Stand: 12.06.2018 14:28 Uhr

Streit um geplantes Rosemeyer-Museum in Lingen

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Bernd Rosemeyer war nicht nur ein erfolgreicher Rennfahrer, sondern auch SS-Mitglied und Teil der Nazi-Propaganda.

Die Stadt Lingen soll ein neues Museum bekommen: Ein Privatinvestor will an den Rennfahrer Bernd Rosemeyer und dessen Ehefrau, die Fliegerin Elly Beinhorn, erinnern. Im Frühjahr 2019 soll das Haus eröffnet werden. Rosemeyer, 1909 in Lingen geboren, fuhr in den 1930er-Jahren Geschwindigkeitsrekorde und wurde Europameister, war aber auch Mitglied der SS und Teil der NS-Propaganda. Und so sind die Museums-Pläne in der Stadt höchst umstritten.

Keine finanzielle Unterstützung von der Stadt

"Das Museum darf es nicht geben", sagt zum Beispiel der Vorsitzende des Lingener "Forum Juden-Christen", Heribert Lange. Schließlich sei Rosemeyer "im höchsten Maße durch das NS-System belastet und korrumpiert", so Lange zu NDR 1 Niedersachsen. Und auch der Lingener Stadtrat hat beschlossen, das Museum finanziell nicht zu unterstützen. Rosemeyer sei "so zwiespältig einzuschätzen, dass man das nicht machen kann, ohne die Opfer des Nationalsozialismus zu beschädigen", sagt Robert Koop von der Fraktion "Die BürgerNahen".

"Ohne NS-Propaganda kein Völkermord"

Auch aus der Hochschule Osnabrück kommt Gegenwind: Gastdozent Klaus Kocks hat sich gemeinsam mit Studenten mit dem Thema Propaganda beschäftigt - am Beispiel von Bernd Rosemeyer. Kocks warnt vor dem Museum. Er wisse, dass dies von manchen Leuten nicht gerne gehört werde - jedoch: "Wenn ich das aus der Wissenschaft der Propaganda-Untersuchung betrachte, gehören alle Helden der NS-Propaganda in eine Kiste. So leid es mir tut: Ohne diese Propaganda hätte das Volk den Völkermord nicht toleriert und an ihm teilgenommen."

Kurator: "Rosemeyer nicht glorifizieren"

Ob und wie solche Mechanismen funktioniert haben, auch das will der Historiker Bernd Walter in den Blick nehmen. Der Investor hat ihn zum Kurator gemacht und damit beauftragt, Rosemeyers Geschichte aufzuarbeiten: Es gehe darum, "diese Person in allen Facetten darzustellen", sagt Walter, der derzeit ein Konzept für die Ausstellung erarbeitet. "Wenn man sieht, welche Bedeutung Rosemeyer im Bewusstsein vor allem der Motorsportler, aber auch international hat, ist das würdig, sich damit auseinanderzusetzen. Er ist auf jeden Fall eine Person der Zeitgeschichte." Natürlich dürfe er nicht "ausschließlich glorifiziert" werden, natürlich werde es auch um Rosemeyers SS-Mitgliedschaft und die Frage gehen, warum er Mitglied wurde. In den kommenden Wochen will Walter sein Konzept einem Gremium vorstellen - noch ist unklar, wer an diesem Verfahren teilnimmt.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Kulturspiegel | 12.06.2018 | 19:05 Uhr

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