Eine Notrufsäule direkt am Wasser, im Hintergrund beginnt ein kurzer Sanstrand, auf dem Wasser liegen Bote vor Anker. © Christian Nagel Foto: Christian Nagel

30 Notrufsäulen sorgen für mehr Sicherheit an Badestränden

Stand: 14.07.2021 11:46 Uhr

Notrufsäulen wie an Autobahnen können an Badestellen Leben retten. 30 davon gibt es schon, mehr sind in Planung.

Wenn beim Notfall am Wasser das Handy nicht griffbereit ist, sollen Notrufsäulen an Badestellen dafür sorgen, dass Ersthelfer bei Unfällen am Wasser zügig Rettungskräfte alarmieren können. Bislang stehen sie schon an einigen Orten in Schleswig-Holstein, zum Beispiel in Itzehoe (Kreis Steinburg), Pelzerhaken (Kreis Ostholstein), Flensburg oder Eckernförde (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Die neuesten wurden jetzt in Flensburg aufgestellt - es sollen aber noch mehr werden.

Säulen in Kiel, Pinneberg und SPO geplant

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und die Björn Steiger Stiftung haben seit dem Projektstart 2019 insgesamt 30 Säulen an Stränden und Badeseen im ganzen Land aufgestellt. Die erste Notrufsäule konnte im Juli 2020 am Badestrand Tönning (Kreis Nordfriesland) in Betrieb gehen. Weitere sollen demnächst etwa in Kiel, Pinneberg und St. Peter-Ording (Kreis Nordfriesland) kommen. Nach Angaben der Björn Steiger Stiftung kostet eine Säule etwa 5.000 Euro, der Unterhalt im Jahr weitere 400 Euro. Die Kosten werden von der Stiftung oder den Gemeinden getragen.

Notruf-Knopf wird genutzt

Bundesweit wird der kleine Knopf an der Notrufsäule laut Stiftung im Schnitt zehn bis zwölf Mal gedrückt. Bei der Regionalleitstelle Nord kamen seit vergangenem Jahr bereits 47 Einsätze zusammen, allein in Neustadt in Holstein (Kreis Ostholstein) gab es in den vergangenen fünf Wochen fünf Notrufe.

Trotz Funkloch Notruf absetzen

Im Prinzip funktionieren die Säulen am Meer oder See ähnlich wie die Notrufsäulen an Fernstraßen: Per Knopfdruck kann ein Notruf an die örtliche Rettungsleitstelle übermittelt werden - auch, wenn es kein oder nur ganz schwaches Handynetz gibt. Alle Säulen sind demnach mit einer speziellen Mobilfunk-Technik ausgerüstet, dank eines eingebauten Solarpanels ist die Säule rund um die Uhr einsatzbereit. Und: Bei einem Notruf ist der Standort der Säule der Leitstelle unmittelbar bekannt.

25 Ertrunkene im vergangenen Jahr

2019 sind 19 Menschen in Schleswig-Holstein bei Badeunfällen ums Leben gekommen, 2020 waren es laut DLRG 25. Im Notfall ist Eile geboten, sagt DLRG-Landesgeschäftsführer Thies Wolfhagen. Die Alarmierung gehe mit den Notrufsäulen schneller als mit dem Handy: "Ich muss nur auf den Kopf drücken und die Leitstelle meldet sich und sie weiß sofort, wo der Unfallort ist. Das ermöglicht eine schnellere Rettung." Laut DLRG können Touristen wegen fehlender Ortskenntnisse nicht maßgeblich genau beschreiben, wo die Rettungskräfte hinmüssen.

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Innenministerin und DLRG mahnen zu Wachsamkeit

Ende Juni appellierte Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) an die Bevölkerung. "Überschätzen Sie sich nicht, achten Sie aufeinander und insbesondere auf Kinder - und beachten Sie unbedingt die Hinweise der Rettungsdienste", mahnte sie. In den zwei Wochen zuvor waren laut DLRG vier Kinder in Schleswig-Holstein ertrunken. Die Hauptgefahren lägen in den Binnengewässern, nur sechs Prozent aller Ertrinkungsfälle ereigneten sich an den gut bewachten Küsten von Nord- und Ostsee. Die DLRG rechnet in diesem Jahr generell mit mehr Badeunfällen - auch weil wegen des ausgefallenen Schwimmunterrichts in der Corona-Pandemie weniger Kinder schwimmen gelernt hatten. Im vorigen Jahr konnten die Retter 195 Menschen im Norden vor dem Ertrinken bewahren, in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 1.250.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.07.2021 | 08:00 Uhr

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