Stand: 09.06.2019 06:00 Uhr  - DAS!

15.000 Kilometer geradelt: Happy End einer Spendenreise

von Stefanie Döscher

Nach 270 Tagen und insgesamt 15.400 Kilometern haben Nono Konopka aus Eckernförde und sein Kumpel Max Jabs es geschafft: Sie sind am Ziel. Am Ziel, das heißt nicht nur, dass die beiden Studienfreunde, beide 25 Jahre alt, mit dem Fahrrad von Berlin nach Peking geradelt sind. Es heißt auch, dass die beiden auf ihrer Reise genug Geld gesammelt haben, um eine Schule in Guatemala zu bauen.

Fahrradmuffel auf Weltreise

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Die Route der beiden Jungs war ehrgeizig: Durch Osteuropa ging es über den Bosporus, anschließend durch den Iran, Turkmenistan, Usbekistan und Kirgistan nach China.

Im September 2018 hatten sich die beiden unter dem Motto: Biking Boarders auf den Weg gemacht. Von Anfang an ist das Radfahren für sie eine Herausforderung: "Wir sind noch nie mehr als zehn oder 20 Kilometer Fahrrad gefahren", erinnert sich Max. "Um ehrlich zu sein, mögen wir Radfahren überhaupt nicht." Doch sie wollten mit ihrer Mühe auf ein Problem aufmerksam machen: Die schlechten Bildungschancen für Kinder in Guatemala. Und 50.000 Euro Spendengelder für einen Schulneubau in dem südamerikanischen Land sammeln. "Klar hatten wir Selbstzweifel und wir dachten: Können wir das überhaupt machen? Aber irgendwann haben wir uns gedacht: Dieser Grund, warum wir das machen, ist uns so viel wichtiger als die Angst vor allem, was uns auf dieser Reise passieren kann." Im Dezember machten sie dann am Bosporus in Istanbul eine Zwischenstation.

Bei minus 23 Grad durch die Berge Kappadokiens

Nach Neujahr ging es weiter. Durch den Osten der Türkei. Im Winter. Das Thermometer zeigte bis zu minus 23 Grad. Die Landschaft: eine Eiswüste. "Die Straße war teilweise gefroren. Links und rechts hatten wir zwei Meter hoch Schnee. Es hat zwei Wochen lang nur geschneit", erinnert sich Max. Sogar Augenbrauen und Wimpern der jungen Männer gefrieren auf dem Rad. "Es war unglaublich hart. Ich glaube, uns war noch nie in unserem ganzen Leben so kalt." Den kompletten Tag verbringen die beiden auf dem Rad, versuchen sich warm zu fahren. "Und am Abend schläft man dann wieder im Zelt, wo es auch nicht viel wärmer ist", erinnert sich Nono. "Also das war wirklich so ein Moment, wo ich mir dachte: Was mache ich hier eigentlich?"

Aufgeben ist keine Option

Von der Türkei geht es weiter in den Iran. Dort angekommen können die Jungs das erste Mal seit Monaten wieder im T-Shirt fahren. Bis zum nächsten Wintereinbruch: "An einem Tag waren es 20 Grad und am nächsten Tag sind wir auf 1.500 Meter Höhe gefahren und dann hat es angefangen zu schneien. Der Wind war unglaublich stark. Darauf waren wir einfach überhaupt nicht vorbereitet! Das war schon hart", sagt Max. Doch aufgeben, das ist für die beiden keine Option: Im Hinterkopf haben sie immer die Schule, die sie bauen wollen.

Genug Geld für die Schule

Als das Radler-Duo in der Nähe von Schiras im Süden des Irans ist, dann die Überraschung. Über ihre Online-Spendenplattform bekommen eine besonders große Spende und erreichen damit ihr Spendenziel. Die Schule kann gebaut werden! "Wir konnten es gar nicht glauben. Wir waren fassungslos, lagen uns in den Armen. Vor allem das Gefühl, dass wir es mit 1.300 anderen, die gespendet haben, geschafft haben. Das war einer der besten Tage", erinnert sich Nono. Eigentlich haben die Jungs alles erreicht, doch sie entscheiden sich, weiterzufahren - für eine zweite Schule.

Spritzen in Turkmenistan 

Vom Iran aus geht es für die Studienfreunde in Turkmenistan weiter. Das Besondere: Für das zentralasiatische Land bekommen sie nur ein fünf Tage gültiges Transitvisum. Viel zu wenig Zeit für 600 Kilometer. Direkt nach Sonnenaufgang brechen sie an der Grenze auf. "Da ist nichts. Das ganze Land ist braun und trist. Überall sind Stacheldrahtzäune und Panzer. Die Leute reiten auf Eseln, überall sind nur Lehmhütten", beschreibt Nono. Und schon während der ersten 100 Kilometer auf dem Fahrrad merkt der 25-Jährige: Er wird krank, Fieber, Magenschmerzen Schüttelfrost - Mitten im Nirgendwo. Die nächste Stadt ist 80 Kilometer entfernt.

