Stand: 30.07.2019 08:00 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Abbiegeassistenten: Verkehrsbetriebe in SH rüsten auf

Ein mehrere Tonnen schwerer Lkw oder Bus will abbiegen, der Fahrer übersieht aber einen Radfahrer oder Fußgänger im sogenannten toten Winkel. Um solche folgenschweren Unfälle zu vermeiden, werden Abbiegeassistenten ab 2022 in der gesamten EU zur Pflicht. Die Verkehrsbetriebe in Schleswig-Holstein werden zum Teil schon jetzt aktiv und rüsten ihre Linienbusse mit der neuen Technik aus.

Neumünster und Lübeck sind Vorreiter

Den Anfang machten vor wenigen Wochen die Stadtwerke Neumünster (SWN) als Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs in der Stadt und die Lübeck-Travemünder Verkehrsgesellschaft. In Neumünster sind die zwei neusten Busse mit Abbiegeassistent ausgerüstet. "Insbesondere im Stadtverkehr kann es schnell zu unübersichtlichen Situationen kommen", erklärt Matthias Schmidt von der SWN Verkehr GmbH. Bis zum kommenden Jahr sollen 21 weitere Busse nachgerüstet werden.

Bei der Lübeck-Travemünder Verkehrsgesellschaft sind bereits 16 Fahrzeuge mit der technischen Unterstützung unterwegs. "Wir erneuern unsere Flotte sukzessive. Bei jeder Neubeschaffung wird jetzt auch der Abbiegeassistent dabei sein", sagt Sprecherin Gerlinde Zielke. Über eine Nachrüstung von vorhandenen Fahrzeugen werde noch verhandelt.

Andere Verkehrsunternehmen wollen nachziehen

So weit ist die Kieler Verkehrsgesellschaft noch nicht. Dort gibt es aktuell keinen Bus mit Abbiegeassistenz, doch das wird sich nach eigenen Angaben schon bald ändern. Die Systeme sollen demnach künftig bei allen neuen Fahrzeugen gleich mit eingeplant werden. Auch die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein haben das Thema bereits auf der Agenda, aber noch keinen Bus mit der Technik auf der Straße. "Noch in diesem Jahr bekommen wir allerdings 16 E-Busse, bei denen der Abbiegeassistent mit eingebaut ist", so Sprecherin Anja Giercke. "Die werden dann auch im laufenden Straßenverkehr getestet."

Abbiegeassistenten kosten vierstelligen Betrag

Je nach Modell funktioniert ein Abbiegeassistent in etwa so: Am Bus ist ein kleiner schwarzer Kasten angebracht, der die Umgebung mit Infrarotlicht überwacht. Hält sich jemand im toten Winkel auf, bekommt der Fahrer eine Warnung auf dem Armaturenbrett. Andere Systeme arbeiten mit kleinen Kameras, die das direkte Umfeld beobachten. Die Verkehrsunternehmen müssen für die Technik inklusive des Einbaus durchschnittlich etwa ein- bis dreitausend Euro locker machen.

ADFC: Fahrer müssen aufmerksam bleiben

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Schleswig-Holstein begrüßt den Trend zu den Abbiegeassistenten. "Wir stehen allem, was für mehr Sicherheit sorgt, positiv gegenüber", sagt der Vorsitzende Thomas Möller. Er appelliert aber gleichzeitig an die Busfahrer, trotzdem mit höchster Aufmerksamkeit zu fahren und sich nicht nur auf die Technik zu verlassen. Der Verkehrsclub Deutschland Nord spricht sich außerdem für eine Pflicht von Zusatzspiegeln aus, um den toten Winkel zu verkleinern.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.07.2019 | 08:00 Uhr

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