Stand: 20.05.2016 14:44 Uhr

Abrisspläne: 2036 ist das AKW Krümmel weg

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Das AKW Krümmel hat laut dem Betreiber eine Masse von 541.000 Tonnen.

Am Ende soll vom Atomkraftwerk Krümmel nichts mehr zu sehen sein: Nach dem der Energiekonzern Vattenfall beim Kieler Umweltministerium den Abriss seiner Anlage in Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) beantragt hatte und hat das Unternehmen am Freitag wichtige Unterlagen für das Genehmigungsverfahren eingereicht. Das Kraftwerk ging 1984 ans Netz und verlor nach dem Atomunfall in Fukushima 2011 seine Zulassung. Wenn alles nach Plan läuft, könnte 2036 ein Grundstück mit Elbblick in Geesthacht frei sein.

Habeck lobt Vattenfall

"Wir bauen die Atomkraftwerke zurück und beenden damit ein elendes Kapitel dieser Risikotechnologie", sagte Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne). "Der Rückbau ist ohne Frage ein Mammutprojekt, aber der Atomausstieg wird in absehbarer Zeit sichtbar werden - dann auch in Krümmel." Habeck lobte Vattenfall dafür, dass der Betreiber sich für einen Abriss entschieden hat - und nicht für einen nach dem Atomgesetz möglichen sogenannten sicheren Einschluss.

990 bestrahlte Brennelemente kommen ins Zwischenlager

Doch bis das Gelände des AKW Krümmel wieder eine grüne Wiese ist, sind noch viele Schritte zu gehen: Im Juni klären Behörden, Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen, wie umfangreich die Umweltuntersuchungen vor dem Abriss sein müssen. Im kommenden Jahr sollen Einwände gegen den Abriss erörtert werden. "Nicht vor Ende 2018" könnte es laut Umweltministerium die Genehmigung geben. 10 bis 15 Jahre dauert es von dort an laut Vattenfall, alle radioaktiven Stoffe aus dem AKW umzulagern oder zu entsorgen. Bevor das Kraftwerk abgerissen werden kann, müssen alle 1.002 Brennelemente entfernt sein, die sich noch dort befinden. Die 990 bestrahlten Brennelemente sollen im Zwischenlager in Krümmel deponiert werden. Die zwölf unbestrahlten Brennelemente sind für Kraftwerke vorgesehen, die noch am Netz sind. Erst dann rücken die Abrissbagger an - und benötigen noch mal etwa drei Jahre, um die Gebäude verschwinden zu lassen.

Rückbau soll bis zu 900 Millionen Euro kosten

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Stellten die Rückbaupläne für Krümmel vor: Pieter Wasmuth (Vattenfall) und Umweltminister Robert Habeck

Die erwarteten Rückbaukosten schätzt Vattenfall-Generalbevollmächtigter Pieter Wasmuth auf 750 bis 900 Millionen Euro. So seien auch die Rückstellungen gebildet. "Für uns geht Sicherheit vor Schnelligkeit", betonte Wasmuth. Das gelte für das Personal, die Anwohner und die Umwelt. Vattenfall zufolge hat das Kraftwerk, das schon seit Jahren keinen Strom mehr liefert, eine Gesamtmasse von 541.000 Tonnen. Gut 97 Prozent könnten wiederverwertet werden, gab das Ministerium an. 1,5 Prozent der Kraftwerksmasse sollen als schwach- oder mittelradioaktive Abfälle zunächst zwischengelagert werden, bis ein bundesweites Endlager zur Verfügung steht.

Etwa ein Prozent nicht belastetes Material, also rund 5.000 Tonnen, soll nach Freigabe auf anderen Deponien entsorgt werden - möglichst standortnah, wie Wasmuth sagte. Beim Rückbau werden Habeck zufolge alle Materialien ein strenges Messverfahren durchlaufen, das die Atomaufsicht und Sachverständige überwachen. Damit werde sichergestellt, dass alles, was das Kraftwerk verlässt, die Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung einhält.

Wo bleiben die schwachradioaktiven Abfälle?

Habeck kritisierte aber auch, dass Vattenfall noch keine klaren Aussagen zur Lagerung der schwach- und mittelradioaktiven Abfälle gemacht habe. Der Betreiber nannte drei Varianten: im vorhandenen Zwischenlager, in unmittelbarer Nähe oder an einem anderen Standort. "Das wäre die schlechteste Lösung", sagte Habeck zur letzten Variante. Dies habe er wohl verstanden, entgegnete Wasmuth.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.05.2016 | 14:44 Uhr

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