Stand: 10.01.2020 16:22 Uhr

Albrecht: Marine-Sprengungen waren "fahrlässig"

Der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Die Grünen) bei einer Rede im Landtag. © dpa picture alliance Foto: Carsten Rehder
Umweltminister Albrecht kritisiert das Vorgehen der Marine als "fahrlässig und verantwortungslos".

Im vergangenen August sprengte die Marine 42 Kriegsminen im Fehmarnbelt. Daraufhin wurden 30 tote Schweinswale gefunden. Ob die Tiere tatsächlich wegen der Sprengungen ums Leben kamen, ist bisher nicht geklärt. Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages zeigt nun: die Sprengungen der Marine waren rechtswidrig. Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt vor, dass die Naturschutzbehörden in derartigen Fällen informiert werden müssen - was nicht geschah. "Dass dies offenbar unterblieben ist, ist fahrlässig und verantwortungslos", sagte Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Freitag.

Albrecht: Bundeswehr muss Sprengungen abstimmen

Die Bundeswehr müsse in Zukunft bei derartigen Sprengungen in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden gewährleisten, dass die Tier- und Pflanzenwelt bestmöglich und unter Beachtung aller rechtlichen Vorgaben geschützt wird, so Albrecht. Vorhandene Alternativen zur Sprengung müssten in Anspruch genommen werden. Er erwarte vom Bund darüber hinaus, unverzüglich die Untersuchungsergebnisse zu den toten Schweinswalen vorzulegen, um die näheren Umstände ihres Todes aufzuklären.

Sprengungen in einem Naturschutzgebiet

Das Verenden der Schweinswale ist nach Auffassung des Bundesumweltministeriums aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Sprengen der alten Seekriegsminen zurückzuführen. Dies hatte ein Sprecher im November erklärt. Er verwies auf Gespräche zwischen der Tierärztlichen Hochschule Hannover, wo die toten Tiere derzeit untersucht werden, und dem Bundesamt für Naturschutz. 39 der Sprengungen hätten in einem Naturschutzgebiet stattgefunden.

NABU behält sich Gang vors Gericht vor

Der NABU sieht die Bundesregierung jetzt in der Pflicht, "lückenlos aufzuklären, den Rechtsbruch zu ahnden und derartige Alleingänge des Verteidigungsministeriums für die Zukunft zu verhindern", hieß es in einer Stellungnahme am Freitag. Unklar ist laut Sprecher Kim Detloff noch, ob der NABU vor Gericht zieht.

"Wir hoffen eigentlich, dass es zu einer Klärung zwischen den beteiligten Ministerien kommt, dass das Bundesministerium für Umwelt mit dem Verteidigungsministerium den Fall aufarbeitet und vor allem ähnliche Fälle für die Zukunft abstellt", sagte Detloff.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.01.2020 | 12:00 Uhr

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