieden wird. Alle wollen ein Stück weit mitreden. Es gibt immer ganz unterschiedliche Belange bei solchen Vorhaben. Wenn wir aber gemeinsam an einen Strand ziehen, sind solche Ideen auch umsetzbar.

Das Wattenmeer trägt seit zehn Jahren den Titel Weltnaturerbe. Es sieht schön aus, aber auch hier gibt es Probleme - was sind die größten Herausforderungen?

Albrecht: Es gibt immer wieder Auseinandersetzungen, weil auch hier im Nationalpark und Weltnaturerbe tagtäglich Nutzung stattfindet. Das sind Auseinandersetzungen zwischen denjenigen, die landwirtschaftliche Nutzung oder Fischerei betreiben und dem Naturschutz auf der anderen Seite. Das ist aber auch beispielsweise die sportliche Nutzung der Bereiche - gerade wenn wir hier die Salzwiesen haben, wo letztendlich auch Rastplätze für Vögel sind. Da muss man ständig im Austausch bleiben. Das ist aber, glaube ich, hier auch beispielhaft in den vergangenen Jahren geschehen.

Von der Schutzstation Wattenmeer gibt es eine Forderung auch an Sie, sich beim Bund stärker dafür einzusetzen, dass die Regelungen zu den Kitegebieten jetzt endlich in Kraft treten. Wie wollen Sie das machen?

Albrecht: Wir haben zu diesem Thema einen Dialogprozess in der Region gehabt, der auch relativ gut angenommen wurde. Mein Eindruck ist schon, dass man sich auch zusammen auf eine Regelung einigen kann. Und dass wir es auch hinbekommen, diese Regelung entsprechend abzusichern, wenn das nötig ist.

An wem hakt es denn?

Albrecht: Bei der Befahrensverordnung ist eher das Problem, dass wir da jetzt auch im Bund eine Regelung verabschieden wollen - damit wir so einen Kompromiss, wie wir ihn hier ausgearbeitet haben, auch in die Praxis umsetzen können. Und da braucht es jetzt ein Stück weit auch politischen Willen, das über die Bühne zu kriegen.

Das Interview führte Jörg Jacobsen, NDR Schleswig-Holstein

Karte: Höhepunkte der Wattenmeer-Radtour

Wattenmeer trägt seit zehn Jahren den Titel Weltnaturerbe

Am 26. Juni 2009 wurden die als Nationalparks oder Naturreservate geschützten Wattenmeerteile von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und den Niederlanden von den Vereinten Nationen als Weltnaturerbe anerkannt. Das Hamburgische Wattenmeer kam 2011 hinzu, Dänemark folgte 2014. Heute reicht das Naturerbe entlang der Nordseeküste vom niederländischen Den Helder bis zum dänischen Blavands Huk. Damit steht es auf einer Stufe beispielsweise mit dem Yellowstone Nationalpark in den USA oder der Serengeti-Savanne in Tansania.

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Welterbe Wattenmeer: Im Takt der Gezeiten

Das Wattenmeer ist ein einzigartiges Küstengebiet und seit 2009 Weltnaturerbe. Urlaubern bietet es ein besonderes Naturerlebnis, ist aber nicht immer optimal geschützt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.06.2019 | 17:00 Uhr

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