Stand: 21.12.2018 16:00 Uhr

AKW Brunsbüttel: So funktioniert der Rückbau

Von Nikolai Hotsch

Es ist das älteste der drei Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein und soll nun als erstes verschwinden: Nach einem jahrelangen Genehmigungsverfahren kann Betreiber Vattenfall den Rückbau seines Kernkraftwerks in Brunsbüttel starten. Die Dimensionen dieses Projekts lassen sich beim Blick auf die wichtigsten Kennzahlen erahnen: Allein 15 Jahre soll es dauern, bis der Reaktor und alle anderen technischen Anlagen entfernt sind. Erst danach folgt der eigentliche Abriss des Gebäudes. Die 270.000 Tonnen Beton, aus denen der Meiler besteht, verschwinden also frühestens ab dem Jahr 2034. Bis dahin entfernen die rund 200 Mitarbeiter des Kraftwerks zusammen mit Fachleuten externer Firmen alle Einbauten aus der Kraftwerkshülle. "Die größte Herausforderung ist der Umfang. Es sind die großen Massen, die wir bewegen müssen", sagt Kraftwerks-Chef Markus Willicks, der das Megaprojekt für den Betreiber Vattenfall leitet.

Mit den "Innereien" des Reaktors geht es los

Der Reaktor an der Elbmündung im Kreis Dithmarschen ist infolge von Pannen bereits seit gut elf Jahren vom Netz. Nach der Fukushima-Katastrophe von 2011 wurde seine dauerhafte Stilllegung beschlossen. Der Reaktordruckbehälter (RDB) ist das zentrale Bauteil des Kraftwerks. In dem fast 21 Meter hohen und mehr als 500 Tonnen schweren Metallzylinder haben die heißen Brennelemente während des Leistungsbetriebs aus Wasser Dampf gemacht. Die letzten Brennstäbe hatten Mitarbeiter des Atomkraftwerks bereits im Februar 2018 in Castoren verpackt und in eine Forschungsanlage in Schweden gebracht. Seitdem ist das Kernkraftwerk "brennstofffrei".

Trotzdem ist der RDB nicht leer. Fachleute bauen verschiedene Teile des Behälters Anfang kommenden Jahres aus. Die Nähe zu den Brennelementen hat das Metall "aktiviert" - es ist radioaktiv und strahlt. Deshalb arbeiten die Techniker mit ferngesteuerten Unterwasser-Robotern und zerlegen die "Innereien" des Reaktors im Becken des Flutraums des Kraftwerks. Allein dieser aufwendige Prozess dauert voraussichtlich zwei Jahre.

Der Weg jedes Stücks Metall ist geplant

Wenn die strahlenden Materialien demontiert sind, bleiben sie für die Zerlegung im Kraftwerk. Im Maschinenhaus, dort wo sich früher die Dampfturbine gedreht und so Strom erzeugt hat, entsteht mit unterschiedlichen Reiningungs- und Zerlegestationen eine kleine Fabrik innerhalb des Kraftwerks. In speziellen Nassstrahlkabinen können Arbeiter die radioaktiven Teile reinigen, an tonnenschweren Bandsägen werden große Elemente zerkleinert. Jedes Teil muss in die sogenannte Freimessanlage passen. Das Gerät sieht in etwa so aus wie ein Röntgen-Scanner für Gepäck am Flughafen. Mit dieser Anlage überprüfen Strahlenschutzfachleute, ob ausreichend Radioaktivität "abgewaschen" wurde. Ist das der Fall, können die Teile wie ganz normaler Schrott recycelt werden - strahlen Teile zu stark, kommen sie für eine zweite Reinigung erneut in das Maschinenhaus.

Der Platz im Endlager ist begrenzt

Kraftwerksbetreiber Vattenfall schätzt, dass von den 300.000 Tonnen Gesamtmasse zwei Prozent, also immer noch 6.000 Tonnen, so stark verstrahlt sind, dass sie nach der Zwischenlagerung auf dem Kraftwerksgelände im Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle Schacht Konrad deponiert werden müssen. In dem Lager, das voraussichtlich ab dem Jahr 2027 Abfälle annehmen kann, ist der Platz begrenzt. Deshalb bekommt jedes stillgelegte Kraftwerk ein begrenztes Platzkontingent zugewiesen. Das Kraftwerk Brunsbüttel darf weniger als 10.000 Tonnen einlagern. Stimmen die bisherigen Berechnungen von Vattenfall, reicht der Platz aus - falls nicht, bekommt das Unternehmen ein Platz-Problem. "Am Ende geht es für uns auch darum, möglichst wenig radioaktiven Abfall übrig zu behalten", sagt Kraftwerks-Chef Willicks. "Aber wir haben ein gutes Team hier, mit dem wir auch während des Leistungsbetriebs große Projekte gestemmt haben. Wir werden auch den Rückbau erfolgreich abschließen, davon bin ich überzeugt."

Rückbau des AKW Brunsbüttel in Schritten

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 21.12.2018 | 19:30 Uhr

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