Sendedatum: 30.09.2018 18:05 Uhr

100 Jahre Matrosenaufstand: Zeit zum Nachdenken?

von Michael Frömter

Ausstellungen, Diskussionsforen, Plakate und Veranstaltungen: In Kiel und Berlin, aber auch in anderen deutschen Städten wird in diesem Jahr und vor allem in den kommenden Wochen eines Ereignisses gedacht, das die Deutsche Geschichte einschneidend verändert hat. Am 3. November 1918 jährt sich zum 100. Mal der sogenannte Kieler Matrosenaufstand. Was als Meuterei der Matrosen des 3. Geschwaders der kaiserlichen Marine begann und sich dann deutschlandweit zur sogenannten Novemberrevolution entwickelte, bedeutete das Ende der Monarchie im Deutschen Reich - und auch das Ende des Ersten Weltkriegs. Historiker und Politologen sehen darin die Wurzeln von Demokratie und Freiheit in Deutschland und mahnen dazu, über die Ereignisse nachzudenken. Experten fordern, dass angesichts der aktuellen politischen Lage und der Verrohung im gesellschaftlichen Umgang sich jeder fragen sollte, was ihm die damals erkämpften Grundrechte bis heute bedeuten. Doch das fällt vielen nicht leicht, fehlt es doch zunehmend an geschichtlichem Bewusstsein.

Der Aufstand der Matrosen - die Revolution beginnt

Die nicht geplanten Revolution

Obwohl Ende des Jahres 1918 bereits Vorverhandlungen für einen Waffenstillstand liefen, sollte die deutsche Marine Ende Oktober 1918 zu einem letzten "ehrenvollen" Gefecht gegen britische Verbände auslaufen, die den Deutschen überlegen waren. Doch das brachte bei den Matrosen das Fass zum Überlaufen. Sie wollten ihr Leben nicht in einer aussichtslosen Seeschlacht aufs Spiel setzen. Außerdem fühlten sie sich von den Offizieren einem unmenschlichen Drill ausgesetzt, hungerten und waren kriegsmüde. Es kam zur Meuterei. Dass sich daraus eine Revolution entwickelte, war den meisten nicht bewusst. Doch ihre Meuterei war die Initialzündung für viele Menschen, ihrem Unmut Luft zu machen.

Die Ereignisse vom 3. November 1918

Bereits am 1. November 1918 nimmt die Revolte ihren Lauf. Schon in Wilhelmshaven kommt es zu Befehlsverweigerungen. Um die Situation zu entspannen, wird das 3. Geschwader der Hochseeflotte nach Kiel verlegt. An der Holtenauer Schleuse angekommen, werden bereits 47 Matrosen festgenommen und interniert. Sie sollen die Rädelsführer der Unruhen sein. Etwa 250 Matrosen treffen sich daraufhin im Kieler Gewerkschaftshaus und fordern die Freilassung der Kameraden. Unterstützt werden sie dabei von etlichen Kieler Arbeitern. Bereits am nächsten Tag versammeln sie sich wieder und rufen zur gemeinsamen Demonstration von Matrosen und Arbeitern auf. Dem Aufruf folgen mehrere Tausend Menschen. Sie ziehen in Richtung Arrestanstalt.

Erste Schüsse fallen

Auf dem Weg dorthin befreien sie aus einer Hilfskaserne mehrere festgehaltene Matrosen. Der Demonstrationszug zieht weiter zur eigentlichen Kieler Arrestanstalt, wird von Soldaten aber aufgehalten. Es fallen die ersten Schüsse. Mindestens sechs Menschen sterben, 29 werden verletzt. In den folgenden Tagen kommt es zu weiteren Tumulten und die Unterstützung der Matrosen und Arbeiter wächst genauso wie deren Selbstbewusstsein. Sie stellen weitreichende Forderungen: Abdankung des Kaisers, Freilassung aller Gefangenen, freie Volksrepublik, freies Wahlrecht (auch für Frauen) und Pressefreiheit.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 30.09.2018 | 18:05 Uhr

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