Stand: 30.08.2018 09:31 Uhr

Neuer Minister Albrecht will "einen draufsetzen"

von Anna Grusnick

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Im September wird Jan Philipp Albrecht Umweltminister.

Jetzt geht es wirklich los. Seit März ist klar, dass Jan Philipp Albrecht neuer Minister für Umwelt, Landwirtschaft und Digitales in Schleswig-Holstein werden soll, nun steht er in den Startlöchern. Nach neun Jahren als Europaabgeordneter tritt der 35-Jährige die Nachfolge von Robert Habeck (Grüne) an. Als Verhandlungsführer des EU-Parlaments zur Neuen Datenschutzgrundverordnung hat Albrecht sich einen Namen gemacht und jahrelang für Selbstbestimmung im digitalen Zeitalter gekämpft. Seit Ende Mai nun muss diese Verordnung umgesetzt werden.

Zeit für neue Aufgaben: Der Grünen-Politiker spricht mit Blick auf das Ministeramt in Schleswig-Holstein von einer Herausforderung, von einer völlig neuen Art der politischen Gestaltung. "Ich habe die Erwartung, erst einmal anzukommen hier in Schleswig-Holstein. Ich finde es unglaublich schön und eine große Aufgabe, die mir übertragen wird. Und jetzt gilt es, sich ordentlich einzuarbeiten und dann Schleswig-Holstein nach vorne zu bringen", sagt Albrecht.

Große Aufgabe, die vor ihm liegt

Er wirkt selbstbewusst, aber nicht überheblich, machtbewusst, aber nicht machtbesessen - mit seiner rechten Hand streicht er über den braunen Drei-Tage-Bart, redet ruhig und unaufgeregt. Klar skizziert er, wie er sein neues Amt ausfüllen will. Spricht davon, wie wichtig es ist, Visionen zu haben und gleichzeitig pragmatisch zu handeln. "Bei einem solchen Ministerium, das so viele Bereiche vereint, die großen Herausforderungen wie Klimawandel und Dürreschäden, aber eben auch den Naturschutz und die Digitalisierung verbindet, kann man nicht sagen, eins ist der Schwerpunkt. Sondern es ist eine Querschnittsaufgabe, diese Themen zusammenzubringen."

"Ich setze noch einen drauf"

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Der Grünen-Politiker Jan Philipp Albrecht folgt auf seinen Parteifreund Robert Habeck.

Immer wieder wird Albrecht in diesen Tagen auf Habeck, seinen Amtsvorgänger und Bundesvorsitzenden der Grünen, angesprochen. Den Vergleich scheut er nicht - vielmehr stellt er fest: "Große Fußspuren sind es, die ich jetzt betrete, aber ich habe auch nicht mehr ganz so kleine Füße. Ich werde nicht alles gleich machen, aber werde sicherlich auch hier und da die Art, wie Robert Habeck Politik gemacht hat, weiterführen. Ich setze noch einen drauf."

Jan Philipp Albrecht hat seinen eigenen Stil - seine gestreiften Ringelshirts unter dem blauen Sakko trägt er, weil er das eben einfach schön findet, wie er sagt. Nur ab und zu müssen es dann auch mal Anzug, Hemd und Krawatte sein.

Europäische Kontakte nutzen

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Albrecht war jahrelang Europa-Abgeordneter.

Albrecht, der deutsch-französische Wurzeln hat, ist begeistert, wenn er von Europa spricht. Der 35-Jährige wird nicht müde zu unterstreichen, was für wichtige Arbeit die EU-Politiker leisten: Das seien keine Versorgungsposten für die Parteien, sondern in Brüssel und Straßburg würden Entscheidungen getroffen, die das Leben der Menschen direkt betreffen. Albrecht will seine europäischen Kontakte auch in seinem neuen Amt nutzen. Viele der Themen seien EU-Themen. Es gehe darum, auch auf europäischer Ebene gehört zu werden, gerade wenn es um die Form der Agrarpolitik gehe und die Mittel, die gezahlt werden.

In Schleswig-Holstein wird der Grünen-Politiker gemeinsam in der Jamaika-Koalition mit den Bündnispartnern CDU und FDP arbeiten. Er freue sich drauf, betont er. Albrecht hat im vergangenen Jahr selbst an den Vorarbeiten zum Koalitionsvertrag mitgewirkt und nennt den Vertrag einen der besten Koalitionsverträge, die er bisher gelesen habe. Da sei noch viel rauszuholen.

"Politiker sollen Menschen bleiben"

Jan Philipp Albrecht ist es gewohnt, viel unterwegs zu sein. In den vergangenen Jahren pendelte er zwischen Brüssel, Straßburg und Norddeutschland - schon jetzt ist sein Terminkalender prall gefüllt – gleichzeitig weiß er, wie wichtig es ist, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Seine Frau lernte Jan Philipp Albrecht in der grünen Jugend kennen, geheiratet wurde 2012. Inzwischen sind sie Eltern eines dreijährigen Sohnes. Albrecht weiß, dass viel Arbeit in seinem neuen Ministeramt steckt. "Privatleben ist dabei begrenzt. Man muss es sich ein Stück weit erkämpfen in der Politik. Das ist auch wichtig, denn ich finde, die Politiker sollen auch Menschen bleiben. Das erwarten die Menschen auch, denn sonst sind es auch schlechte Politiker."

Freizeit: Ins Stadion oder auf den Spielplatz

Wenn dann aber noch etwas freie Zeit bleibt, dann geht der bekennende St.-Pauli-Fan ins Stadion oder eine Runde joggen. Auch ein gutes Buch oder ein Spaziergang, so sagt er, gehören dazu. Und ansonsten findet man ihn auch auf dem Spielplatz mit seinem Sohn. Jetzt aber will er sich einarbeiten in die aktuellen Herausforderungen: denn, davon würden genügend auf dem Tisch liegen.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.08.2018 | 17:00 Uhr

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