Stand: 16.08.2017 18:08 Uhr

Wie wär's mit Würmern im Burger?

von Josephine Lütke
Das genaue Rezept ist geheim, sicher aber ist: In diesem Burger stecken etwa 1.000 Würmer.

Würmer im Burger oder Heuschrecken als Snack: In anderen Kulturen ist das normal. Und auch in Europa kommen immer mehr Insekten auf den Tisch. In der Schweiz beispielsweise verkaufen Supermärkte ab Montag Insektenburger. Baris Özel und Max Krämer aus Osnabrück freuen sich über diese Entwicklung. Denn sie haben einen Burgerbratling aus Würmern erfunden. Bisher verkaufen sie ihn in den Niederlanden und Belgien.

1.000 Würmer in einem Burger

Ein Jahr haben Baris Özel und Max Krämer an ihrem Bratling gearbeitet. Die richtige Mischung aus Würmern und Gewürzen musste es schon sein. Das Ergebnis: In einem 100-Gramm-Patty sind 43 Gramm der sogenannten Buffalo-Würmer. "Das ist eine Larvenart, die sich später zu Käfern verwandeln würde. Aber vorher verarbeiten wir sie", sagt Max Krämer. Der Rest sind vegetarische Zutaten und Gewürze wie Pfeffer und Salz. Das genaue Rezept behalten die beiden für sich. Etwa 1.000 der kleinen Tierchen passen in einen Bratling. Erkennen kann man die Würmer aber nicht mehr. "Sie werden so zerkleinert, dass die Masse eine Art Pulver ist", sagt Krämer. Gebraten sehen sie etwa aus wie eine Falafel. Der Geschmack: nussig. Und gesund sollen sie auch sein. "Die Proteine sind sehr hochwertig und können vom Körper sehr schnell aufgenommen werden", sagt Max Krämer. Außerdem seien die Fettsäuren ungesättigt. "Damit ist man bei den Nährwerten besser dran als beispielsweise bei  Rindfleisch mit seinen gesättigten Fettsäuren."

Idee kam auf einer Weltreise

Auf die Idee für ihren Madenburger kamen die beiden Osnabrücker auf einer Weltreise. "In Thailand haben wir das erste Mal Insekten gegessen. Und uns ist der gute Geschmack einfach im Kopf geblieben", so Krämer. Zurück in Deutschland hat er dann auch seine Bachelorarbeit zu dem Thema geschrieben. Dabei hat er die ökologischen Aspekte von der Wurmzucht mit der Rinderzucht verglichen. "Ich habe herausgefunden, dass es viele Vorteile gibt", sagt er. Der Futterverbrauch bei den Insekten sei etwa zehnmal geringer als bei Rindern. Das Gleiche gelte für den Wasserverbrauch. Außerdem würden etwa 100-mal weniger Treibhausgase produziert. In ihren Plastikboxen in großen Regalen brauchen die Würmer zudem etwa 20-mal weniger Platz als Rinder.

"Keine Bedenken, was die Massentierhaltung angeht"

Die Würmer für die Burger werden in Holland gezüchtet. "Insekten leben auch in der Natur eng zusammen. Deshalb ist die Zucht das Paradies für die Würmer. Es gibt da keine Bedenken, was die Massentierhaltung angeht", so Krämer. Würmer sind Wechselblüter. Ist es kalt, fallen sie in eine Kältestarre. Deshalb werden die Tiere getötet, indem sie eingefroren werden. "Sie wachen aus der Starre dann nicht mehr auf und sterben sozusagen im Schlaf", sagt Krämer. Dann werden sie abgekocht, zerkleinert und eingefroren.

Kunden in den Niederlanden und Belgien

Die Osnabrücker verkaufen ihre Bratlinge bisher nur tiefgefroren. Dann sind sie etwa ein halbes Jahr haltbar und müssen vor dem Verzehr nur noch gebraten werden. Das machen die Kunden selbst. Bisher liefern Baris Özel und Max Krämer ihre Bratlinge an Restaurants und Cateringunternehmen in den Niederlanden und Belgien. "Der nächste Schritt sind Supermärkte", sagt Krämer. Bisher können Insekten für den Verzehr in Deutschland noch nicht verkauft werden. Sie sind als Nahrungsmittel nicht zugelassen. Bisher entscheidet jedes EU-Land selbst, welche neuartigen Lebensmittel es zulässt. Geregelt wird das über die "Novel Food"-Verordnung. "Wir erwarten, dass es ab 2018 in Deutschland erlaubt wird", sagt Krämer. Dann könnte es eine einheitliche Regelung in allen EU-Ländern geben. Bestätigt ist das aber noch nicht. Baris Özel und Max Krämer hoffen darauf. "Der deutsche Markt hat ein großes Potential. Das wäre ein Heimspiel für uns. Wir haben hier angefangen. Wir kommen hier her. Deswegen war es auch ein großer Schritt für uns, zunächst ins Ausland zu gehen."

Insekten als Nahrung der Zukunft

In den Nachbarländern kommen die Burger der beiden Jungunternehmer schon ganz gut an, so Krämer. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die meisten ihre Meinung zum Insektenburger innerhalb von einer Minute ändern. Erst heißt es: 'Ich würde es niemals essen.' Dann sagen sie: 'Ok, ich probiere.' Und dann sagen sie: 'Ich würde es wieder tun.'" Etwa zwei Milliarden Menschen auf der Welt essen schon Insekten. Den Osnabrückern ist es nun wichtig, dass es in Europa die Nahrung der Zukunft wird. "Wenn wir mehr Insekten essen, können wir eine Menge für die Umwelt tun", sagt Max Krämer.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.08.2017 | 07:30 Uhr

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