Zwei Bauarbeiter tragen Steine einer Hauswand ab. © NDR Foto: Hauke Bülow

Abriss per Hand - Lübecker Figurentheater wird saniert

Stand: 24.01.2021 07:00 Uhr

Das Lübecker Figurentheater und das Theaterfiguren-Museum in der Altstadt waren bisher Nachbarn. Jetzt wollen die Einrichtungen verschmelzen. Die Umbauarbeiten sind kompliziert.

von Hauke Bülow

Nur noch ein Eingang für das Theater und das Museum, das ist das Ziel. Der Umbau in der historischen Altstadt neben der Petri-Kirche erfordert allerdings viel Geschick und Vorsicht. Zur Zeit wird ein Gebäude aus dem gesamten Komplex komplett zurückgebaut. Allerdings ohne Abrissbirne, sondern per Hand. Viel zu gefährlich wäre ein Rückbau mit schwerem Gerät - und technisch kaum möglich.

Erschütterungen vermeiden um jeden Preis

Ifron Memedi liebt große Maschinen. Bürogebäude abreißen mit schwerem Gerät, das ist sein Ding. Auf der Baustelle in der extrem engen Straße "Kolk" in Lübeck allerdings muss der Polier mit seinem Team äußerst vorsichtig vorgehen. Er steht auf dem ehemaligen Dachboden des Bürogebäudes. Das Dach haben die Arbeiter schon vergangene Woche heruntergenommen. Nun geht es darum, Stockwerk für Stockwerk abzutragen.

"Wir dürfen nicht richtig stemmen. Nur mit kleinen Hämmern, damit es keine Erschütterungen gibt und die Nachbarhäuser geschützt werden", erklärt der Baustellenleiter. Im Hintergrund klopfen seine Kollegen Backstein für Backstein ab und werfen sie in eine Schuttmulde.

Der Behälter wird per Kran an Ort und Stelle gehievt. "Ohne Kran würde das alles nicht funktionieren", sagt Memedi. Zwei Erschütterungssensoren in den Nachbarhäusern schlagen Alarm, sollte es auf der Baustelle doch einmal zu ruppig zugehen. Einmal ist das bisher passiert. Ein Balken war heruntergestürzt.

Denkmalschutz trifft abenteuerliche Bauweise

Das Abrisshaus "Kolk 18" steht mitten zwischen denkmalgeschützten, Jahrhunderte alten Gebäuden. "Kolk 18" selbst ist nicht denkmalgeschützt. Das Haus wurde 1937 gebaut aus unterschiedlichsten Materialien und hat laut Bauforschern kaum einen historischen Wert.

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Trotzdem ist Ifron Memedi immer wieder überrascht über die Bauweise: "Heutzutage erlebt man nicht mehr solche Mauern, früher haben die sich richtig Mühe gegeben." In fünf Wochen wird von all der Mühe nichts mehr zu sehen sein. Dann soll das Gebäude komplett zurückgebaut sein und genügend Platz bieten für den Neubau.

Konzept mit Museum und Theater unter einem Dach

Der Umbau des gesamten Gebäudekomplexes in der Lübecker Altstadt soll Ende 2023 abgeschlossen sein. Die Kosten werden voraussichtlich im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen, getragen von der Possehl-Stiftung. Ein Haus-in-Haus-Konzept ist geplant, bei der die historische Fassade bleibt, im Inneren der Gebäude allerdings alles verändert wird.

Die Lübecker Architekten Konermann und Siegmund hatten die Idee dazu und sich in einem Wettbewerb durchgesetzt. Herzstück soll ein neues, sechs Meter hohes Forum werden mit großen Fenstern zur kleinen Straße. Aktuell laufen bereits die Planungen für die Ausstellungsräume.

Theaterfiguren-Museum soll digitaler werden

Geschäftsführerin Antonia Napp plant, das Theaterfiguren-Museum anders zu inszenieren als bisher. Unter anderem will sie das Museum "digital stärker aufstellen", um den neuen "Museumsstandard" zu erreichen. Die Sammlung der historischen Figuren aus aller Welt wird aber weiter eine zentrale Rolle spielen.

Und auch auf der Bühne wird sich einiges ändern. Der künstlerische Leiter des Figurentheaters plant für die Premiere eine Shakespeare-Inszenierung, multimedial versteht sich. Und er hofft: vor allem frei von Corona-Maßnahmen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 13.01.2021 | 19:05 Uhr

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