Abschied von Petze-Gründerin Ursula Schele

Stand: 01.02.2021 17:06 Uhr

Die Geschäftsführerin des Präventionsbüros PETZE, Ursula Schele, verabschiedet sich nach 40 Jahren in den Ruhestand. Neue Leiterin des Instituts in Kiel wird Heike Holz.

Seitdem sie 22 Jahre alt ist, kämpft Ursula Schele für Frauen- und Kinderrechte. Sie ging Anfang der 1970er-Jahre gegen das Abtreibungsverbot auf die Straße. 1979 war sie eine Mitgründerin des ersten Frauennotrufs in Kiel und saß zehn Jahre selbst ehrenamtlich am Telefon. Damals war Vergewaltigung in der Ehe noch keine Straftat. Die Themen Gewalt gegen Frauen und Frauenrechte beschäftigen sie vor allem in ihren ersten Jahren als Aktivistin. Ihr ging es immer um den Kampf gegen Ungerechtigkeit. "Das hat sich im Lauf meines Lebens dann immer mal gewandelt, was das Hauptthema war", erzählt sie.

Nachfolgerin zieht den Hut vor Schele

Später kämpft sie gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern. Holt mit dem Präventionsbüro Petze das Thema in die Öffentlichkeit. "Wir kommen endlich deutlich voran, weil das Thema in den Strukturen angekommen ist. Auch weil wir eine neue Generation von Politikern haben, die das Thema viel selbstverständlicher annehmen und sich nicht davor scheuen", sagt sie.

Es ist kein Petzen, wenn Kinder schlechte Geheimnisse weitergeben. Das will Ursula Schele über Ausstellungen zum Mitfühlen deutlich machen. Daher auch der Name Petze. Nach 30 Jahren als Geschäftsführerin muss sie jetzt virtuell Abschied nehmen. Ihre Nachfolgerin im Büro ist Heike Holz, Juristin, Kriminologin und auch ein bisschen Fan von Schele. "Sie macht klar: Betroffene von sexualisierter Gewalt sind nicht Schuld an dem, was ihnen passiert ist. Das ist eine große Leistung von ihr", erklärt Holz.

Weiteres Engagement im Ruhstand

Frauen sind selbstbestimmter, Kinder haben heute mehr Rechte. In vier Jahrzehnten hat Ursula Schele viel erreicht, zweimal das Bundesverdienstkreuz bekommen. Doch für sie ist längst nicht Schluss. "Für viele Themen brauchen wir eine Generation, um wirklich etwas zu verändern und mein privater persönlicher Wunsch wäre: Ich habe noch einmal eine Generation Zeit, also 30 Jahre Zeit", erzählt sie. Mittlerweile ist sie Oma geworden. "Dann ist die Motivation eine viel, viel größere - zu sagen, das kann nicht angehen, dass Kindern allgemein oder diesem Kind speziell etwas angetan wird." Auch im Ruhestand will sie sich weiter stark machen für Kinder und Frauen.

Weitere Informationen
Maja Herzbach sitzt lächelnd an einem Tisch. © NDR Foto: Janis Röhlig
38 Min

Ursula Schele schützt Kinder mit PETZE

Ursula Schele vom Verein "PETZE" gibt Maja konkrete Tipps, wie man seine Kinder vor sexuellem Missbrauch schützen kann. 38 Min

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 01.02.2021 | 19:30 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Gäste sitzen in einem Café am Timmendorfer Strand auf der Außenterrasse.  Foto: Christian Charisius

Draußen im Café sitzen: Ein Stück Normalität in SH zurückgekehrt

Seit Montag dürfen Terrassen von Restaurants wieder öffnen. Viele Gäste freuen sich riesig, Gastronomen aber nur bedingt. mehr

Videos