Stand: 14.03.2019 12:15 Uhr

Schlacht oder nicht Schlacht, das ist die Frage

Vermutetes Gelände der Varusschlacht in Kalkriese bei Osnabrück.

Manches bleibt ja hängen aus der Schule, was die Antike betrifft: "333 bei Issos Keilerei" ist so ein Merksatz. Bisher verband man mit der Varus-Schlacht, dass die Germanen angeführt von Hermann dem Cherusker mehreren römischen Legionen unter dem Feldherrn Varus im Nordwesten des heutigen Deutschlands - genauer gesagt in Kalkriese bei Osnabrück - eine vernichtende Niederlage beibrachten. Doch so langsam scheint sich die Hypothese zur Schlacht mehr und mehr in Wohlgefallen aufzulösen. Nach dem jahrelang über den Ort der Schlacht regelrecht gestritten wurde, scheint es nun so, dass die Wissenschaft sich unsicher ist, ob es in Kalkriese tatsächlich zu einer regelrechten Schlacht kam oder ob es doch eher ein Scharmützel war. Jüngst hat der wissenschaftliche Leiter der Ausgrabungen in Kalkriese (Landkreis Osnabrück), Professor Salvatore Ortisi gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) gesagt, dass man nicht am Ende, sondern am Anfang der Untersuchungen stehe.

Schlacht oder doch nur ein Ereignis?

Mittlerweile scheint zumindest klar, dass der Wall in Kalkriese, der bisher der germanischen Seite zugeordnet wurde, wohl doch von den Römern angelegt wurde. Zuvor hatten Wissenschaftler vermutet, dass sich die Germanen hinter eben jenem Wall versteckten, um die Römer zu überfallen. Nach neuen Erkenntnissen trifft das nicht zu. Das Wort Schlacht nehmen Wissenschaftler Ortisi und auch Landesarchäologe Henning Haßmann nicht mehr so gerne in den Mund. Sie sprechen lieber vom Varus-Ereignis. Möglicherweise sei auch nur ein römisches Lager erstürmt oder überstürzt verlassen worden, so Ortisi gegenüber der NOZ. Der Begriff "Varus-Ereignis" lasse mehr Raum für mögliche Szenarien.

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Zweifel an der Varusschlacht in Kalkriese

14.03.2019 11:15 Uhr
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Auf den Feldern rund um Kalkriese findet man immer wieder Artefakte von Römern und Germanen. Doch hat hier wirklich die epische Varusschlacht stattgefunden? Video (03:45 min)

"Forschung ist dynamisch"

Als Kritik an den Betreibern von Kalkriese will das Archäologe Ortisi nicht verstanden wissen. Forschung sei immer dynamisch. Man müsse Sichtweisen hinterfragen, wenn es neue Erkenntnisse gebe. Die Erkenntnisse, dass der Wall eben nicht von den Germanen, sondern von den Römern errichtet wurde, sind indes nicht neu: Einzelne Altertumswissenschaftler und Historiker hatten von Beginn an darauf verwiesen, dass der Wall Merkmale einer römischen Befestigung aufweise. Die Betreiber hatten dagegen argumentiert, dass die Germanen ihrerseits die Technik von den Römern übernommen hätten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 14.03.2019 | 10:30 Uhr

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