Stand: 22.05.2019 12:17 Uhr

6,40 Meter - Nordstrandischmoor wächst in die Höhe

Der Lorendamm zwischen Nordstrand und Hallig Nordstrandischmoor (Kreis Nordfriesland) ist momentan vermutlich die ungewöhnlichste Baustellenzufahrt Deutschlands. Denn auf der Marschinsel wird eine Warft vergrößert und erhöht. Fünf Jahre lang wurde geplant, jetzt geht es los. "Früher haben unsere Vorfahren das mit einer Schiebkarre gemacht. Einfach ein bisschen Mist dran und dann wurde wieder angewarftet", sagt Nordstrandischmoors Bürgermeisterin Ruth Kruse (SPD). Sie bewohnt die Norderwarft auf der Hallig. Durch diese Methode entstand ein Ringdeich um das Haus der Kruses. Heute ist eine Aufwarftung nicht mehr so einfach. Als Folge des Klimawandels und des steigenden Meeresspiegels müssten neue Warften heute viel höher und anders aufgebaut sein.

75.000 Tonnen Sand per Schiff

75.000 Tonnen Sand werden insgesamt für die Baumaßnahme auf der Hallig gebraucht. Die werden nicht über den Damm, sondern per Schiff vom Festland gebracht. In Holmer Siel auf Nordstrand werden täglich drei Schiffe beladen. Mit Sand, der aus verschiedenen Gruben im Land angefahren wird. Die Schiffe liefern etwa 1.000 Tonnen pro Tag. Gebraucht wird der Sand vor der Norderwarft, dem Zuhause von Ruth Kruse, das sie mit Kindern und Enkelkindern bewohnt.

Sturm Xaver ließ Wohnhaus fast absaufen

2013 ist das Haus bei Sturmtief Xaver beinahe untergegangen. Denn durch den Ringdeich steht es auf der Warft wie in einer Badwanne. Laut Kruse lief das Wasser bereits in die Scheune. Die Schafe standen schon im Wasser. "Man war immer am überlegen: Welchen Schritt mache ich jetzt als nächsten? Wen hole ich weiter rein ins Haus. Aber irgendwann war man mit dem Latein am Ende, wenn man hinten was reinholt und vorne das Wasser schon wieder raufkommt", erinnert sich die Hausherrin. Jetzt wird an die Warft ein mächtiges Plateau angebaut: 15.000 Quadratmeter Fläche, 6,40 Meter hoch - damit eineinhalb Meter höher, als die Warft jetzt ist.

300-jährige Familiengeschichte wird fortgesetzt

Der Sohn von Ruth, Nommen Kruse, hilft als Angestellter des Landesbetriebs Küstenschutz bei den Arbeiten. Seit 300 Jahren lebt die Familie bereits auf der Hallig. Jetzt wird sicher gestellt, dass weitere 100 Jahre hinzukommen. "Eine ganz tolle Sache, dass man gerade in dem Abschnitt einer Epoche lebt, dass man einen Schritt nach vorrne in die Zukunft auf der Hallig machen kann", sagt Nommen Kruse.

Pendelverkehr auf Nordstrandischmoor

Die Aufwarftung ist allerdings auch eine komplizierte Sache. Die Mole der Hallig steht auf Moorboden und kann das Gewicht von großen Radladern nicht tragen. Also muss der Sand über ein Förderband an Land gebracht werden. Richtig schweres Gerät darf aber auch nicht auf den kleinen Straßen der Hallig fahren. Daher pendeln drei Arbeiter mit Treckern und Hängern hin und her: 5 Tonnen pro Fuhre, etwa 200 mal am Tag zwischen Mole und Baustelle. Bis September brauchen sie, um das riesige Plateau aufzuschütten. Und dann, sagt Ruth Kruse, wird ihre Familie anfangen, sich ein neues Wohnhaus zu bauen. Eines, dass sturmsicher ist - zumindest die kommenden 100 Jahre.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 22.05.2019 | 19:30 Uhr

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