Ärger um illegal entsorgten Müll in SH

Stand: 08.07.2021 05:00 Uhr

Betroffen von illegalen Müllabladungen sind insbesondere die Kreise Pinneberg, Segeberg und Stormarn. Vor allem in der Nähe von Recyclinghöfen ist das ein Problem.

Regenrohre, Dachpappe, Terrassenüberdachungen oder Asbestplatten: Nicht selten landet dieser Müll, der eigentlich auf den Recyclinghof gehört, in der Natur. So auch in Trittau (Kreis Stormarn). Der Recyclinghof hier ist umgeben von vielen Feldern. Fast alle Landwirte dort haben immer wieder das Problem mit dem illegal entsorgten Abfall, so der Kreisbauernverband. Einer der Landwirte ist Michael Scharnberg. Vergangene Woche erst landete eine Ladung auf seinem Feld.

Seit Jahren Müll auf den Feldern

Scharnberg beobachtet, dass vor allem zugewachsene Stellen bevorzugt werden, da nicht gut einsehbar sind. "Wir haben hier schon einen halben Haushalt gefunden. Spiegel, alte Kommoden und Müllsäcke - immer wieder. Volle Ölkanister!", sagt der Landwirt fassungslos. "Das ist einfach nur fragwürdig, wie man so etwas machen kann." Schon seit Jahren findet er immer wieder Abfall auf seinen Feldern.

Zusätzliche Kosten durch illegal entsorgten Müll

In Stormarn nimmt das Problem mit dem wilden Müll nach Angaben des Kreises stetig zu. Eine ähnliche Entwicklung sehen auch die Kreise Segeberg und Pinneberg. Und auch der Recyclinghof in Trittau bestätigt diese Beobachtung: Einige würden voll beladen wieder umdrehen, weil sie nicht warten wollen oder es ihnen zu teuer sei.

Olaf Stötefalke von der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) vermutet, dass viele Menschen nicht bereit sind, Geld zu bezahlen, wenn sie etwas loswerden wollen. "Wenn man ein Produkt kauft, ist es unzweifelhaft, dass man da etwas zahlt. Aber für die Entsorgung eines gebrauchten Gegenstandes, da fällt es offenbar schwerer, einen Preis zu bezahlen", sagt Stötefalke." Aber es fallen schlicht und ergreifend Kosten an, die wir auch so gerecht wie möglich verteilen müssen", gibt er zu bedenken. Der illegal entsorgte Müll bedeutet wiederum mehr Arbeit und zusätzliche Kosten für die Kreise und die betroffenen Landwirte - und letztlich auch für alle anderen Bürger.

Bußgelder von bis zu 100.000 Euro schrecken kaum ab

Im Fall des Mülls bei Bauer Scharnberg wird er sich vermutlich selbst um die Entsorgung kümmern müssen. "Wenn es an den öffentlichen Wegen liegt, dann kann man dem Ordnungsamt natürlich Bescheid sagen", sagt er, "aber hier ist es wieder so, dass es eine Zufahrt für ein Feld ist. Da ist fragwürdig, ob das Ordnungsamt was macht." Im Zweifel bleibt der Landwirt selbst auf den Kosten sitzen.

Das Problem mit wilden Müllkippen gibt es seit Jahren, vor allem im Süden des Landes. Dabei kann es sehr teuer werden: Wer bei der illegalen Müllentsorgung erwischt wird, muss übrigens mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro rechnen. Viele scheint das trotzdem nicht abzuschrecken.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 08.07.2021 | 07:00 Uhr

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