Stand: 13.01.2019 21:57 Uhr

Albrecht: Datensicherheit steckt noch in den Kinderschuhen

Ein jugendlicher Hacker hat zu Beginn des Jahres private Daten von Hunderten deutschen Politikern, Journalisten und Künstlern über einen Twitter-Account veröffentlicht. Auch schleswig-holsteinische Politiker waren betroffen, darunter der Minister für Digitales, Jan Philipp Albrecht (Grüne). Nicht nur deshalb sagt er jetzt, dass Standards fürs Netz genauer definiert und festgelegt werden müssen. "Wir brauchen gesetzgeberische Grundlagen dafür, welche Standards für welche Anwendungen nötig sind. Und auch die Verpflichtung, dass sie auch so angewendet werden. In dieser Diskussion sind wir noch in den Kinderschuhen", sagt Albrecht am Sonntagabend in der Zur Sache Sendung bei NDR 1 Welle Nord. Dabei gehe es unter anderem um die Haftung bei Dienstleistern und Anbietern, wenn gewisse Lücken vorhanden sind oder Standards nicht erfüllt werden.

Datenschützerin Hansen: Regierung müsse mehr tun

Marit Hansen, Landesdatenschutzbeauftragte in Schleswig-Holstein, sieht auch ein Problem in der Gewichtung dieser Sicherheitsstandards. Denn noch immer stehe Funktionalität über Sicherheit, meint Hansen. So werde bei Produkteinführungen beispielsweise die Sicherheit bereits mitgedacht, aber bewusst ein niedrigerer Sicherheitsstandard gewählt, weil es entweder die Handhabung erleichtert oder weil Hintertüren genutzt werden.

Hansen nimmt deswegen den Staat in die Pflicht. Nach ihrer Meinung werde von Seiten der Politik noch zu wenig unternommen. Zwar werde in Regierungsnetzen viel getan, deswegen waren diese nicht vom Datenklau betroffen. In der Bildung sieht die Datenschützerin jedoch noch viel Nachholbedarf: "Die Bildung ist kein verlässliches Fundament. Es ist nicht so, dass man in der Schule mehr als die Anwendung der Technik lernt. Auch das Informatikstudium ohne Sicherheit und Datenschutzdebatten kann ich mir nicht vorstellen", sagt Hansen in der Sendung.

Nis Wechselberg, Marit Hansen und Jan Philipp Albrecht stehen im Hörfunkstudio. © NDR Foto: Sabrina Santoro

Zur Sache: Stopp dem Datenklau

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

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Für Aufklärung fehlen Kapazitäten

Auch für Nis Wechselberg vom Computer Club Top Point gibt es im Bereich Aufklärung und Bildung noch einiges zu tun. Zwar werde an Schulen schon viel versucht und die technische Ausstattung sei bereits vorangeschritten, doch mangele es häufig an den zeitlichen und personellen Kapazitäten, um den Schülern beizubringen, wie die Medien genutzt werden. "Auch außerhalb der Schulen passiert leider noch nicht genug, um die Bevölkerung wirklich sinnvoll ins digitale Zeitalter zu führen", meint Wechselberg. Die Politik könne aktiver die Digitalisierung fördern, sagt der IT-Experte.

Auch Verbraucher stehen in der Pflicht

Die EU-Datenschutzgrundverordnung sei politisch ein erster Schritt in die richtige Richtung für mehr Netzsicherheit, so Albrecht. "Da sind einige Ansätze schon drin, die müssen jetzt nur tatsächlich durchgesetzt werden gegenüber den Unternehmen. Da werden aber noch einige Aufgaben auf uns zukommen", erklärt der Minister.

Nach jahrelangem Ringen um zeitgemäße EU-Datenschutzregeln wurde Ende Mai 2016 die neue Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO, von den EU-Staaten und dem Europaparlament in Kraft gesetzt. Sie bringt für Unternehmen, Behörden und Vereine viele neue Pflichten. Verbraucher erhalten neue Rechte und mehr Kontrolle über die eigenen Daten.

Für Albrecht müssten gerade Hersteller und Dienstleister mehr in die Verantwortung in puncto Datensicherheit genommen werden. "Wir müssen da nachbessern. Da hat die Bundesregierung in den letzten Jahren geschlafen. Mindeststandards sind notwendig", betont der Minister. Doch das reiche nicht allein. Auch die Verbraucher sind laut Albrecht in der Pflicht. "Unsere Daten sind immer nur so stark geschützt, wie wir es selbst auch zulassen. Dazu sind die einzelnen Verbraucher, die Dienste und die Politik aufgerufen.“

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