Stand: 06.09.2017 16:37 Uhr

"World Dream" - Kein Traum für die Umwelt

von Claudia Wohlsperger

Die "World Dream" ist 335,35 Meter lang und auf ihr ist Platz für etwa 3.300 Passagiere und 1.700 Crew-Mitglieder. Das macht insgesamt rund 5.000 Menschen: eine schwimmende Stadt. Aber die "Stadtbewohner" verbrauchen mehr Wasser als an Land, produzieren mehr Müll und ihre "Stadt" verbrennt unter anderem große Mengen Schweröl - ein Restprodukt von Erdölraffinerien, mit hohen Anteilen an Schwefel, Asche und Schwermetallen.

Die "World Dream" wird von Schleppern aus der Montagehalle gezogen.  Fotograf: Yannes Kuhlmann

Umweltsünderin "World Dream"?

Kreuzfahrten stehen wegen ihrer Umweltbilanz in der Kritik. Sind die Riesenschiffe so schlimm wie ihr Ruf? NDR.de hat die Fakten zur neuen "World Dream" zusammengetragen.

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Schweröl und Marinediesel

In den Haupttank der "World Dream" passen 3,5 Millionen Liter Schweröl. Nach Auskunft der Meyer Werft reicht das - je nach Reisegeschwindigkeit und Route - für gut zwei Wochen Kreuzfahrt. Daneben gibt es einen weiteren Tank für 600.000 Liter Marinedieselöl. Das werde zum Beispiel bei den Fahrten auf der Nordsee und in vielen Häfen verwendet, weil er sauberer sei als Schweröl, so Meyer Werft-Sprecher Günther Kolbe.

Erhebliche Schadstoff-Emissionen

Eine Abgasreinigungsanlage, also einen sogenannten Scrubber, für die anfallenden Schadstoffe gibt es auf der "World Dream" nicht. Denn das Schiff wurde für den asiatischen Markt gebaut, wo es keine entsprechenden Vorschriften gebe, so Kolbe. Der Naturschutzbund NABU kritisiert seit Jahren die Kreuzfahrtschiff-Industrie: Dabei stehen Schadstoffe in den Abgasen der Schiffe meist im Vordergrund. 2012 hat der NABU einen Vergleich angestellt: Wie viele Autos stoßen so viele Schadstoffe aus wie ein Kreuzfahrtschiff pro Tag?

Ein NABU-Vergleich zwischen Kreuzfahrtschiff und Autos.

Den Berechnungen des NABU liegt ein Kreuzfahrtschiff mit einer Motorenleistung von 36.000 Kilowatt zugrunde: Die "World Dream" leistet weitaus mehr, nämlich 76.800 Kilowatt. Entsprechend höher dürften die Emissionswerte des Schiffes ausfallen. Werftsprecher Kolbe verweist jedoch auf Unterschiede bei Kraftstoff und Fahrstil: Mit Marinedieselöl würden solche Emissionszahlen nicht erreicht und im Betrieb mit Schweröl käme es - ähnlich wie beim Autofahren - darauf an, wie viel Gas gegeben werde und wie schnell man fährt.

Feinstaubalarm auf dem Kreuzfahrtschiff?

Über Feinstaubemissionen gibt es für die "World Dream" noch keine genauen Angaben - schließlich liegt sie noch im Hafenbecken der Meyer Werft. Auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff haben Reporter des ZDF-Verbrauchermagazins "Wiso" an einem Seetag in der Nähe des Schornsteins stichprobenartig Feinstaubmessungen durchgeführt. Den Höchstwert bildeten 475.000 Feinstaubpartikel pro Kubikzentimeter. In der fensterlosen Kabine des Reporters lagen die Messwerte zwischen 40.000 und 70.000 Partikel pro Kubikzentimeter. Als Vergleich hat ZDF-Wiso eine Stichprobe an einer mehrspurigen Straße in Stuttgart gemacht - bei Feinstaubalarm. Die Messwerte hier liegen unter denen auf dem Schiff: Als Höchstwert der Stuttgarter Probe werden rund 40.000 Partikel genannt.

Risiko Feinstaub und Dieselabgase

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist das Einatmen von Dieselemissionen in etwa so krebserregend wie bei Asbest, Arsen oder Senfgas. Und Feinstaubpartikel sind so klein, dass sie die Filter in Nase und Bronchien durchqueren und in das Gefäßsystem eindringen können, erläutert Michael Barczok vom Pneumologen-Bundesverband dem ZDF. Feinstaub gilt als krebserregend. Aida nahm zu den ZDF-Messungen Stellung: Es komme nicht nur auf die reine Erfassung der Partikelzahl an, sondern auf qualitative Aussagen darüber, welche Stoffe sich in der Kabinenluft befänden. Alle Schiffe der Aida-Flotte halten nach Firmen-Aussage die vorgeschriebenen Standards und Grenzwerte für Emissionen ein.

