Stand: 11.03.2018 11:14 Uhr

Wie sauber ist die "Norwegian Bliss"?

von Claudia Wohlsperger

Mit der "Norwegian Bliss" ist wieder ein Kreuzfahrt-Riese mehr auf den Weltmeeren unterwegs: 4.000 Passagiere können auf ihr reisen, 1.700 auf ihr arbeiten. Die "Norwegian Bliss" soll in den Regionen fahren, in denen schon heute die strengsten Umweltauflagen gelten. Es sind die sogenannten "Emission Control Areas" (ECA) vor der kanadischen Küste bis hoch nach Alaska und auch das Revier von Miami bis in die Karibik. In diesen Gebieten gelten schon heute strengste Umweltauflagen in Bezug auf Schwefeldioxid, sowie Stickoxid-Obergrenzen für Schiffe, die ab 2016 gebaut wurden. In Nord- und Ostsee sind die Grenzwerte beim Schwefeldioxid zwar schon jetzt ebenso streng, wie in den nordamerikanischen Gewässern. Bei Stickoxiden aber wird das erst ab 2021 so sein. Wegen der Umweltauflagen, so heißt es von der Meyer Werft, wurde die "Norwegian Bliss" schon mit modernen Abgasreinigungsanlagen und umweltfreundlichen Motoren ausgestattet. Tatsächlich ginge es aber noch wesentlich umweltfreundlicher.

Sauberes Wasser, Wärmerückgewinnung und Recycling

Laut der Papenburger Werft hat das Schiff einen speziellen Unterwasser-Anstrich, der Widerstand reduziert. Beim Material des Schiffes wurde wo immer möglich Gewicht reduziert. In vielerlei Hinsicht wird demnach in dieser schwimmenden Kleinstadt auf Optimierung geachtet: So wird Kondenswasser aufgefangen und für die Wäscherei benutzt, Wärme aufgefangen und beispielsweise zum Heizen genutzt, energiesparende LEDs werden verwendet. Weiterhin gibt es auf den Kreuzfahrtschiffen der Meyer Werft integrierte Abfallentsorgungssysteme. Denn: "Statistisch betrachtet verursacht jeder Kreuzfahrt-Passagier täglich bis zu 2,5 Kilogramm Speisereste, 1,8 Kilogramm Verpackungsabfall und etwa ein Kilo Glas- und Dosenmüll", heißt es im Nachhaltigkeitsbericht der Meyer Werft. Der Müll wird schon an Bord getrennt. Laut Meyer Werft wird Recyclebares zerkleinert und gelagert, bis es im Hafen entsprechend entsorgt werden kann. Brennbarer Abfall landet im schiffseigenen Verbrennungsofen. Abwasser wird in einem Bioreaktor an Bord geklärt und dann in Trinkwasserqualität ins Meer gepumpt. Die genauen Technologien beschreibt die Meyer Werft in ihrem Nachhaltigkeitsschreiben von 2016. Sie sind laut Werft-Sprecher Peter Hackmann seit Jahren Standard.

Kein Stickoxid-Katalysator

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Schiffe ohne Scrubber und Katalysator stoßen große Mengen an Schadstoffen aus.

