Stand: 20.02.2017 16:52 Uhr

AKW Brokdorf: Ablagerungen auf Brennstäben

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Umweltminister Robert Habeck (v.): "So kann das Kernkraftwerk nicht wieder anfahren."

Im Atomkraftwerk Brokdorf (Kreis Steinburg) haben Experten an einzelnen Brennstäben auffällige Oxidschichten festgestellt. Gezielte Messungen ergaben Schichtdicken, die Grenzwerte überschreiten. "Erst, wenn die Ursache geklärt und ausgeschlossen ist, dass sich das Problem an anderen Brennstäben wiederholt, kommt ein Wiederanfahren des Kernkraftwerks in Betracht", sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) am Montag.

Wenn die heißen Brennstäbe auf Sauerstoff und Wasserstoff im Kühlwasser treffen, entstehen Ablagerungen. Das sei ganz normal, heißt es vom Umweltministerium. Aber eine bestimmte Schichtdicke dürfen die Ablagerungen nicht überschreiten, damit das Rohr um die Brennstäbe herum nicht angegriffen wird.

Keine Gefahr für Mitarbeiter und Bevölkerung

Habeck ist für die Reaktorsicherheit in Schleswig-Holstein zuständig. Er nimmt den Befund sehr ernst: "Dass Brennstäbe außen oxidieren, ist üblich. Aber ein solch schnelles und starkes Anwachsen der Schicht ist in Deutschland noch nicht bekannt geworden. Das darf nicht geschehen." Die Ablagerungen können demnach die Metallummantelung der Brennstäbe angreifen und sie brüchig machen. Im schlimmsten Fall könne dann Uran aus den Brennstäben frei werden, so Habeck.

Eine Gefahr für die Mitarbeiter oder die Bevölkerung hat es aber laut Habeck zu keinem Zeitpunkt gegeben. Die PreussenElektra-Betreibergesellschaft hat das Problem demnach auch fristgerecht bei der Atomaufsichtsbehörde gemeldet.

Experten suchen nach der Ursache

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Im AKW Brokdorf wurden bei der jährlichen Revision Probleme mit den Brennstäben festgestellt.

Im Atomkraftwerk Brokdorf läuft derzeit die jährliche Revision, weshalb es im Moment nicht am Netz ist. Beim Wechseln der Brennelemente waren im Reaktorwasser außergewöhnlich viele Schwebstoffe festgestellt worden, die sich als abgelöste Teile der Oxidschicht herausstellten. Bei anschließenden Messungen wurden überhöhte Oxidschichtdicken gemessen. Die Ursache dafür wird zurzeit untersucht. Die schleswig-holsteinische Atomaufsicht hat Sachverständige und den Brennelementehersteller hinzugezogen. Außerdem wurde die Bundesaufsicht informiert. Weitere mögliche Konsequenzen hängen von den Untersuchungsergebnissen ab. Die PreussenElektra-Betreibergesellschaft kündigte an, die eigentlich bis zum 24. Februar geplante Revision bis zum 3. März zu verlängern.

Atomkraftwerk bleibt bis 2021 am Netz

Laut Habeck hat das Problem mit den Brennstäben keinen Einfluss auf die Restlaufzeit des Atomkraftwerks. Der Meiler soll im Jahr 2021 vom Netz genommen werden. Brokdorf ist das einzige Atomkraftwerk in Schleswig-Holstein, das noch Strom produziert. Die Meiler Krümmel (Geesthacht) und Brunsbüttel sind nach Pannen bereits seit Jahren abgeschaltet und seit einiger Zeit endgültig stillgelegt. Sie sollen zurückgebaut werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.02.2017 | 18:00 Uhr

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