Gasantrieb ab 2018

Auch die Anführer des NABU Kreuzfahrtrankings von 2016 fahren noch immer mit dem günstigeren Schweröl. 2018 soll mit der Aida Nova aber das erste Kreuzfahrschiff mit Flüssiggasantrieb in der Meyer Werft fertig werden, so Kolbe. Von der Werft heißt es, ein vollständiger Gasbetrieb könne jedoch die Stickstoffoxid-Emissionen um rund 85 Prozent senken. Der Ausstoß von Schwefeloxiden (unter anderem Schwefeldioxid) könnte auf nur ein Prozent des derzeitigen Wertes reduziert werden. Der Flüssiggasantrieb soll künftig zum Standard bei Meyer Werft-Kreuzfahrtschiffen werden, so Sprecher Kolbe. Aber nicht nur das Schiff selbst macht ordentlich Dreck: Auch die Passagiere leisten ihren Beitrag.

Die "World Dream" hat es ins Freie geschafft

Abfallentsorgung an Bord

Die Passagiere eines Kreuzfahrtschiffs produzieren große Mengen Müll: "Statistisch betrachtet verursacht jeder Kreuzfahrt-Passagier täglich bis zu 2,5 Kilogramm Speisereste, 1,8 Kilogramm Verpackungsabfall und etwa ein Kilo Glas- und Dosenmüll" heißt es im Nachhaltigkeitsbericht der Meyer Werft. Auf der "World Dream" gibt es laut Werft-Sprecher Kolbe dafür ein Recycling-Konzept: Wertstoffe werden sortiert, je nach Art zerkleinert oder gepresst und solange mitgeführt, bis sie an Land recycelt werden können. Biomüll und sonstiger brennbarer Müll wird in die bordeigene Müllverbrennungsanlage gebracht, dort getrocknet und verbrannt.

Trinkwasser und Abwasser

Mit der Abwärme aus der Verbrennungsanlage und den Hauptmaschinen des Schiffs werden Anlagen zur Meerwasserentsalzung betrieben, heißt es im Meyer-Werft-Nachhaltigkeitsbericht. Seewasser wird so als Frischwasser aufbereitet. Auch das Kondenswasser der Klimaanlagen an Bord des Schiffes soll laut Meyer Werft für die Wäscherei genutzt werden. Das anfallende Abwasser aus allen Schiffsbereichen wird laut Werft in einer Art Kläranlage an Bord gereinigt. Organische Substanzen im Abwasser werden in einem Bioreaktor mithilfe von Mikroorganismen zersetzt. Dann wird das Wasser laut Werft-Nachhaltigkeitsbericht mit Membranfiltern weiter gereinigt und in einem nächsten Schritt desinfiziert. Dieses Wasser hat Trinkwasserqualität und wird zum Beispiel für Toilettenspülungen genutzt. Ein Großteil wird aber - in Trinkwasserqualität - ins Meer gepumpt. Die hohe Qualität des abgeführten Wassers bestätigt auch der NABU auf Nachfrage.

Wasserbedarf größer als an Land

Der Wasserverbrauch pro Person und Tag an Bord ist insgesamt aber verhältnismäßig hoch: Die Meyer Werft rechnet mit rund 250 Liter Wasser. An Land rechnet man zum Beispiel in Niedersachsen mit 126,4 Liter pro Person pro Tag: so ziemlich die Hälfte. Für den hohen Bedarf an Bord gibt es laut Kolbe neben den Frischwasseranlagen auf der "World Dream" auch einen Frischwassertank mit Platz für etwa 3,7 Millionen Liter Wasser. Das reicht bei 5.000 Menschen an Bord für knapp drei Tage.

Keine Abkehr vom Schweröl in Sicht

Der NABU warnt vor allem vor den Abgasen der Schiffe. Aus Umwelt- und Gesundheitssicht sei eine Reise auf eine Kreuzfahrtschiff nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Von der Kreuzfahrtindustrie fordert der Naturschutzbund ein schnelles Umdenken und Handeln. Die Meyer Werft, die zwar 2018 zumindest ein Kreuzfahrtschiff mit Gasantrieb ausdockt, wird aber nach Auskunft eines Sprechers auch weiterhin Schiffe mit konventionellen Schweröl-Motoren bauen: Das sei eine Entscheidung der Reedereien.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war wie im Nachhaltigkeitsbericht der Meyer Werft von "Stickstoff-Emissionen" die Rede. Tatsächlich handelt es sich aber um Stickstoffoxide. Die Redaktion bittet für diesen Fehler um Entschuldigung.

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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 03.09.2017 | 19:30 Uhr

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