Anders ist das bei Kraftstoff und Abgasen. Die "Norwegian Bliss" verfügt über Marinediesel- und Schweröl-Tanks. Der umweltfreundlichere Marinediesel mit 0,1 Prozent Schwefelgehalt wäre insgesamt sauberer als das Raffinerie-Abfallprodukt Schweröl. Er ist aber auch erheblich teurer. Und: Der Kraftstoff enthält immer noch hundert Mal so viel Schwefel wie Autodiesel. Weniger schmutzig sind Kreuzfahrtschiffe, wenn sie zusätzlich zum Marinediesel einen SCR-Katalysator verwenden. Neben weniger Schwefel enthalten die Abgase dann auch weniger Stickoxide und Feinstaubpartikel. Ein Katalysator könnte laut Naturschutzbund NABU den Ausstoß von Stickoxiden um bis zu 90 Prozent reduzieren. Schiffe, die ab dem 1. Januar 2016 gebaut wurden und in Stickstoff-Emissionskontrollgebieten verkehren wollen, müssen einen solchen Katalysator eigentlich verwenden. Der Baustart für die "Norwegian Bliss" war im Oktober 2016 verkündet worden, eine öffentlichkeitswirksame Kiellegung fand im Mai 2017 statt. Aber: Über einen Stickoxid-Katalysator verfügt das Schiff nicht. Der Grund: Der für das Zertifikat relevante Baustart der "Bliss" war bereits im August 2013. Das bestätigte auch die Schiffs-Zertifizierungsgesellschaft DNV-GL. Es sei nicht unüblich, dass Werften nach Auftragsstellung schnell mit dem Bau der Schiffe beginnen, so ein Sprecher der Gesellschaft.

Stattdessen: Schweröl mit Scrubber

Nach den Regeln der internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO muss die "Norwegian Bliss" durch den frühen Baustart weniger strenge Auflagen erfüllen: Die Stickoxid-Grenzen gelten nicht. Aber immerhin die Schwefeldioxid-Obergrenzen muss das Schiff trotzdem einhalten: Der Treibstoff Marinediesel darf maximal 0,1 Prozent Schwefel enthalten. Schweröl darf auf internationalen Gewässern bis zu 3,5 Prozent Schwefel enthalten. Aber laut IMO darf auch weiterhin Schweröl verwendet werden, solange das Schiff über einen sogenannten Scrubber verfügt, der Schwefeldioxid aus den Abgasen entfernt. Laut Meyer Werft entfernen Scrubber bis zu 95 Prozent des Schwefeldioxids aus den Schiffsabgasen. Der Naturschutzbund NABU sieht darin jedoch auch einen Nachteil: Da die Scrubber dafür sorgten, dass der eine Grenzwert eingehalten werde, würden die Schiffe weiterhin mit Schweröl fahren statt mit dem teuren Marinediesel. Und Schweröl enthält beispielsweise Schwermetalle, die mit verbrannt werden. Trotz Scrubber wird ein Kreuzfahrtschiff also weiterhin große Mengen an Feinstaub und Stickoxiden ausstoßen.

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Letztlich entscheiden die Reedereien

Kürzlich hat die Meyer Werft einen weiteren Auftrag für ein Flüssiggas-Kreuzfahrtschiff bekommen. Das erste LNG-Schiff, die "AIDANova", soll im Herbst ausgedockt werden. Schiffe mit LNG-Antrieb stoßen so gut wie gar keine Schwefeloxide und Feinstaub aus und laut NABU bis zu 70 Prozent weniger Stickoxide als Kreuzfahrtschiffe mit Diesel-Antrieb. Letztendlich entscheiden die Reedereien, welche Art Schiff sie bestellen. Aber auch bei Diesel-Schiffen werden die Regeln strenger. Ab 2021 werden auch Nord- und Ostsee Stickoxid-Kontrollgebiete. Und die IMO setzt die Schwefel-Obergrenze auf internationalen Gewässern auch herab: Während derzeit außerhalb der ECAs noch 3,5 Prozent Schwefelgehalt erlaubt ist, gilt ab 2020 die Obergrenze 0,5 Prozent. Problematisch bleiben aber laut NABU die Strafen bei Nichteinhaltung. Sie seien zu niedrig. In vielen Fällen sei es für die Reedereien günstiger, die Strafen in Kauf zu nehmen, als mit Marinediesel statt Schweröl zu fahren. In den US-Küstengebieten, in denen die "Norwegian Bliss" verkehren soll, ist beispielsweise die US-Küstenwache für die Kontrollen in den Häfen zuständig. Sie kann Strafgelder um 25.000 Dollar pro Tag verhängen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.03.2018 | 06:40 Uhr

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