Stand: 06.02.2020 19:19 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Albrecht will faire Preise und mehr Tierwohl

Verschärfte Düngeregeln, Tierwohl und Subventionen - alles wichtige Themen auf dem Landwirtschaftstag in Neumünster. Das Top-Thema am Donnerstag sind jedoch die extremen Billigangebote für Lebensmittel gewesen. Zielscheibe der Kritik waren immer wieder die Supermärkte und ihre Preispolitik. Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sagte NDR Schleswig-Holstein, er wolle mit dem Handel darüber sprechen, wie die Landwirte für ihre Produkte wieder mehr Geld bekommen könnten. Er richtete einen Appell nach Berlin: "Die Bundesregierung muss dem Einzelhandel konkrete Maßnahmen abringen. Gute Lebensmittel und nachhaltige Landwirtschaft haben ihren Preis."

Bauernverband will positive Werbung für Produktqualität

Albrecht hält es mittlerweile auch für sinnvoll, dass Werbung für Dumpingpreise von Lebensmitteln verboten werden sollte. Das würde der Handel nur dafür nutzen, um die Kunden in die Supermärkte und Discounter zu locken, so der Grünen-Politiker. Für den Bauernverband sind aber nicht die Sonderangebote das Problem. Man müsse vielmehr für die hohe Qualität von Fleisch, Milch und Gemüse werben, die die Landwirte in Schleswig-Holstein herstellen, hieß es. Und das habe seinen Preis - den die Landwirte dafür aber aktuell nicht bekommen.

Landwirte: Höhere Tierhaltungsstandards nicht bezahlbar

Albrecht will sich auch verstärkt für eine artgerechte Haltung von Nutztieren wie Schweine einsetzen. Dafür werbe er auch im Bund. "Weil diese Maßnahme aber wie alle anderen Tierwohlmaßnahmen auch mit Kosten für die Nutztierhalter verbunden sein werden, brauchen wir dringend eine belastbare Gegenfinanzierung über ein Umlagesystem", führte Albrecht aus. Klaus-Peter Lucht, Präsident des Landesbauernverbandes, beklagte, dass die Umsetzung höherer Standards die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Bauern übersteige. Dadurch wären sie in der Europäischen Union nicht mehr wettbewerbsfähig, auch weil der Verbraucher die Standards für die Tierhaltung fordere, sie aber freiwillig nicht bezahlen wolle.

Albrecht will Tierwohl-Cent

Aus Sicht der Landwirte wäre ein System analog zur Initiative Tierwohl wünschenswert. "Ob das Steuer finanziert ist oder Umlage finanziert, muss man noch erörtern", sagte Lucht. Albrecht erinnerte an die Idee eines Tierwohl-Cents: "Diese Lösung wäre effizient, praktikabel und für den Verbraucher sicher akzeptabel, weil der Aufpreis an der Kasse eher marginal ist, das Geld aber gezielt in Tierschutzmaßnahmen fließen kann." Die Umweltorganisation Greenpeace hatte Mitte Januar eine Tierwohl-Abgabe von bis zu 50 Cent pro Kilogramm Fleisch vorgeschlagen und von 1,5 Cent je Liter Milch.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.02.2020 | 16:00 Uhr

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