Stand: 04.09.2020 07:00 Uhr

Zweiter Jahrestag: Meppener Moorbrand wirkt nach

Ein Feuerwehrauto vor qualmendem Moor. © dpa-Bildfunk Foto: Stephan Konjer
Eine dichte Rauchwolke, die aus dem All zu sehen ist: Für die Löscharbeiten im Moor gehen die Einsatzkräfte im September 2018 über ihre Belastungsgrenze hinaus. (Archiv)

Vor zwei Jahren brach bei Meppen nach Schießübungen auf dem Gelände der Bundeswehr ein verheerender Moorbrand aus. Nicht zu bändigen schien das Feuer über Wochen, eine Ausnahmesituation für Einsatzkräfte, Einwohner, die Natur. Das verkohlte Schwarz, das noch immer weite Teile des Moores im Emsland ausmacht, nannte eine Naturschützerin später "die Farbe der Trauer".

VIDEO: Meppen: Zweiter Jahrestag des Moorbrandes (5 Min)

Bundeswehr: "Gebrannt hätte es sowieso"

Der 3. September 2018 ist ein heißer Tag im Nordwesten Niedersachsens. Wegen der lang anhaltenden Trockenheit gilt im Landkreis Emsland der Waldbrandschutzerlass. Dennoch schießt die Bundeswehr auf dem Waffentestgelände Raketen per Hubschrauber in das Moor. Thomás Malyuß, der damalige Leiter der Wehrtechnischen Dienststelle, sieht darin kein Problem. In einem Interview mit NDR Niedersachsen sagt er: "Wenn ich mich richtig informiert habe, hätte der Sommer nur zwei, drei weitere Tage bei entsprechenden Temperaturen bleiben müssen und wir hätten auch ohne irgendwelche Munitionseinwirkung den schönsten Moorbrand haben können." Das zumindest berichte die Online-Enzyklopädie Wikipedia, fügt er hinzu.

Wut, Verzweiflung und Sprachlosigkeit

Dieser Moorbrand aber breitet sich rasant aus. Löschfahrzeuge der Bundeswehr sind defekt, die Kreisfeuerwehr wird erst spät um Amtshilfe gebeten. Nach einer Woche ist der Rauch bis nach Hamburg zu riechen. Das kleine Dorf Stavern im Emsland ist direkt betroffen. Die Einwohner reagieren verunsichert und sind sauer: "Man sieht nichts, man riecht nur noch. Man kann ja kaum noch atmen. Man ist einfach nur noch sprachlos, man hat nur noch Wut im Bauch." Die Verzweiflung und das Unverständnis scheinen groß: "Wir dürfen als Raucher unsere Kippen nicht wegschmeißen bei der Hitze und die machen ihre Versuche? Geht gar nicht!"

Bundeswehr-Kritik und von der Leyens Entschuldigung

Weil sich die Feuerwand dem Dorf Stavern gefährlich nähert, ruft der Landkreis Emsland den Katastrophenfall aus. Die Einwohner müssen sich auf eine Evakuierung vorbereiten. Die Kritik an der Bundeswehr wird immer lauter. Die damalige Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) reist ins Emsland. "Ich möchte zuallererst den Menschen in der Region eine Entschuldigung aussprechen - auch im Namen der Bundeswehr -, die unter den Auswirkungen des Brandes zu leiden haben. Ich möchte zuhören, was in der Vergangenheit nicht richtig gelaufen ist."

Kosten auf 17 Millionen Euro angewachsen

Rund fünf Wochen nach Ausbruch ist der Moorbrand gelöscht. In einem Abschlussbericht beziffert das Verteidigungsministerium später die durch den Brand verursachten Gesamtkosten mit rund acht Millionen Euro. Tatsächlich ist die Summe inzwischen auf 17 Millionen Euro angewachsen, wie der NDR vor einem Jahr berichtete.

Kritik an schleppender Renaturierung

Klar ist inzwischen, dass viel Kohlendioxid in die Luft gelangte. Nach Angaben des von der Bundeswehr für die Berechnung beauftragten Thünen-Instituts wurden durch den Brand mehr als 540.000 Tonnen freigesetzt. Der Testbetrieb auf dem Bundeswehrgelände im Emsland ist bis heute eingeschränkt - ins Moor wird nach Informationen von NDR Niedersachsen weiterhin nicht geschossen. Die Renaturierung läuft unterdessen schleppend an. Zentrale Moorbereiche sollen vernässt werden. Die "Beauftragung einer dahingehenden Potenzialanalyse" werde in diesem Jahr erfolgen, teilte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums NDR Info mit. Zwei Jahre nach der Katastrophe gibt es noch keine Planungen, wie das Moor nördlich von Meppen wieder feuchter werden soll. Die Bundestagsabgeordnete der Grünen Katja Keul kritisiert die schleppende Renaturierung: "Es ist nicht nachzuvollziehen, dass zwei Jahre nach den großen Versprechungen in Sachen Wiedervernässung immer noch nichts passiert ist und eine Potenzialanalyse noch nicht einmal in Auftrag gegeben wurde. Die Wiederaufnahme von Schießübungen im Kernbereich des Moores wäre unverantwortlich und muss dauerhaft unterbleiben."

Moorraupen stehen für Löscharbeiten bereit

Eine Moorraupe steht auf einem Parkplatz. © NDR Foto: Hedwig Ahrens
Neu angeschafft: zwei ferngesteuerte "Moorraupen".

Sollte es im Moor wieder zu einem Brand kommen, können künftig zwei sogenannte Moorraupen eingesetzt werden. Sie stehen laut NDR 1 Niedersachsen ab diesem Monat zur Verfügung. Die schweren Fahrzeuge können ferngesteuert Wassertanks in schwer zugängliche Gebiete bringen. Nach dem Moorbrand hatte das Bundesverteidigungsministerium angekündigt, das Waffentestgelände besser auszustatten.

Weitere Informationen
Ein Hubschrauber lässt Wasser aus einem Löschwasser-Außenlastbehälter auf die Moorlandschaft nieder. © Bundeswehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.09.2020 | 08:00 Uhr

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