Stand: 20.10.2016 21:14 Uhr

Wiesenhof: Bauausschuss stimmt für Wiederaufbau

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Animal Rights Watch hat zu einer Demonstration gegen den Schlachthofbau aufgerufen.

Mehr als ein halbes Jahr nach dem Brand in einer Wiesenhof-Fabrik in Lohne (Landkreis Vechta) hat der Bauausschuss der Stadt am Abend mehrheitlich mit den Stimmen der CDU dem Antrag auf Wiederaufbau zugestimmt. Bei der Gelegenheit konnten sich auch Bürger dazu äußern. Einige von ihnen kritisieren die Pläne, sie befürchten unter anderem starkes Verkehrsaufkommen, Lärm und Gestank. Laut städtischem Gutachten werden die Lärm- und Geruchsimmissions-Grenzwerte eingehalten. Kritische Nachfragen gab es auch zur Grundwasserentnahme durch den Schlachthof. Anlieger kritisieren außerdem die geplante Höhe der Fabrikhallen, die schon bisher die benachbarten Wohngebäude deutlich überragten.

Gegenstimmen und Gegendemonstration

Einige Ausschussmitglieder wie Lutz Neubauer von der "Ratsgruppe Lohner" vermuteten, dass Wiesenhof die genehmigte Menge an täglich geschlachteten Tieren von 432.000 in Zukunft noch erhöhen werde. Deshalb wollte er dem Antrag nicht zustimmen. Auch SPD-Ratsmitglied Silvia Klee sprach sich dagegen aus: "Nach wie vor haben wir keine gesunden Arbeitsverhältnisse dort", sagte sie mit Blick auf die bei Wiesenhof beschäftigten Werkvertragsarbeiter. Vor Beginn der Sitzung hatten etwa 20 Aktivisten der Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch vor dem Rathaus gegen den Schlachthof protestiert. Sie wiesen auf die negativen Folgen für Klima und Grundwasser hin.

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Bis zu 432.000 Tiere am Tag geschlachtet

Heinrich Paul Dröge vom Management der Wiesenhof-Mutter PHW erklärte zu den Kapazitätsbedenken: "Wir wollen 432.000 Tiere schlachten." Die volle Kapazität soll jedoch nicht sofort ausgeschöpft werden. Man werde angepasst an das aktuelle Marktgeschehen "schrittweise zu der alten Größe des Betriebs" zurückkehren, so die Sprecherin. Vor dem Brand wurden in Lohne täglich rund 400.000 Hähnchen geschlachtet. Wiesenhof will nach Erteilung der Baugenehmigung zeitnah mit den Arbeiten beginnen. Der Konzern rechnet damit, dass der Wiederaufbau des abgebrannten Schlachtbetriebes etwa ein Jahr dauern wird. Die neue Schlachterei werde sich nicht wesentlich vom alten Betrieb unterscheiden, allerdings im Hinblick auf Ressourcenschonung und Brandschutz "modernstes technisches Know-how" einsetzen, sagte eine Unternehmenssprecherin. Ein Brand wie im Frühjahr sei in dem neuen Gebäude nicht mehr möglich.

Mehrere Hundert nach Brand entlassen

Am 28. März hatte ein durch einen technischen Defekt ausgelöstes Feuer große Teile des Schlachtbetriebs zerstört. Der Schaden liegt Versicherungen zufolge bei rund 300 Millionen Euro. Von den rund 1.200 Beschäftigten wurden nach dem Brand mehrere Hundert entlassen. Besonders betroffen waren die 450 Leih- und Werkvertragsarbeiter. Nach dem Brand wurde der Zerlegebetrieb wieder aufgenommen, aber mit einer deutlich reduzierten Zahl an Beschäftigten.

Rückblick: Flammen und Rauch bei Wiesenhof

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 20.10.2016 | 17:00 Uhr

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