Mit acht verschiedenen Vehikeln - darunter ein Trecker und ein Tanklaster - schaffen sie es in die nächste Stadt. Mit einem alten Sowjet-Krankenwagen mit aufgemaltem roten Kreuz wird Nono in ein Krankenhaus in einem Hinterhof gebracht. "Es war echt verrückt. Ich saß da allein, Max durfte nicht mit und ich habe drei Spritzen bekommen. Bis heute habe ich keine Ahnung, was ich bekommen habe, weil alles auf Russisch war." Doch es wirkt - Nono geht es erst einmal besser.

"Ohne Max hätte ich das nicht geschafft"

Die beiden schaffen es rechtzeitig nach Usbekistan, wo Nono erst einmal in ein internationales Krankenhaus eingeliefert wird. Nach fünf Tagen die Diagnose: Er hatte eine sehr schlimme Gastritis. Nach einer Woche steigen die Jungs wieder aufs Rad. "Das war für mich der Tiefpunkt der Reise. Auf der anderen Seite haben wir auch einen ganz anderen Einblick ins Land bekommen, weil wir auf Hilfe der Leute angewiesen waren. Ohne Max hätte ich das nicht geschafft", erinnert sich Nono.

Und noch etwas wird Nono in dieser Zeit klar: "Du fragst dich dann natürlich: Warum fahre ich weiter, obwohl es mir schlecht geht, obwohl wir die Schule schon gebaut haben. Das habe ich gemerkt: Es ging mir nicht ums Fahrradfahren, es ging nicht um Peking und es ging mir auch nicht um die Schule. Ich wollte Leuten zeigen: Ihr könnt auch alles schaffen, wenn ihr nur wollt. Ich wollte Menschen inspirieren", sagt er. Und er erreicht die Menschen, denn dank Facebook und Instagram folgen mittlerweile Tausende ihrer Fahrradweltreise - zahlreiche Promis wie Ashton Kutcher, Materia und Joko Winterscheidt unterstützen sie. Noch heute bekommen Nono und Max Nachrichten von Menschen, die sie inspiriert haben: zu einem Studium, dazu ihren Job zu kündigen oder ihr eigenes Charity-Projekt zu starten.

Durch Kirgistan nach China

Die letzte Station vor dem großen Ziel ist dann Kirgistan. "Das war wunderschön: Du fährst durch ein Land, das aussieht, als wäre es gemalt worden. Grüne Berge, überall sind Wildpferde und Jurten. Es ist wirklich wie von einer anderen Welt. Neben Turkmenistan das Exotischste, was wir auf der Reise gesehen haben", erinnert sich Nono.

Nach zweieinhalb Wochen überquert das Biker-Duo die Grenze nach China. "Das war krass. Die haben alle unsere Sachen angeguckt. Sind sogar die Bilder auf unserem Handy durchgegangen. Unser Motto in China war: Das ist das letzte Land. Wir müssen noch einmal durchziehen", sagt Max. 2.000 Kilometer radeln die beiden, 2.000 Kilometer legen sie mit dem Zug zurück. Am 9. Mai kommen sie dann am Großen Platz in Peking an. Sie haben es geschafft: Doch: "Ganz ehrlich war das Gefühl anzukommen gar nicht so krass, weil es so so surreal war. Das konnten wir in dem Moment gar nicht verarbeiten", erklärt Nono.

Überraschung in Guatemala

Nach sieben Tagen Peking fliegen Nono und Max weiter - nach Guatemala City. Tatsächlich ist die erste neue Schule, die von ihren gesammelten Spenden gebaut wurde, schon fertig. Was sich in Deutschland Jahre hingezogen hätte, ist in Guatemala nach wenigen Monaten vollendet. Natürlich sind die beiden Freunde gekommen, um der Schule einen Besuch abzustatten.

Doch bevor sie das tun, hat ihre Partner-Hilfsorganisation einen Trip aufs Land organisiert: Es geht in eine Gemeinde, die derzeit eine sehr heruntergekommene Schule hat. Hier soll es aber bald eine neue geben. "Die Kinder haben mit uns ihre Traumberufe gemalt. Die haben wir dann zusammen dort verbuddelt, wo die neue Schule stehen soll", erklärt Nono. Als die Chefin der Hilfsorganisation eine Rede hält, dann die Überraschung: Sie holt die beiden nach vorne - und erklärt ihnen: "Diese Schule wird die Schule sein, die mit dem Geld, das ihr gerade noch sammelt, finanziert wird." Nono und Max sind zu Tränen gerührt. Für die zweite Schule fehlen allerdings noch 25.000 Euro - die wollen sie mit einer Promi-Radtour Ende Juni sammeln.

Dieses Thema im Programm:

DAS! | 28.04.2019 | 18:45 Uhr

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